Freitag, 13. März 2009

Opium fürs Volk: Herr der Ringe in Concert

Es ist schon beachtlich, wie Jahre nach der triumphalen Kinotrilogie von Peter Jackson (2001-2003) das Franchise immer noch gemolken werden kann. So zieht beispielsweise derweil das Warschauer Sinfonieorchester durch Deutschland und führt Howard Shores Original-Soundtrack auf, unterstützt von einem großen Chor - insgesamt über 200 Mitwirkende.

Am Dienstag gastierten die Sinfoniker in Dortmund in der Westfalenhalle 2. Das bedeutete schon einmal Abstriche in der Location, denn anstatt eines edlen Konzertsaals erwartete die Besucher eine große Schulaula aus den 70ern oder 80ern. Die aufgestellten Stuhlreihen waren in zwei "Parkette" aufgeteilt und es gab auch Platzeinweiser - kein Wunder bei Sprüngen in der Nummerierung von 21 auf 27. Wir saßen weit hinten und mussten trotzdem jeweils über 40 Euro zahlen. Der Eintrittspreis hatte aber keine abschreckende Wirkung, denn das Publikum passte zu der Örtlichkeit und füllte den Saal zu vielleicht vier Fünfteln.

Gegen 20:00 Uhr betraten dann die Musiker und Sänger in geordneter Reihenfolge die Bühne, bevor die Dirigentin den musikalischen Abend eröffnete. Untermalt wurde die Aufführung durch eine eher dezente Lichtshow, die meistens nur den Chor in blaues oder rotes Licht rückte; einmal wurde auch Saurons suchendes Auge angedeutet, welches den Zuschauerraum durchstreifte. Eine Leinwand hinter dem Chor diente zudem als Projektionsfläche für verschiedene Animationen wie Flüge über Berge, eine brennende Kerze, den Einen Ring oder auch Schwerter. Keines der Motive entstammte jedoch aus den Filmen, die Schwerter schienen zudem mit wenig Aufwand am Computer erstellt worden zu sein - und oft ruckelte das Bild peinlich immer an denselben Stellen, denn viel Abwechslung gab es nicht zu sehen.

Im Vordergrund stand klar die Musik und glücklicherweise war die Akustik ansprechend. Einzig die elektronische Verstärkung des Chors war unnötig, da die Lautsprecheranlage bei episch-gewaltigen Passagen zu dröhnen begann. Generell ist die Herr der Ringe-Musik nach meinem rudimentären Verständnis klassischer Musik schon sehr gut, baut aber als Soundtrack zum einen auf Songstrukturen als auch auf einigen bekannten Motiven auf, die dann eben variiert werden. Das bekannteste Motiv des Soundtracks kam erst recht spät, aber danach bemerkte man natürlich schon Wiederholungen. Ohne die emotionale Bindung durch Kenntnis der Filme dürfte der Abend schnell langweilig werden, obschon der Chor stimmgewaltig für einige Gänsehautmomente sorgte.

Welche Stücke genau gespielt wurden, weiß ich nicht, da ich den Soundtrack nicht so gut kenne; zwei Gesangsstücke aus den Filmabspännen wurden von einer Solistin präsentiert. Diese wurden besonders von den Fanboys bejohlt und beklatscht. Generell bürgerte es sich ein, nach jedem Stück zu klatschen - das ist doch normalerweise nicht Usus im Konzert, oder? Zumindest schien gegen Ende des Abends die Dirigentin davon auch genervt und erhob den Taktstock bereits wieder mittem im Applaus. Um 22:00 Uhr war dann mit Standing Ovations Schluss, inklusive 20 Minuten Pause. Mich wunderte, dass die Fanboys nicht "Zugabe" brüllten.

Alles in allem war es ein netter Abend mit gut dargebotener Musik und mäßiger Visualisierung. 40 Euro dürfte es aber nur erklärten Fans der Filme wert sein.

HdR Halle1

"Das Bier von Weltruf" - Lockruf für den Pöbel?

HdR Halle2

Stehender Applaus - die Fanboys im Glücksrausch

Mittwoch, 21. Januar 2009

Phantastische TV-Schau II: Terminator S.C.C. & Co.

Terminator S.C.C. (ProSieben, Mo. um 21:15)

Der tumbe Zuschauer hätte bei dem Originaltitel vielleicht an dem Marc T. seine Ex denken können, weswegen bei ProSieben aus den Sarah Connor Chronicles eben S.C.C. wurde - logisch... Sicher gab es wenige gewagtere TV-Adaptionen, aber erstaunlicherweise funktioniert Terminator auch in Serie. Aufbauend auf den ersten beiden Kinofilmen und Elementen des dritten, wenn ich's recht verstehe, kämpfen Sarah Connor (knackig: Lena Headey), ihr 16jähriger Sohn und zukünftiger Rebellenführer John (Thomas Dekker) sowie der weibliche Teenage-Cyborg Cameron (süß: Summer Glau) nach einer kleinen Zeitreise - waren Transfers in die Zukunft bisher möglich? - im Jahr 2007 gegen böse Maschinenmenschen und die Entstehung von Skynet.

Auch in der Serie machen die Terminatoren selten halbe Sachen, aber spätestens seit 24 sind hohe Body Counts auch nichts besonderes mehr. Action gibt's also durchaus reichlich, dazu eine sich stetig entwickelnde Geschichte - kein simples "Terminator of the Week"-Konzept. Star ist natürlich die gute Terminatrix Cameron, die sowohl für die rücksichtslosen als auch die heiteren Momente im Bereich des "Zwischenmenschlichen" sorgt. Erstaunlicher- und glücklicherweise geht sie gerne rabiat zur Sache und behält ihre Lizenz zum Töten. Es bleibt zu hoffen, dass sie von den Autoren keinen Data'schen Drang zur Menschwerdung verpasst bekommt und fortan jeden retten will...

Neben dem Kampf gegen Skynet und die Terminatoren läuft noch eine bisher eher undurchsichtige und halbherzig vorangetriebene Teen-Storyline an der Schule von John und Cameron. Generell muss man zudem einwenden, dass die einzelnen Episoden auch jenseits der grundlegenden Zeitreiseparadoxie selten logisch in sich stimmig sind. Oft trifft dies im Bereich von Computertechnik auf, was auch fast immer Superhacker John Connor einschließt. Beim Auslesen fremder Technologie, Knacken von Verschlüsselung oder Eindringen in IT-Systeme muss man als Zuschauer ein Auge zudrücken können. Und eigentlich könnte Cameron das alles wohl auch viel besser als John, aber der hätte ansonsten wohl nix mehr zu tun. Immerhin nervt er nur selten mit Besserwisserei und dummen Pubertätsaktionen.

Also einschalten! Die erste Staffel hat nur neun Episoden, die dürfte ProSieben trotz schlechter Quoten wohl durchsenden.

Lost (ProSieben, Mo. um 22:10)

Die gute vierte Staffel der in Deutschland quotentechnisch chronisch darbenden Mystery-Serie läuft seit Mitte Januar auf ProSieben. Durch den Kontakt mit der Außenwelt passiert eine Menge, der Zuschauer muss aber auch mit mehr Übernatürlichem rechnen...

24 (Premiere, Mo. um 20:15)

Hervorragend: Der Pay-TV-Sender zeigt die siebte Staffel quasi zeitgleich mit der US-Ausstrahlung! Nach drei Folgen lässt sich sagen, dass Jack immer noch der härteste Typ ist, der stets Recht hat und ohne zu zögern für sein Vaterland einspringt. Zu Beginn scheint es, als ob der totgeglaubte Tony Almeida den Schurken gibt - eine Rolle, in der ich seit einiger Zeit Jack Bauer nach all der fehlenden Anerkennung für seine Taten sehen möchte. Wird wohl nie passieren, ebenso wie ein Selbstmord, wie man es Ende der sechsten Staffel angedeutet bekam.

Na ja, zu Beginn ist Jack Bauer wegen seiner "zünftigen" Vorgehensweise in der Vergangenheit angeklagt und die CTU aufgelöst. Passt natürlich zum Regierungswechsel in den USA, wo der War on Terror nicht mehr so en vogue ist. Jack Bauer lässt dazu auch entsprechende Phrasen ab: Natürlich bereue er seine Taten nicht, aber die Öffentlichkeit müsse davon wissen und dann entscheiden, ob eben der Zweck die Mittel heilige.

Nachdem dann Almeida auftaucht, holt sich das FBI Jack zu Hilfe, der sofort das Ruder an sich reißt, alles durchschaut und - sicher auch aus mehrfacher Erfahrung heraus ;-) - feststellt: Maulwürfe im FBI, traue niemandem! Tony versagt als Bösewicht trotz grimmiger Flunsch und nachlässiger Rasur leider völlig und wird schon in der zweiten Folge von Jack kassiert. Doch da die Wende: Bill Buchanan, Chloe O'Brian und eben Tony arbeiten freischaffend gegen eine Riesenverschwörung, die aber bisher scheinbar "nur" ein massenmordendes Regime in Afrika supportet. Tony war dort eingeschleust worden, weswegen Jack ihn nun aus dem FBI-HQ rausknüppeln muss. Zu viert gegen ALLE...

Good vs. Bad

Pushing Daisies (ProSieben, Mi. um 21:15)

War ich zu Beginn vom skurrilen Charme und Humor (Chi McBride!) im Amélie-Stil noch angetan, blieb mir die Serie schon in der ersten Staffel irgendwie zu harmlos und, äh, künstlich. Schaue ich also nicht mehr.

Smallville (RTL2, Mi. um 22:05)

Regelmäßig verfolgt habe ich diese Serie nie, dazu war sie lange Zeit zu banal. Hass wie der Wortvogel verspüre ich dagegen nicht, zum Reinzappen ist's zu gebrauchen. Auf RTL2 läuft die siebte Staffel gerade langsam aus.

Prison Break (RTL, Do. um 23:15)

Die erste Staffel war ein ziemlich kompromissloser Hit, vor allem die erste Hälfte. Danach ging es langsam bergab. In der dritten Staffel sitzen Michael Scofield und ein paar alte Feinde im von den Knastis übernommenen Gefängnis Sona in Panama ein. Leider ist dieses angebliche Höllenloch kaum gefährlicher als damals Fox River - das Konzept wird also verwässert. Zudem ist die Involvierung der bösen Company sehr konstruiert, aber wirklich abstrus wird es erst in der vierten Staffel, die in den USA gerade pausiert. Eine weitere Staffel wird es zum Glück nicht geben. Warum kann man Serie nicht einfach beenden, wenn es nichts mehr zu erwählen gibt (in dem Zusammenhang bin ich auf die dritte Staffel von Dexter gespannt)...

Jekyll (arte, Fr. um 22:30)

Eine moderne Mischung aus Neuinterpretation und Fortsetzung von Dr. Jekyll und Mr. Hyde aus England. Leider habe ich von der Miniserie die zweite Folge verpasst, kann also nicht sagen, wie es sich entwickeln wird. Uninteressant war die erste Episode sicher nicht.

Und sonst?

Ist How I met your Mother eigentlich wirklich so gut? Habe bisher alle Folgen auf ProSieben verpasst. Und was sollen eigentlich alle diese Vampirserien der letzten Zeit: Moonlight, momentan Blood Ties auf RTL2. Da soll lieber mal die Blade-Serie fortgesetzt werden, denn die war wirklich gut!

Freitag, 16. Januar 2009

Hochliteratur (Bodenschätze, Bodensätze II)

Bannister, der geniale Cowboy...

Red Kings-Valley

G.F. Unger: Red Kings-Valley (Top-Western Nr. 233, S. 51)

Sehr interessant sind auch die Werbeanzeigen:

Red Kings-Valley Werbung

Donnerstag, 25. Dezember 2008

Wirre Weihnachtsgedanken

Zuletzt war in diesem Blog nicht so viel los, was sich zumindest in diesem Jahr auch nicht groß ändern wird. Aktiver weil weniger aufwändig bin ich in Twitter (siehe auch in der Seitenleiste); der Elektrische Reporter über "Microblogging: Leben in 140 Zeichen".

Was 2008 zuletzt u.a. angedacht war, aber nichts wurde:
  • Ein Artikel über Wertungsrevisionismus in GameStar. Sichtung der Quellen ist schon recht fortgeschritten, aber Struktur und tatsächlicher Inhalt nicht.
  • Eine Rezension zu Brad Andersons Film Transsiberian, dem ich bereits in Twitter wenig Gutes abgewinnen konnte. Klischeehaft und unglaubwürdig, zwei von fünf Punkte.
  • Vorstellungen der NDS-Spiele Lock's Quest und Soul Bubbles. Das erste ist ein Tower-Defense-Game, das zweite habe ich bisher nicht einmal angefangen (Grind That Authority findet's super).
  • Eine Betrachtung der recht neuen Videospielzeitschrift ConsolPLUS.
  • Ähnlich dem Bits und so-Adventskalender eine Vorstellung nützlicher, von mir mehr oder weniger täglich eingesetzter Windows-Programme. Kommt 2009 (natürlich nicht in Videoform).
Was mir gerade sonst noch einfällt:
  • Qwinn hat Version 3.0 seines "Ultimate WeiDU Fixpack" für Planescape: Torment veröffentlicht. Seine Mods "Unfinished Business" und "Tweak Pack" wurden ebenso aktualisiert.
  • Nach Umsatzproblemen scheint es studiVZ nicht mehr nötig zu haben, auf Feedback zu reagieren: URLs in Nachrichten werden immer noch durch Leerzeichen zerschossen und direkt verlinkte Bilder lassen sich ohne Anmeldung betrachten.
Ansonsten: Frohe Weihnachten und guten Rutsch!

PS: So, Xbox-360-Controller habe ich jetzt, nun fehlt noch die Konsole...

Samstag, 29. November 2008

Ein Quantum Trost

Ein Quantum Trost ist der zweite Teil des Serien-Relaunches mit Daniel Craig als bester Geheimagent Ihrer Majestät, der 2006 das mir unbekannte Casino Royale besuchte. Nachdem die Bourne-Trilogie als Bond des neuen Jahrtausends angesehen werden konnte, zieht das Original nach und präsentiert sich abgeklärt, kantig und hart - vom charmanten Gentleman "007" bleibt kaum etwas übrig.

Eine rasante Autoverfolgungsjagd über enge Bergstraßen eröffnet den Film, jedoch derart hektisch geschnitten, dass die Übersicht oft auf der Strecke bleibt. In späteren Szenen Mann gegen Mann verstärkt sich dies noch und ohne schnelle Augen wird der geneigte Zuschauer schwerlich nachvollziehen, wer jetzt wen gerade verdrischt - miserabel! Manch einer mag scherzen, dass Ein Quantum Trost aufgrund der schnellen Schnitte nur auf etwas mehr als 100 min Laufzeit kommt. Auch am Bond-Girl ist der Schnitt erkennbar: Olga Kurylenko trägt eine Narbe auf dem Rücken, die erst am Ende des Filmes überhaupt Erwähnung findet. Kurylenko landet mit Bond übrigens nicht in der Kiste; dafür ist eine Quasi-Moneypenny zur Stelle, die später als Goldfinger-Zitat herhalten muss.

Viel mehr bleibt von den "Essentials" der Bond-Universums nicht übrig, so wurden bis auf ein paar hippe Touch-Displays sämtliche (!) Agentengimmicks gestrichen. Außer einem Fotohandy hat Bond nichts dabei und fällt überall auf der Welt mit der Tür ins Haus. Die Geschichte selbst ist eher wirr und wenig aufregend, die Bad Company, die niemand kennt und ihre Leute überall hat, wirkt selten bedrohlich. Grundsätzlich ist Bond auch noch auf einem Rachefeldzug wegen des Todes seiner Verlobten aus Casino Royale, weswegen der Film teils wie ein Remake von Lizenz zum Töten wirkt. Das große Finale ist dann eher unfreiwillig komisch im Zwang, ein "klassisches" Hauptquartier der Schurken präsentieren zu müssen, um es aufwändig in die Luft zu jagen.

Trotz dieser geballten Kritik ist Ein Quantum Trost meistens ordentlich inszeniert und bietet viele Locations, schicke Bilder und einige Action. Nur von einem altehrwürdigen James Bond kann nicht mehr die Rede sein, während gleichzeitig die Neuausrichtung nicht gelungen wirkt. [3/5]

007: Ein Quantum Trost
GB/USA 2008 | IMDb | OFDb
Regie: Marc Forster
Buch: Paul Haggis, Neal Purvis, Robert Wade
Darsteller: Daniel Craig, Mathieu Almaric, Olga Kurylenko, Judi Dench, Jeffrey Wright u.a.

Suche

 

Beiträge & Kommentare

Über uns
HomiSite, 2023-10-01 10:54
Unterwegs in Düsterburg
HomiSite, 2021-03-04 11:39
Gods - Lands of Infinity [Update]
HomiSite, 2020-07-02 21:53
Spiele des Jahres 2017 im Internet
HomiSite, 2018-02-06 12:46
Spiele des Jahres 2016 im Internet
HomiSite, 2017-01-06 14:51

Microblogging

Glotzen

Lauschen

Zocken

Kaum noch AAA, viel Indie und Multiplayer, wenig Steam und Switch.

Status

Erstellt: 2006-09-02 17:58
Online seit 7219 Tagen
Letztes Update: 2024-10-11 15:45
338 Beiträge mit 178 Kommentaren

Credits & Feeds