Relaunch: GamePro

Nach zwei Ausgaben im neuen Layout möchte ich auch noch kurz meine Meinung zum Relaunch kundtun. Das Konsolenmagazin GamePro bekam zuletzt mit Heft 1/07 ein komplett neues Aussehen verpasst, gleichzeitig wurde das "innovative" Wertungssystem mit addierten Einzelwertungen eingeführt. Während dieses Prozentsystem immer umstritten war, entsprach das Layout schon lange nicht mehr modernen Ansprüchen - nur unterboten vom altbackenen und unaufgeräumten Internetauftritt des Magazins.

Layout

Mit Ausgabe 6/10 wurde endlich vieles neu gestaltet: "Mehr Hintergründe, mehr Meinung, neues Wertungssystem, moderner Look" prangte vielversprechend auf dem wesentlich aufgeräumteren, dafür haptisch abgespeckten Cover. Es gibt nun auch ein richtiges Editorial vom Chefredakteur Markus Schwerdtel, der von einer entschlackten Optik und rausgeworfenem Kleinzeug berichtete. Dem kann man zustimmen, das Layout ist reduzierter, setzt auf viel Weiß, klare Farben und verbannt Rundecken. Die neue Schrift ist bei Überschriften, die nun teils brachiale Ausmaße annehmen, etwas eleganter und generell großzügiger, die Netto-Textmenge scheint dennoch wie behauptet (minimal) zugenommen zu haben. Die Spaltenanzahl wurde von vier auf zwei reduziert, fürs Magaziniac.Blog führt dies zu "großen Textklumpen". Vor allem aber wurde der bisher gigantische, kaum genutzte Freiraum am oberen und seitlichen Rand des Heftes verkleinert bzw. für größere Screenshots verwandt. Dabei ist der Verlag zunächst jedoch übers Ziel hinausgeschossen: In vielen Tests gab es nur einen einzigen Screenshot! In Ausgabe 7/10 wurde dahingehend nachgebessert und auch etwas mehr Farbe in den Wertungskasten gegossen.

Die Farbcodierung der einzelnen Rubriken wurde im Kern beibehalten, für die einzelnen Konsolen jedoch gestrichen. Als Stilelement wurden gepunktete Linien eingeführt, die zumindest bei den News die Übersichtlichkeit erhöhen. Auf dem Cover wirken sie dagegen eher wie Schnittmuster. Das neue Blau der Testrubrik ähnelt nun stark dem der M! Games, die Irritation wird noch dadurch verstärkt, dass die Texte der GamePro jetzt gleichfalls mit ">>" beginnen...!

Wertungssytem

Das Wertungssystem wurde "deutlich vereinfacht", was mich schmunzeln ließ, da doch das Additionsverfahren damals mit großem Tamtam eingeführt und die vorgebliche Transparenz stets verteidigt wurde. Übrig geblieben ist davon jetzt... nichts. Rausgeflogen sind "Einarbeitungszeit", "GenreCheck" (genrespezifische Details über das jeweilige Spiel) und Einzelwertungen für "Bedienung", "Gamedesign", "Story/Spielwelt" und "Umfang". Letztere werden aber weiterhin unter der allgemeinen Aufzählungsliste "Pro & Contra" beachtet. Ebenso entsorgt wurden die vier Spielspaß-Einzelwertungen der Redakteure, dafür wurde als kleiner Ausgleich die Extraseite "Test Tweet" eingeführt, auf der je fünf subjektive Meinungen zu fünf Spielen plus "Download des Monats" zu finden sind. Der "Systemvergleich" und der unbewertete "Multiplayer" sind als Pro- und Contra-Listen in den Wertungskasten integriert worden; eine Aufschlüsselung der Spieleranzahl existiert höchstens im Fließtext. Drei Einzelwertungen sind also übriggeblieben: Grafik und Sound mit 1-10 Punkten sowie Spielspaß in Prozent (letzteres wird zusätzlich als Rundplakette und ggf. Auszeichnung in den Wertungskasten geklatscht, was mich ähnlich stört wie damals die schräge Spielspaßwertung der Video Games). Dies ist das einfachste Wertungssystem in der Geschichte der GamePro!

Erstaunlich, dass ich nach all den Jahren mit dem Additionssystem und der Kritik daran tatsächlich die "Transparenz" der Spielspaßwertung kurzzeitig vermisste. Ansonsten gefallen mir die Änderungen, auch wenn nicht alle Angaben des GenreChecks und Multiplayer-Kastens hätten ersatzlos gestrichen werden müssen. Aber vielleicht wird so das Hauptaugenmerk wieder auf den Text gelenkt - das Streichen der vielen Einzelwertungen ist auf alle Fälle richtig und wichtig gewesen!

In Ausgabe 7/10 wurde als Erklärung für die Streichungen Redundanz vieler Wertungen sowie Inkompatibilität mit neuen Spielkonzepten (Heavy Rain) nachgereicht. Trotzdem beschleicht mich bei dieser Rosskur auch das Gefühl, die Redaktion wolle sich schlicht Arbeit ersparen: Das Sammeln der Fakten für den GenreCheck, das Finden der vielen Einzelwertungen inkl. entsprechender Vor- und Nachteile sowie der vier Redakteurswertungen. Und mal ehrlich: Dass immer jeder der vier angegebenen Tester das Spiel tatsächlich umfasssend gespielt hatte, muss bezweifelt werden. Nun ist dieser ganze Ballast abgeschafft und die Redaktion muss sich auch nicht mehr für fragwürdige Einzelwertungen rechtfertigen...

Die GamePro testet Spiele nun auf mindestens zwei Seiten, was an sich begrüßenswert ist. Andererseits reduziert sich die Anzahl so auf neun bis zehn Tests und viele Spiele, vor allem aus dem Handheld-Bereich, fallen durchs Raster. Nicht einmal in irgendwelchen Listen werden sie erwähnt - die "Termine" enthalten nur noch Spiele, die sehr wahrscheinlich auch im Heft getestet werden. Sicher waren Kurzreviews in der Vergangenheit nicht das Wahre, aber die Kritik entzündete sich meist daran, dass auf Kosten der Tests eben Previews aufgebläht wurden. Ein Vorteil von Videospielmagazinen ist doch auch der praktische Marktüberblick, der ohne jegliche Nennung kleinerer Titel verloren geht. Inwieweit die unübersichtliche Website der GamePro dies kompensiert, habe ich nicht überprüft. Zumindest ist in den bisherigen Ausgaben die Umfangsverteilung recht gelungen: 22/22 Vorschauseiten (8/6 Previews) stehen 26/24 Testseiten (9/10 Reviews) gegenüber.

Positiv ist die stärkere Berücksichtigung von Download- und Mehrspieler-Games in den Rubriken "Netzwerk" und "Multiplayer-Check", die je zwei Seiten spendiert bekamen, was eine Verdoppelung des Platzes bedeutet. Warum dafür aber das Inhaltsverzeichnis der DVD auf zwei eigene Seiten daherkommt, ist unverständlich.

Berichte

Stolz ist man bei GamePro auch auf die ausgebauten Berichte und Specials - etwas, womit sich Hefte noch von Internetangeboten abheben können. Die in meinen Augen reichlich überflüssige Reihe "Geschmacksfrage" wurde durch "GamePro Elements" ersetzt, worin - Überraschung - einzelne Spielelemente betrachtet werden; bisher der Schuss und der Sprung auf je fünf Seiten (die Feedback-Aufforderung in 6/10 scheint wenig Erfolg gehabt zu haben). Mir scheint, dass diese Texte gehaltvoller sind als die bisherigen "Dossiers", in denen eigentlich nur Game Name Dropping betrieben wurde. Die "Retro Hall of Fame" gibt es weiterhin, dazu kommen noch zweiseitige Interviews sowie weitere Berichte. Alles in allem eine schöne Entwicklung, obschon ich zur inhaltlichen Qualität mir noch kein abschließendes Urteil gebildet habe - auch weil ich noch nicht alles gelesen habe, was vielleicht schon ein Statement ist... Unschön jedoch, dass diese ganzen Berichte nun munter übers Heft verteilt sind. In Ausgabe 6/10 fühlte man sich ziemlich aus dem Magazin geschmissen, in 7/10 ist dagegen schon mehr aus der "Magazin"-Rubrik am Heftende versammelt. Die Leserbriefe sind in diesem Heft auch zurückgekehrt, sollen in Zukunft aber eine "große Frage" behandeln, nächste Ausgabe: "Download Content - doof oder cool?"

Fazit

Die vollzogenen Änderungen im Layout und Testsystem waren überfällig und sind allein deshalb begrüßenswert. Das Heft wirkt nun moderner, aber brilliant oder innovativ ist das neue Layout sicher nicht. Etwas befremdlich gestaltet sich die vereinzelt auffällige Ähnlichkeit zur M! Games - von dort hätte GamePro dann auch den Verzicht auf fette Überschriften und/oder Artworks übernehmen können, um mehr Text oder Screenshots unterzubringen. "Mehr Meinung" suche ich noch, ansonsten muss man abwarten, ob die spielnahen Reportagen (also kaum GEE-Themen) die Reduzierung der Tests auffangen werden.

PS: Ich versuche mich gerade zu erinnern, aber war damals die MAN!AC nicht mit einem umfangreichen Wertungskasten Vorreiter? Geschichte wiederholt sich...

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