Max Payne 3



Mit den ersten beiden Max Payne-Teilen der Finnen von Remedy habe ich keine Berührungspunkte, außer dass die Spiele für die Bullet Time und ihre düstere Geschichte bekannt sind. Der dritte Teil erschien nach einer fast zehnjährigen Pause und entstand bei Rockstar. Eine offene Spielwelt ließen die GTA-Schöpfer im Schrank und konzentrierten sich auf kleine, aber sehr ansehnliche Schauplätze, vor allem das südamerikanische São Paulo. Neben der Bullet Time wurde erstmals ein Deckungssystem eingebaut, wohl obligatorisch für moderne Actionspiele aus der Third-Person-Perspektive.

Der ehemalige Polizist Max Payne ist nach dem Verlust aller geliebten Menschen am Ende und gibt sich in einer heruntergekommenen Bar dem Dauerrausch hin. Er muss die Stadt jedoch nach einer blutigen Auseinandersetzung mit der Mafia verlassen und landet als Bodyguard in Brasilien. Dort ist er nicht weniger betrunken, bis seine Schutzbefohlenen entführt werden. Seine Befreihungsversuche lassen schließlich das ansonsten Gangkriminalität gewohnte São Paulo in Leichen und Blut ertrinken.

Die Geschichte ist nicht herausragend, aber recht abgründig. Einige Wendungen sind wenig überraschend oder werden durch hinausgezögerte Rückblenden präsentiert. Alles wird vom völlig abgewrackten Max Payne desillusioniert bis zynisch (englisch) kommentiert, jedoch redet er fast schon zu viel. Aber vielleicht muss er seinen Selbsthass irgendwie loswerden. Ähnlich häufig wie die Kommentare sind Zwischensequenzen, die mich vor allem zu Beginn nervten: Nichts gegen die gekonnte Inszenierung, aber sie nehmen enorm viel Fahrt aus dem Actionspiel.

Gleiches gilt bisweilen leider für die beiden Spielelemente Bullet Time und Deckung. Besonders im weiteren Verlauf, wenn Gegner zahlreicher, zäher und tödlicher werden, bleibt für die Zeitlupe nicht mehr viel Platz, zumindest für die Slow-Motion-Hechtsprünge. Oft liegt man anschließend nämlich ungeschützt herum und Max ist leider nicht der Flinkste beim Aufstehen oder Rennen, auch dank ausgefeilter Animationen. Am besten lässt man in Deckung die Gegner herankommen, zumal Max nur wenig Treffer aushält (keine regenerierende Lebensenergie, sondern Painkiller). Das mag realistischer sein, aber beißt sich mit der entfesselte Daueraction verheißenden Bullet Time. Vielleicht sind es falsche Erwartungen, aber das sicher nicht perfekte Stranglehold (Midway 2007) bot dynamischere Action.

Etwas irritierend ist auch die Inszenierung, denn vor allem Zwischensequenzen werden von absichtlichen Darstellungsfehlern und Bildübersteuerungen gezeichnet, wie bei verbrauchten VHS-Kassetten oder schlechtem Empfang auf Röhrenfernsehern. Es gibt jedoch keinerlei Erklärung dafür, auch als Visualisierung von Max' Betrunkenheit scheidet es aus, weil der Stil durchgehend zum Einsatz kommt. Möglicherweise gefiel Rockstar einfach Kane & Lynch 2 (IO Interactive 2010), zumal Max später einem dortigen Charakter ähnlich sieht. Bemerkenswert ist dagegen, wie unaufgeregt Max Payne 3 verläuft, trotz der sich stets steigernden Action; Anteil daran haben auch die unruhig wabernde Musik sowie Max' abgeklärte Art.

Insgesamt ist Max Payne 3 ein gutes Actionspiel mit gelungenem technischen Unterbau. Nur leider stehen sich die verschiedenen Spiel- und Stilelemente gegenseitig etwas im Weg, wie auch die brutale Inszenierung der Schießereien: Zur ernst präsentierten Geschichte passt es nicht, dass man für den letzten Gegner einer Angriffswelle extra die Zeit verlangsamen und ihn mit blutigen Einschusslöchern übersähen kann. Weniger Ambition bei Story und "Realismus" hätte tatsächlich geholfen.

PS: Eine gewitzte Rockstar-Note stellt ein dicklicher US-Cop im Ruhestand dar, dem Max mehrmals über den Weg laufen kann. Dieser ist mit seiner Frau in Südamerika, um in den Favelas Gutes für die Kinder zu tun. Max dagegen hat keine Familie mehr, ist viel zu früh aus dem Polizeidienst ausgeschieden und bringt eigentlich nur noch den Tod, der ihn selbst immer noch übergeht.

Max Payne 3 (PC/360/PS3)
Rockstar 2012 | MobyGames | OGDb
Creative Director: Sergei Kuprejanov
Lead Designer: Jason Bone

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