Gods - Lands of Infinity [Update]

Heute habe ich Gods - Lands of Infinity durchgespielt, ein ziemlich unbekanntes Rollenspiel, was man am Fehlen von GameFAQs erkennt (eine einfache Lösung gibt es hier [R.I.P.] oder bei IGN). Der SpielerVier hatte das slowakische Low-Budget-Rollenspiel wohlwollend vorgestellt, die Printmedien... nicht!

Wieder einmal wurde die tatsächliche Qualität eines Spiels aufgrund falscher Erwartungen übersehen. Es mag zwar unfair sein, die Tests der Zeitschriften nun auf Basis des gepatchten Spiels zu kritisieren, aber auf vom Patch behobene Details gehen die Reviews eh nicht ein - und außerdem erschien nur der letzte Patch 1.40 kurz nach GameStar 9/2006 (ich wünsche seit langem, dass die getestete Version angegeben wird).

PC Games, Thomas Weiß in 8/2006 (48%)
«Dass "deutsche Texte" als Feature auf der Packung auftauchen, lässt erahnen, wie es um den Rest steht:»
Wenn aber ein Spiel mal nicht in Deutsch ist, zählt das schon als Kritikpunkt...
«Gods ist ein Rollenspiel für Geschmacksverirrte, die Namen wie Arswaargh oder Svatopluck für eine gute Sache halten.»
An Svatopluck kann ich mich gerade nicht erinnern, aber schön, dass sich über Geschmack streiten lässt.
«Gespielt wird als Vivien, die nach Betätigung der Tastatur durch eine angeblich "fotorealistische Umgebung" schwankt. In Wahrheit ist sie nicht schöner als ein Backstein.»
Schwanken? Und die Grafik ist sicher nicht besonders herausragend, aber insgesamt durchaus stimmig. Aber immer schön am Packungstext des Publishers hochziehen...
«Bei Gegnerkontakt führt Vivien Rundenkämpfe, während die Kamera Karussell fährt. Das würde Dynamik erzeugen, so es denn klappte.»
Ja, die Kampfkamera wackelt unansehnlich herum - deswegen habe ich sie auch in den Optionen ausgestellt (Patch 1.40).
«Amüsant ist die Sprachausgabe: Ein einziger Sprecher vertonte Armeen an Figuren - in einer Stimme wie geschaffen für Vokabeltrainer vom Grabbeltisch.»
Sprachausgabe gibt es nur in Ausnahmefällen bzw. als Begrüßungssatz der verschiedenen Händler, insofern stört es nicht wirklich. Eine weibliche Stimmen gibt es übrigens auch.

GameStar, Daniel Matschijewsky in 9/2006 (45%)
«Ein Rollenspiel, das keine Rolle spielt.

Götter, zürnt nicht wegen Gods! Es will wie Gothic 2 sein, doch es ist nur ein öder Klon.»
Wer sagt, dass es wie Gothic 2 sein will!?
«Die Quests langweilen, die Welt ist detailarm und leblos. Auch die rundenbasierten Kämpfe nerven, da sie stets gleich ablaufen.»
Es stimmt, die Quests sind kaum besonders spannend, treiben aber die Handlung voran. Optionale Quests sind in der Tat rar gesäht und kommen eher in der ersten Spielhälfte vor. Die Welt ist zwar klein und in separate Örtlichkeiten aufgeteilt, aber sicher nicht leblos - andererseits will es halt auch kein Gothic mit Tagesabläufen und vielschichtigen Charakteren sein. Und komisch, dass die Kämpfe immer gleich ablaufen - liegt vielleicht daran, dass es immer dasselbe Kampfsystem bleibt!? Oder weil man mit Level 4 wie auf dem Screenshot im Heft erkennbar noch nicht viele Manöver beherrscht.
«Das Lustige an Gods sind eigentlich nur die von Publisher Frogster hochgelobten Features auf der Rückseite der Verpackung. Da ist zum Beispiel von einer epischen Story mit abwechslungsreichen Handlungssträngen die Rede.»
Das Lustige an GameStar ist, dass der Test eine Ausgabe nach dem PC Games-Review sich ebenfalls an den Packungstexten hochzieht.
«In Wahrheit steuern Sie die langweilige Heldin Lydia (übrigens der einzige Charakter) durch eine noch langweiligere Geschichte um Götter, die auf der irdischen Welt Bellarion ihre finale Schlacht austragen.»
In Wahrheit heißt die Heldin im Spiel Vivien, auch wenn auf der "lustigen" Verpackung Lydia steht. Sie ist der Hauptcharaker, aber es schließen sich ihr vorrübergehend auch weitere Begleiter an - wie auf dem Screenshot im Heft und auch auf der Packung erkenntlich.
«Von dem Krieg bekommen Sie jedoch kaum etwas mit, da Sie ständig mit öden Botengängen und dem Bekämpfen von Wölfen oder Orks beschäftigt sind.»
Die Hintergrundgeschichte spielt in der Tat leider lange Zeit kaum eine Rolle und scheint zudem sehr losgelöst vom Spielgeschehen selbst. Nur liegt dies nicht an ablenkenden Botengängen, die auch gar nicht "ständig" auftauchen. Und mehr Gegner gibt es jenseits von Level 4... Jedoch lässt deren Vielfalt insgesamt schon zu wünschen übrig.
«Kommen Sie in die Reichweite eines Feindes, schaltet das Spiel in den rundenbasierten Gefechtsmodus. Trotz diverser Taktikmöglichkeiten (Heilung oder besonders starker Angriff?) gewinnen Sie immer auf dieselbe Weise.»
Hat GameStar eine tolle Geheimtaktik gefunden? Oder auf "leicht" gespielt? Oder halt nur bis Charakterlevel 4? Es trifft bei einer kleinen Party aber zu, dass die effektiven Taktiken dort begrenzt sind.
«Doch zurück zur Packung: "Animierte Landschaft und fotorealistische Umgebung" steht da. In Sachen Detailfülle, Animationen und Effekten sieht aber selbst das über vier Jahre alte Gothic 2 besser aus. Bleibt nur noch zu beten: Ihr Götter, blickt lieber nach Oblivion. Denn dort ist alles besser.»
Ja, das Lesen der Packung bzw. des PCG-Reviews ist auch viel entspannter als Gods ordentlich zu testen. Die Grafik ist nicht gut, aber durchaus stimmungsvoll und mit netten Shader-Effekten verziert. Oblivion mag "besser" sein, aber vor allem anders.
«[Meinungskasten] Von wegen göttlich: Eine ganz persönliche Frage an die Macher von Gods: Kennt ihr Oblivion, Knights of the Old Republic 2 oder das uralte, aber immer noch brillante Gothic 2? Wenn nicht, dann solltet ihr die Titel unbedingt mal ausprobieren. So würde die Wahrscheinlichkeit auf Null sinken, dass ihr noch einmal so ein ödes Möchtegern-Rollenspiel entwickelt.»
Im Gegensatz zu den drei erwähnten Titeln ist Gods ein klassisches PC-Rollenspiel gepaart mit einem konsolentypischen Kampfsystem. Wer ein RPG der alten Schule sucht, wird es nicht "öde" finden.
«Denn in Gods motivieren weder die Story noch die Charakterentwicklung oder das Kampfsystem. Und damit ist dieser Titel überflüssig.»
Die Geschichte ist in der Tat ein Schwachpunkt, vor allem da ein bedeutender Götterkonflikt thematisiert wird, der so nicht passiert. Aber das einfache Verbessern und Aufrüsten der Charaktere hält einen bei der Stange, ebenso wie die vielleicht nicht immer abwechslungsreichen, aber vor allem später durchaus taktischen Kämpfe.

Update: Abschließend und nachträglich meine Einschätzung zu Gods - und wie damals der SpielerVier kann eine uneingeschränkte Empfehlung nicht erfolgen. Die Kritikpunkte in den oben zitierten Tests treffen im Kern schon zu und ich habe selbst noch einige nervige Kleinigkeiten bemerkt, aber wer Rollenspiele klassischer Bauart wie Wizards & Warriors (Heuristic Park 2000) oder Wizardry 8 (Sir-Tech 2001) mag, sollte ruhig zugreifen. Eine packend inszenierte und spannende Geschichte darf man halt nicht erwarten.

Trotz diverser Detailmängel - die Bedienung ist z.B. etwas umständlich, das unausgegorene Alchemiesystem überflüssig, die Animationen sind hakelig - macht Gods Spaß, weil es eben nicht übermäßig komplex ist: Sowohl Charakterentwicklung als auch Kampfsystem sind einfach zu verstehen, letzteres besonders im späteren Verlauf mit größerer Party aber nicht anspruchslos (einige Gefährten gehen leider ohne direkte Vorwarnung inklusive ihres Inventars, also save often, save early), und in der kleinteiligen Spielwelt wird man sich - auch dank guter Automap - nicht verirren.
Es ist eben keine Gothic'sche Mittelaltersimulation, denn Häuser lassen sich grundsätzlich nicht betreten, die zweckmäßigen NPCs von Tageszeiten nicht beeindrucken, Forschernaturen werden (leider) auch nur spärlich belohnt. Und wer immer die beste Ausrüstung haben will, muss ausgiebig Handel treiben, während man niemals in Dungeons hinabsteigen oder mit Rätseln hadern wird.

Gods ist ein sympathisches Spiel mit Ecken und Kanten, welches nicht kaum nervt und nicht überfordert. Das nächste Ziel ist immer vor Augen und man muss keine Angst vor "Verskillen" oder endlosem "Aufleveln" haben; ich habe normalerweise alle der meist nicht wiederkehrenden Gegner in den einzelnen Locations erledigt und kam ohne astronomisch teures High-End-Equipment sehr gut klar. Nur zwei Kämpfe waren übermäßig schwer - und im letzten Spielabschnitt musste ich dann doch auf den leichten Schwierigkeitsgrad wechseln, weil jeder Kampf Russisches Roulette darstellte. Das trifft aber nicht aufs Spiel zu.

PS: Anfang 2007 erschien eine vor allem technisch verbesserte Special Edition, die es aber meines Wissens nicht nach Deutschland geschafft hat.

Gods - Lands of Infinity (PC)
Frogster/Cypron Studios 2006 | MobyGames | OGDb
Update: Link zum SpielerVier-Artikel
BalkanToni (Gast) am 2008-05-12 13:51

Guter Artikel

Guter Artikel - es hätte mir gut gefallen, wenn du noch etwas stärker auf die Stärken des Spiels eigegangen wärest, die von den Magazinen unerwähnt bleiben, damit ich weiß, ob sich ein Kauf lohnen würde (das Spiel gibt es nämlich sehr günstig im örtlichen MediaMarkt zu kaufen). Außerdem wünsche ich mir den von dir angekündigten Artikel zum Gamestar-Wertungsrevisionismus (du hattest ihn im Zusammenhang mit dem Fortsetzungsartikle in der letzten Gamestar-Ausgabe erwähnt hattest). Das würde mich SEHR interessieren (und das meine ich ehrlich und ohne jede Ironie)! Mach' dich mal an die Arbeit, fauler Sack! ;)

HomiSite am 2008-05-12 14:30

Wie ich schrieb, schiebe ich meine eigene Betrachtung der Schwächen (und Stärken) nach, eventuell :-). Ich hatte gestern nur keine Lust mehr, an den Text noch quasi mein eigenes Kurzreview anzuhängen. Die Essenz wäre: Gods hat viele Macken, aber es nervt/überfordert den Spieler nicht ("Flow"...).

Zwischen Ankündigung und Realität gibt's bei mir aufgrund meiner Faulheit :-( oft eine Lücke, besonders da man für den Revisionismusartikel ordentlich GameStars wälzen muss. Aber er ist nicht abgeschrieben und kommt sicher in der einen oder anderen Form (schon ein paar Notizen gemacht).
BalkanToni (Gast) am 2008-05-15 20:36

Ok...

...ich werde es mir wohl kaufen.

Ich warte auf deinen Bericht zum Wertungsrevisionismus der Gamestar! Ab in die Recherche! Zum Thema Unterwertung "Planescape: Torment" hatte sich Mick Schnelle in einem Interview geäußert. Interessant!

HomiSite am 2008-05-15 22:19

Ihr seid für die analytischen Berichte zuständig, bei mir bricht nur manchmal so etwas hervor. Ich bin eher Kommentator. Mit anderen Worten: Ich verspreche den Artikel leider nicht für die unmittelbare Zukunft.

Welches Interview meinst du? Ich kenne das von "PC Player forever", da geht es aber um Wizardry 8 (was aber in die gleiche Kerbe schlägt).

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