Real Life

Donnerstag, 25. Juni 2009

Der Preis bleibt stabil

Mein erstes Handy legte ich mir am 29.01.2001 zu, ein Siemens C35i bei T-Mobile. Oder T-D1, wie es damals noch hieß. Da ich mit dem Mobiltelefon eigentlich nur während des Grundwehrdienstes nach Hause telefonieren wollte, wählte ich einen Prepaid-Tarif - natürlich musste ich trotzdem Anschrift angeben und Ausweis vorlegen - mit "Xtra Nummer Eins", bei dem eine frei wählbare Festnetz- oder D1-Nummer besonders günstig war. Erkauft wurde dies durch endlos viele Tarifzeiten: "Weekend", "Sunshine", "Moonshine" (noch 2006 war ein nächtlicher Anruf zu E-Plus/O2 teurer als zu Vodafone). Trotzdem waren im günstigsten Fall umgerechnet 0,08 Euro pro Minute sehr fair, man durfte nur nicht tagsüber unter der Woche telefonieren.

Mit dem beiliegenden Nickel-Metallhydrid-Akku (500 mAh) hatte ich nicht lange Freude, auch ein später nachgekaufter Lithium-Ionen-Akku (900 mAh) hielt alsbald nur noch kurz durch. Daher wurde Ende 2004 ein neues Handy angeschafft: Siemens A60. Es kostete ungefähr so viel wie mein erstes, konnte aber weniger - zumindest sinnvolle Features wie ein rudimentärer Kalender fielen weg... Immerhin verrichtet der Li-Ion-Originalakku (700 mAh) noch heute ordentlich seinen Dienst.

Jetzt habe ich nach knapp 8,5 Jahren meinen Tarif online umgestellt, was anscheinend fast sofort und sogar kostenlos ging. Warum meine Mobilbox mir aber seit längerem sagt, ich sei ein unbekannter Teilnehmer, konnte man mir im T-Punkt (natürlich?) nicht beantworten.

Der neue Tarif "Xtra Click" ist wesentlich übersichtlicher und mit Minuten/SMS-Preisen zu T-Mobile von 0,05 Cent sogar in meinen Augen billig. Dass aber der Preis für Kurzmitteilungen in andere Netze in all den Jahren nur um 4 Cent sank, ist schon ernüchternd! Wird Zeit, dass die EU nach den Roaming-Gebühren auch dort mal reguliert, anstatt an der Netzneutralität drehen zu wollen.

PS: Eigentlich sind SMS ja eh völlig veraltet und überteuert, wenn man's mit E-Mail vergleicht.

Freitag, 13. März 2009

Opium fürs Volk: Herr der Ringe in Concert

Es ist schon beachtlich, wie Jahre nach der triumphalen Kinotrilogie von Peter Jackson (2001-2003) das Franchise immer noch gemolken werden kann. So zieht beispielsweise derweil das Warschauer Sinfonieorchester durch Deutschland und führt Howard Shores Original-Soundtrack auf, unterstützt von einem großen Chor - insgesamt über 200 Mitwirkende.

Am Dienstag gastierten die Sinfoniker in Dortmund in der Westfalenhalle 2. Das bedeutete schon einmal Abstriche in der Location, denn anstatt eines edlen Konzertsaals erwartete die Besucher eine große Schulaula aus den 70ern oder 80ern. Die aufgestellten Stuhlreihen waren in zwei "Parkette" aufgeteilt und es gab auch Platzeinweiser - kein Wunder bei Sprüngen in der Nummerierung von 21 auf 27. Wir saßen weit hinten und mussten trotzdem jeweils über 40 Euro zahlen. Der Eintrittspreis hatte aber keine abschreckende Wirkung, denn das Publikum passte zu der Örtlichkeit und füllte den Saal zu vielleicht vier Fünfteln.

Gegen 20:00 Uhr betraten dann die Musiker und Sänger in geordneter Reihenfolge die Bühne, bevor die Dirigentin den musikalischen Abend eröffnete. Untermalt wurde die Aufführung durch eine eher dezente Lichtshow, die meistens nur den Chor in blaues oder rotes Licht rückte; einmal wurde auch Saurons suchendes Auge angedeutet, welches den Zuschauerraum durchstreifte. Eine Leinwand hinter dem Chor diente zudem als Projektionsfläche für verschiedene Animationen wie Flüge über Berge, eine brennende Kerze, den Einen Ring oder auch Schwerter. Keines der Motive entstammte jedoch aus den Filmen, die Schwerter schienen zudem mit wenig Aufwand am Computer erstellt worden zu sein - und oft ruckelte das Bild peinlich immer an denselben Stellen, denn viel Abwechslung gab es nicht zu sehen.

Im Vordergrund stand klar die Musik und glücklicherweise war die Akustik ansprechend. Einzig die elektronische Verstärkung des Chors war unnötig, da die Lautsprecheranlage bei episch-gewaltigen Passagen zu dröhnen begann. Generell ist die Herr der Ringe-Musik nach meinem rudimentären Verständnis klassischer Musik schon sehr gut, baut aber als Soundtrack zum einen auf Songstrukturen als auch auf einigen bekannten Motiven auf, die dann eben variiert werden. Das bekannteste Motiv des Soundtracks kam erst recht spät, aber danach bemerkte man natürlich schon Wiederholungen. Ohne die emotionale Bindung durch Kenntnis der Filme dürfte der Abend schnell langweilig werden, obschon der Chor stimmgewaltig für einige Gänsehautmomente sorgte.

Welche Stücke genau gespielt wurden, weiß ich nicht, da ich den Soundtrack nicht so gut kenne; zwei Gesangsstücke aus den Filmabspännen wurden von einer Solistin präsentiert. Diese wurden besonders von den Fanboys bejohlt und beklatscht. Generell bürgerte es sich ein, nach jedem Stück zu klatschen - das ist doch normalerweise nicht Usus im Konzert, oder? Zumindest schien gegen Ende des Abends die Dirigentin davon auch genervt und erhob den Taktstock bereits wieder mittem im Applaus. Um 22:00 Uhr war dann mit Standing Ovations Schluss, inklusive 20 Minuten Pause. Mich wunderte, dass die Fanboys nicht "Zugabe" brüllten.

Alles in allem war es ein netter Abend mit gut dargebotener Musik und mäßiger Visualisierung. 40 Euro dürfte es aber nur erklärten Fans der Filme wert sein.

HdR Halle1

"Das Bier von Weltruf" - Lockruf für den Pöbel?

HdR Halle2

Stehender Applaus - die Fanboys im Glücksrausch

Mittwoch, 5. März 2008

Gary Gygax ist tot

Gary Gygax, der Erfinder von Dungeon & Dragons und damit des Pen&Paper-Rollenspiels, verstarb am gestrigen Dienstag im Alter von nur 69 Jahren in seinem Wohnort Lake Geneva. Einen Nachruf von Konrad Lischka gibt es bei Spiegel Online.

Montag, 12. November 2007

Blind Guardian in Krefeld

Dass ich nicht für die Wirtschaftswissenschaften geeignet bin, zeigt folgende Gegenüberstellung: Fast 150 EUR Gesamtausgaben (die ich zum Glück nicht alleine tragen musste) und an die zwölf Stunden An- und Abreise für etwas mehr als drei Stunden Musik...

Am Freitag Abend rief mich mein Bruder an, ob ich nicht kurzfristig mit auf das Abschlusskonzert von Blind Guardian wolle - am Samstag. Nach etwas Überlegen und Geldzählen sagte ich zu und machte mich am Vormittag des nächsten Tages auf nach Krefeld, der Spielstätte und Heimatstadt der Metal-Band. Die Bahn hatte zwar Verspätung wegen eines Gleisbruchs irgendwo, aber mehr oder weniger auf die Minute genau erwischten sowohl mein Bruder als auch ich noch den Anschlusszug in Dortmund zum Düsseldorfer Flughafen. Hier wurden wir dann von dem "dritten Viertel" unseres 2005er Road Trips durch Schottland mit dem Auto abgeholt - ab nach Krefeld.

Das Konzert fand in der "KönigPALAST"-Eishalle statt, die noch nicht besonders gefüllt war, als wir kurz nach 18:00 das Gebäude betraten und unsere sichttechnisch hervorragenden Sitzplätze *hust* auf der Tribüne einnahmen. Es wurde nur eine Hälfte der Halle genutzt; Einlass war seit 17:00. Um kurz vor 19:00 betrat dann der erste "Special Guest" die Bühne: Astral Doors als Vorband. Schon beim allerersten Gitarrenakkord wurden zwei Dinge deutlich:

1. Die Lautstärke war jenseits von Gut und Böse. Wer Sehnsucht nach Taubheit oder Tinnitus hatte, musste einfach wenige Minuten ohne Hörschutz verbringen.

2. Der Sound war scheiße! Richtig scheiße! Nun gut, Astral Doors war nicht die Band, bei der man dadurch viel verpasste, aber im Hinblick auf die komplexen Lieder von Blind Guardian ließ der von Tieftönen dominierte und wiederhallende Soundbrei, bei dem nur noch Gesang und Schlagzeug zu identifizieren waren, unsere Laune schlagartig sinken.

Immerhin unterhielten uns die astralen Türen mit lachhaften Spagatposen der Gitarristen, während der Sänger die immer noch überschaubaren und wenig mitgerissenen Besucher zum Mitgehen animieren wollte - das traurige Los einer Vorband. Leider spielte sie recht viele und gleichklingende Lieder, am Ende blamierte sich der Sänger noch mit "It's time to... It's time to... It's time to... It's time to ROCK!" Das war dann auch der letzte Songtitel.

Nach einer kurzen Umbauphase kam der zweite Special Guest, die deutsche Band Leaves' Eyes - Sängerin, grunzender Zweitsänger und Musiker, also so etwas wie Within Temptation oder Nightwish. Der Sound wurde leider nicht besser, auch wenn an den Mischpulten zeitweise vier Leute herumwuselten.
Aber auch die Blätteraugen boten Unterhaltungswert jenseits der Musik: Schon erwähnter Sänger sprang zu Beginn noch wie Rumpelstilzchen von einem Bühnenende zum anderen, versuchte zwischendurch Stimmung beim Publikum zu erzeugen und headbangte bei jeder unpassenden Gelegenheit, damit seine überlangen Haare auch gut zur Geltung kamen. Leaves' Eyes waren mit Blind Guardian auf Welttournee und in der Zeit hat der gute Mann sicher nicht seine Haare geschnitten - sie gingen ihm über den Arsch! Wenn's kalt ist, kann er sich darin einwickeln, Klopapier braucht er wohl auch keines und sollte er einmal seine Haarpracht an Perückenmacher verkaufen, muss er wohl nie mehr arbeiten.
Vielleicht ist seine Mähne aber auch sehr schwer, denn nach jedem zweiten Lied verschwand er hinter der Bühne. Und den hüpfelnden Gang zeigte er auch nicht mehr.

Dann war auch die zweite und letzte Vorband weg, die Hälfte der Mischpulte wurde abgebaut und das lange Warten auf Blind Guardian begann. Ich ging daraufhin zum Tonmeister, einem abgeklärten Roadie, der bestimmt schon mit den allerersten Metal-Bands auf Tour war. Dieser erzählte, dass leider die Halle Schuld an dem indiskutablen Sound sei, da der unverkleidete Beton und die Fensterfronten der VIP-Lounges alles zurückwerfen; immerhin fanden dann aber noch ausführlichere Soundchecks statt.

Um kurz vor 21:30 - die Halle war offensichtlich nicht ausverkauft - ertönte schließlich "War Of Wrath" und die Guardians begannen ihre Show mit "Into The Storm", begleitet von gelungenen Lichteffekten und Videoprojektionen. Positive Überraschung: Der Sound war merklich besser, die Melodien der Gitarren(-soli) gut hörbar. Scheinbar wurden alle bassigen Instrumente radikal heruntergeregelt, trotzdem gab es noch Überlagerungen und als befriedigend konnte die Tonqualität sicher nicht bezeichnet werden. Wie sagte mein Bruder: Bei den Vorbands war es tiefste Nacht, jetzt ahnte man zumindest den Sonnenaufgang.

Im folgenden spielte Blind Guardian alle bedeutenden Hits, sei es "Valhalla", dessen Refrain ausdauernd vom Publikum gesungen wurde oder der komplett von den Fans vorgetragene "Bard's Song" (da waren wir aber gerade draußen um Getränke zu holen und anschließend den Weg vor die Bühne zu suchen). Mein Favouriten wie "Another Stranger Me" oder auch "Welcome to Dying" waren natürlich ebenso dabei.
Etwas zu sehr kokettierte Sänger Hansi Kürsch mit "wir spielen jetzt doch noch weiter" oder "letztes Lied", am Ende kam die Band zweimal zu längeren Zugaben zurück - den Abschluss nach zwei Stunden und 19 Liedern bildete das lang erwartete "Mirror Mirror".

Alles in allem war das Konzert doch gut und angemessen lang. Zwar hätte man eventuell bei einem Abschlusskonzert etwas besonderes erwarten können, aber zum einen war der Sound halt Mist, zum anderen hatte ich die Band noch nie live gesehen. Also: Meidet den Krefelder KönigPALAST und kauft euch Blind Guardian-Alben!

Blind Guardian 1

Blind Guardian 2
Update: Kleinere Berichtigungen und Ergänzungen

Sonntag, 8. Juli 2007

Worte zum Sonntag :-(

Heise online:

Bundestag segnet neues Urheberrecht ab: Weniger privat kopieren, mehr Vergütungspauschale zahlen.
«Herausgekommen ist ein Gesetz, das hauptsächlich den Belangen von Verwertern und Urhebern Rechnung trägt. Für die Verbraucher sowie die Wissenschaft bleibt der Korb größtenteils leer und die Geräteindustrie schreit Foul, auch wenn das federführende Bundesjustizministerium von einem fairen Kompromiss zwischen allen Beteiligten spricht. Allerorten wird aber bereits lautstark nach einer dritten Runde zur Novellierung des Urheberrechts gerufen.»
SpOn:

IOC-Entscheidung: Putin holt Olympische Spiele 2014 nach Russland.
«Vor einem Jahr hatte die russische Stadt am Schwarzen Meer die Vorauswahl unter sieben Bewerbern nur mit Mühe überstanden. Dort und im Kaukasus, der nur 40 Kilometer entfernt liegt, soll ein neues Wintersport-Paradies entstehen. Sämtliche Wettkampfstätten existieren bisher nicht.»
Winterspiele 2014 in Sotschi: Rodeln auf den Rubelbergen.
«Russland jubelt über die Winterspiele für Sotschi. Doch es sind zweistellige Milliardeninvestitionen nötig, um die Stadt olympiatauglich zu machen. Am Ende werden nur die Reichen profitieren, fürchten Kritiker. Proteste werden unterdrückt.»
Polizei-Affäre: Warum drei erfolgreiche Neonazi-Bekämpfer ihre Jobs verloren.
«"Man muss nicht alles sehen", soll Dessaus Polizei-Vizechef drei Staatsschützern mit Blick auf den Kampf gegen Rechts gesagt haben. Die wunderten und wehrten sich - und wurden versetzt. Protokoll einer absurden Affäre, die bald einen Untersuchungsausschuss beschäftigt.»
Freace:

Keine weiteren Fragen: Schäuble läßt endgültig die Maske fallen.
«Wer bisher noch Zweifel an der Verfassungsfeindlichkeit des deutschen Bundesinnenministers Wolfgang Schäuble hatte, dürfte durch Äußerungen, die am Samstag von Spiegel Online zitiert wurden, endgültig überzeugt werden.»
Vermauertes Fenster: Über die "Transparenz" der Einkünfte deutscher Politiker.
«Stufe 1 umfaßt Einkünfte zwischen 1.000 und 3.500 Euro, Stufe 2 Einkünfte von 3.500 bis 7.000 Euro und Stufe 3 zeigt Einkünfte, die über 7.000 Euro liegen, an. Das bedeutet aber nichts weniger, als daß es vollkommen gleichgültig ist, ob ein Abgeordneter 8.000 oder 8 Millionen Euro von einem Industrieunternehmen erhält - während es sicherlich naheliegend ist, einem solchen Abgeordneten einen "Interessenkonflikt" bei entsprechenden Abstimmungen zu unterstellen.»

Freitag, 25. Mai 2007

Im Sumpf

Diese Woche ist was los...

Der deutsche Profiradsport implodiert medienwirksam: Besonders in den 90ern war - jetzt auch offiziell - Doping an der Tagesordnung. Die Ex-Telekom-Radler geben sich beim Gestehen ihrer Spritzgeschicke momentan die Klinke in die Hand, die Universität Freiburg hängt voll mit drin. Jetzt heißt's eigentlich nur noch "Warten auf Godefroot"... und "Ulle".

Die Geständnisse sind aber bis dato nur ein (notgedrungenes) Eingestehen und Zugeben, eine richtige Aufklärung und Abrechnung hat seitens der Sportler und Beteiligten noch nicht stattgefunden, deren Vergehen auch zufällig alle verjährt sind...

Interessant auch die Darstellung bei ARD und ZDF, Medienpartner des Radsports, die gestern keine Sendezeit scheuten: Live-Übertragungen der Pressekonferenz von Aldag und Zabel, Expertenrunden und -interviews, große Nachrichtenblöcke, Sondersendungen, Last-Minute-Panorama-Beitrag, Maybrit Illner-Talk etc.
Besonders Ex-Doper Rolf Aldag war beim ZDF dauerpräsent, scharfe Kritiker dagegen nicht so oft zu sehen. Immerhin berichtete Zapp über diejenigen, die bereits vor Jahren auf Doping hinwiesen, aber deshalb als Nestbeschmutzer von der Radsportszene geächtet oder schlicht von der Öffentlichkeit ignoriert wurden.

Leider selten wurde zudem der Bogen zum Radsport allgemein gezogen ("Kann man die Tour de France ohne Doping überhaupt gewinnen?"), auch ist noch nicht abzusehen, ob die Mauer des Schweigens jenseits der deutschen Outings nicht international bestehen bleibt...

Ansonsten scheint sich in Sachsen ein gewaltiger Korruptionsskandal anzubahnen: "In mehreren Kommunen sollen Politik, Justiz und Polizei in ein kriminelles Netzwerk verstrickt sein" (SZ).
Da sollte Innenminister Schäuble "mafiöse Netzwerke" (sein Statement zum Doping) suchen, anstatt als "Stasi 2.0" vermeintlich militante G8-Gegner mit allen möglichen und unmöglichen Mitteln heimzusuchen.

Freitag, 23. Februar 2007

Killerspiele revisited [Update II]

Im Koalitionsvertrag zwischen CDU und SPD wurde unscharf festgehalten, etwas gegen "Killerspiele" zu tun, was immer man sich unter solchen Spielen auch vorzustellen habe.

Unter dem Eindruck der Geschehnisse in Emsdetten sahen sich führende Politiker nun gezwungen etwas zu unternehmen, obwohl Deutschland mit USK und BPjM die härtesten Jugendschutzorgane für den Mediensektor besitzt. Als lautesten machte sich der bayerische Bauerntrampel und angehender Ministerpräsident des Freistaats, Bayerns Innenminister Günther Beckstein, bemerkbar, der als "Erfinder" des Begriffs gleich ein Verbot der Herstellung "solcher" Spiele verlangt.

Eine Ausarbeitung für den Bundestag kam im Sommer 2006 zum Schluss:
«Der Bundesgesetzgeber ist generell nicht gehindert, ein Einfuhr-, Verkaufs-, Vermietund Verleihverbot für "Killerspiele" zu erlassen. Eine solche Regelung würde nicht per se gegen das Grundgesetz verstoßen. Jedoch ist im Hinblick auf die Berufsfreiheit der Hersteller und Händler dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit besondere Beachtung zu schenken. Darüber hinaus bedarf eine solche Regelung zur Wahrung der Bestimmtheit einer genauen Definition dessen, was als "Killerspiel" unter den Tatbestand fallen soll.»
Anfang Februar diesen Jahres brachte Bayern dann einen "Entwurf eines Gesetzes zur Verbesserung des Jugendschutzes" in den Bundesrat ein, welches u.a. den "Virtuelle Killerspiele"-Paragraf einführen will:
«Mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer Spielprogramme, die grausame oder sonst unmenschliche Gewalttätigkeiten gegen Menschen oder menschenähnliche Wesen darstellen und dem Spieler die Beteiligung an dargestellten Gewalttätigkeiten solcher Art ermöglichen,
1. verbreitet,
2. öffentlich zugänglich macht,
3. einer Person unter achtzehn Jahren anbietet, überlässt oder zugänglich macht oder
4. herstellt, bezieht, liefert, vorrätig hält, anbietet, ankündigt, anpreist, einzuführen oder auszuführen unternimmt, um sie im Sinne der Nummern 1 bis 3 zu verwenden oder einem anderen eine solche Verwendung zu ermöglichen.» (Hervorhebung von mir)
Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen werkelt ihrerseits an einer Verschärfung des Jugendschutzes, aber nicht so radikal wie der bayerische Vorschlag. Generell steht von der Leyen hinter USK und BPjM, möchte aber Unschärfen in den Richtlinien ausmerzen. Als Kernpunkt sollen außerdem "extrem gewaltbeherrschte Trägermedien" automatisch per Gesetz für Kinder und Jugendliche ohne BPjM-Prüfverfahren verboten werden: "Es reicht in Zukunft schon, wenn das ganze Spiel von Gewalt beherrscht wird, auch ohne das Gewalt verherrlicht wird". Was immer das genau heißen mag.

Zudem wird ein deutlich sichtbarer Alters- und Inhaltshinweis auf entsprechenden Verpackungen gefordert, im Stile der Aufdrucke auf Tabakerzeugnissen. Zumindest das Alter ist aber bei den USK-Siegeln klar erkennbar, aber von der Leyen möchte wohl eher so etwas:

ResidentEvil

Der Deutsche Kulturrat brach Mitte Februar dann eine Lanze für Computerspiele und forderte die Kunstfreiheit ein. Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse fand das aber nicht so witzig.

Update: Öffentlich-rechtliche Lobby-Arbeit für Bayerns Gesetztesinitiative (wurde in der 830. Plenumssitzung an Ausschüsse abgegeben) - am 22. Februar brachte das ARD-Magazin Panorama einen Beitrag zum Thema "Morden und Foltern als Freizeitspaß - Killerspiele im Internet" von Thomas Berndt und Sonia Mayr. Dabei wurde wie so oft mit der tendenziösen Präsentation von Halbwahrheiten (und Falschinformationen) gearbeitet, Günther Beckstein und andere "Killerspiel"-Gegner kamen zu Wort - u.a. ein Vertreter der Firma PAN AMP, welche als Anbieter eines Ego-Shooter-Filters von einem Verbot derartiger Spiele profitieren würde -, während die Spieler in Gestalt zweier Call of Duty-Fans repräsentiert wurden, die jedoch dezent freakig daherkamen und nicht die klügsten Äußerungen von sich gaben (hier alles nachzulesen und -schauen). Überhaupt wurde mittels Call of Duty auch versucht, den Bogen zu Nazis und Kriegsverharmlosung zu schlagen, während in den Spielausschnitten fleißig auf am Boden liegende Gegner geballert wurde (darf man eigentlich Szenen aus Spielen für Volljährige kurz nach 22:00 zeigen?). Es hagelte danach viel Kritik per E-Mail und im Forum, weswegen die Redaktion dort heute ein Statement veröffentlichte.

Golem.de hat am 26.02. einen zusammenfassenden Artikel zum Panorama-Beitrag und den dort interviewten CoD-Spielern veröffentlicht, während sich Telepolis am 28.02. in "Panorama, 'Killerspiele' und die Filter-Firma" mit der Firma PAN AMP beschäftigt. Über neuere Entwicklungen berichtet heise online am 02.03. in "ARD-Beitrag zu 'Killerspielen' weiter in der Diskussion".

Sonntag, 3. Dezember 2006

RLX I

Solange der Illarion-Server down ist, kann ich auch mal hier was schreiben (RLX = Real Life eXperience).

Am Donnerstag Morgen (bzw. Mittag) schloss ich den Fahrradschuppen auf, um gemütlich per Bike zur Uni zu radeln. Doch oh nein: Mein Drahtesel glänzte mit Abwesenheit. Nach dem ersten Schreck wurde klar, dass es kaum geklaut worden sein konnte. Also ging ich den vorherigen Tag im Geiste durch - ich war in der Tat mit dem Rad zur Uni gefahren, aber hatte es dann wohl vergessen und war mit der Tram nach Hause gekommen...
Also schnell in die nächste Straßenbahn gesprungen (ausnahmsweise war ich mal pünktlich um sie noch zu erwischen), am Uniplatz erfolgreich mein Fahrrad wiedergefunden und noch rechtzeitig zur Vorlesung gekommen.

Am Abend war ich dann einkaufen: Vor mir an der Kasse kratzte gerade ein recht ungepflegt erscheinender Herr seine Cent-Münzen zusammen, um damit eine Flasche Wein zu bezahlen. Dabei erwies er sich als recht mitteilsam, was die junge Kassiererin beim Nachzählen der Münzen hingegen wenig freute. Immerhin reichte das Geld.
Als dann der Kunde - ich schätze einmal wertfrei arbeitslos und Alkoholiker - von dannen ging, wünschte sie ihm noch einen "schönen Feierabend". Doch dann ergänzte sie leise, aber faktisch mitten in mein Gesicht: "Nee, hat er ja gar nicht..."
Fies, nicht sehr PC - aber witzig!

Dienstag, 21. November 2006

Schlimm...

Emsdetten gestern. Ein schwerbewaffneter 18-Jähriger läuft in seiner alten Schule Amok, verletzt Dutzende, tötet sich anschließend selbst.

Schlimm!

Beinahe sofort melden sich zahlreiche Politiker zu Wort und (phrasen)dreschen auf Computerspiele - "Killerspiele" - ein. Bis auf die Grünen, die fordern Medienkompetenz (bei wem - Politikern?).

Heute morgen war bei Spiegel Online noch sinngemäß zu lesen, der Amokläufer hätte Counter-Strike (was sonst? Wer nicht?) gespielt, bei dem man sich Menschen erschießend durch Gänge fortbewegt.

Jetzt heißt es aber dort:
«Er spielte den Horror-Shooter "Doom 3", in dem man in einer Science-Fiction-Welt auf Gruselmonster schießt, und angeblich auch "Counter Strike", einen sogenannten taktischen Shooter, in dem sich Teams von "Terroristen" und "Polizisten" gegenseitig bekämpfen - Grund genug für etliche Politiker, erneut eine Debatte um Killerspiele loszutreten.»
Auch alles schlimm, irgendwie.

PS: Das sagen antigames, d-frag und Grind That Authority dazu.

Mittwoch, 6. September 2006

Frisch eingepackt

Nach eineinhalb Wochen wurde der umgebaute "Marktfrisch" bei mir um die Ecke wiedereröffnet, obwohl der Supermarkt erst vor einigen Monaten renoviert wurde.
Grund ist wohl REWE-Group, die die Filialen im Raum Halleipzig übernommen haben.
Folgen: Deutlich mehr "Ja"-Artikel, einige andere Marken sind anscheinend verschwunden ("Sinalco") und die Käse- und Fleischtheke wurde plattgemacht. Ist ja einfacher alles abgepackt anzubieten...

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