Spartacus: Vengeance (fulfilled)

Nach der Abschluss der regulären zweiten Spartacus-Staffel lasse ich die zweite Hälfte Revue passieren - Spoiler! Für die vorherigen Folgen siehe hier.

2.06-2.09

Nach der nicht mehr für möglich gehaltenen furiosen Folge 5 hing drohend die Frage im Raum: Kann Spartacus dieses Niveau irgendwie halten oder wird nun erst recht der Absturz folgen? Doch glücklicherweise entsprach das Niederbrennen der Arena zu Capua dem Zerschlagen des Gordischen Knotens, der bisher die Qualität der Staffel - und den Römer Glaber - im Zaum gehalten hatte. Letzterer entwickelt sich nach dem Flammeninferno und auch durch die Abneigung seiner Frau Ilithyia zu einem Monster, wie er sich später selbst bezeichnet. Nun sind ihm alle Mittel recht, um Spartacus zu erledigen, und er lässt Ashur eine Truppe für abgründige Aufgaben ausheben. Dadurch steigt Ashur im Ansehen Glabers und schafft es, Lucretias eigenen Einfluss zu beschneiden und sie schließlich gar in sein Bett zu pressen. Ilithyia bekommt die Folgen ihres Verrats an Glaber fortwährend von ihrem Ehemann zu spüren und versucht, zusammen mit Lucretia die alte Ordnung wiederherzustellen.

Es wird alsbald auch deutlich, dass die Staffel von Spartacus nicht an größeren Intrigen interessiert bzw. dazu strukturell kaum in der Lage ist - spätestens nach dem Brand der Arena sind die meisten römischen Konkurrenten von Glaber tot oder fort. Somit verlagert sich die Serie auf Machtspiele und Positionskämpfe im kleinsten Rahmen, was im ehemaligen Ludus auch ganz gut funktioniert. Beim flüchtigen Spartacus und seinen Rebellen sieht dies schon anders aus, denn die simplen Abneigungen zwischen den Angehörigen verschiedener Stämme (z.B. Crixus und Agron) werden offen und direkt ausgetragen. Überspitzt lässt sich sagen, dass Spartacus abgesehen von ein paar Überfällen in der zweiten Staffelhälfte nicht mehr viel zu tun hat: Die Abtrünnigen verstecken sich in einem aufgegebenen Tempel und warten ab. Die Art der Behausungen ist auch bezeichnend: Ludus wie Tempel sind tote Häuser, aber der Ludus (auf einem Berg) war und ist Schauplatz vieler Grausamkeiten, während ein Tempel (am Fuß eines Berges) einen heiligen Ort darstellt. Besonders Crixus kann sich in dieser Staffel kaum in Szene setzen, weil er nach der Rettung seiner Frau Naevia nur noch mit dieser Zeit verbringt. Ein Highlight sind dafür die befreiten Germanen, die gebrochen Hochdeutsch sprechend dauernd fluchen und feiern.

Nach zwischenzeitlicher Entführung von Ilithyia durch Gannicus, der sich damit entgültig auf Spartacus' Seite schlug, finden Ilithyia und Glaber dank eines brutalen Ränkespiels Lucretias und sprichwörtlichen Blutbades (eindrucksvolle Szene und arme Seppia) wieder zusammen. Dies ging mir ob ihrer vorhergehenden Entfremdung zwar etwas schnell, aber es was akzeptabel. Da Spartacus seinen Wertvorstellungen treu bleibt, ließ er Ilithyia laufen (und erfuhr, dass sie wohl sein Kind in sich trägt), und dank Ashurs Erdkundekenntnisse - voher auch immer - ist deshalb bald Spartacus' Lager ausfindig gemacht. In der vorletzten Episode entbrennt ein erbitterter, packend inszenierter Kampf um den Tempel, an dessen Ende die Rebellen sich auf den kargen Vesuv zurückziehen müssen. Glaber frohlockt und meint in Anlehnung an Crixus' Worte aus der ersten Staffel: "We shall kill them all."

2.10

Die finale Episode ähnelt vom Aufbau der vorhergehenden: Ein eher gemächlicher Beginn, dann die explosionsartige Steigerung. Trotzdem kann dieses Staffelfinale nicht mit dem von Blood and Sand und auch nicht mit der fünften Vengeance-Folge mithalten. Gelungen ist es aber allemal: Spartacus und seine Recken blasen Trübsal auf dem Vesuv, während Glaber sich zufrieden auf eine längere Belagerung einstellt. Da reisen Ilithyia und Lucretia an, denn beide wollen endlich wieder nach Rom. Und Lucretia weg von Ashur, dem sie zuvor von Glaber als Frau versprochen wurde. Ashur soll außerdem als Dank für seine Dienste den Ludus bekommen und der Syrier sieht sich schon als glorreichen Gladiatorenschulleiter. Doch wenn ein jeder eine Schlange ist, kann man sich auf nichts und niemanden verlassen.

Einst stahl Ashur bei einem Mordauftrag Glabers ein Schlangenarmband (!), das später für Lucretias und Ilithyias Komplott gegen Seppia und zur Wiedervereinigung mit Glaber diente. Und nun soll es gar Beweis sein, dass Ashur einen Mord an Glaber plante. Ashur - und vielleicht auch der Zuschauer - kann selbst nicht recht glauben, dass Glaber diese List von Ilithyia für bare Münze nimmt, aber das ändert leider nichts. Anstatt sofort hingerichtet zu werden, soll Ashur den Belagerten eine letzte Botschaft überbringen: Alle werden verschont, wenn Spartacus ausgeliefert wird. Aber im Gegensatz zu Ashurs "Brotherhood of Badass Mutherfuckers", die sofort auf Glabers Seite wechselte, stehen die Abtrünnigen zusammen. Und Naevia fordert schließlich Rache für ihr Schicksal als Sex- und Minensklavin. Und so findet Ashur ein passend unrühmliches Ende - the Fall of the House of Ashur: Von allen verstoßen und verachtet, seiner Träume und Hoffnungen beraubt, verliert er im Kampf gegen die eigentlich unterlegene Naevia nicht nur sein Gemächt, sondern auch seinen Kopf und verendet im Staub. Auch sein selbstgefälliges Grinsen wurde ihm da genommen.
Naevia: "It is no easy task to cleave a man's head from his shoulders in a single blow."
Crixus: "Then I will teach you."
Um der Belagerung zu entfliehen, knüpfen die Rebellen unglaubwürdig lange Seile aus Kletterpflanzen und das All-Star Team aus Spartacus, Crixus, Gannicus und Agron überwinden eine Steilwand. Sie benutzen römische Katapulte aus der letzten Episode gegen Glabers Heer und dann kommen ihnen die restlichen Rebellen zu Hilfe. Nun muss sich Glaber in den Tempel zurückziehen, aber es gibt kein Entrinnen mehr - ein düsterer Choral begleitet das letzte Gefecht.
Glaber: "I will not die at the hands of a fucking slave!"
Spartacus: "I am a free man."
Und so rammt Spartacus schließlich sein Schwert durch Glabers Mund in dessen Hals! Ein würdiger Abschluss der Rache, aber Eindrucksvolleres trägt sich im Ludus zu: Dort soll Ilithyia ihre Freundin Lucretia aus dem Weg schaffen, die Glaber zufolge einfach zu viele Geheimnisse kennt. Doch eine einsetzende Frühgeburt verhindert dies. Ein Schrei hallt dann durchs Gebäude, Lucretia kommt mit blutigem Kleid in Ilithyias Gemach, sticht eine weitere Sklavin ab. Dann schneidet sie das Kind (offscreen) aus Ilithyias Bauch und wankt zum Klippenrand des Ludus. Ilithyia kriecht verblutend hinterher und es wird deutlich: Lucretia hat ihren Wahnsinn nie überwunden, dieses Kind - geboren im Haus Batiatus - ist für sie der Nachwuchs, den sie nie hatte. Und dann stürzt sie sich mit dem Baby in den Abgrund, um im Jenseits mit Batiatus (und Spartacus' Sohn...) vereint zu sein!

Fazit

Die Vengeance-Staffel ist deutlich zweigeteilt in eine solide, aber angesichts von Gods of the Arena und vor allem Blood and Sand eher schwache erste Hälfte und einen hochklassigen Abschluss. Dabei ist es erstaunlich, dass die Serie mit den vielen losen Enden aus den vorhergehenden Staffeln kaum etwas anzufangen wusste außer damalige Konstellationen zu spiegeln. Und obwohl die Staffel schließlich ihren Weg fand, bleibt ein ungutes Gefühl, wie es weitergeht. Denn Anknüpfpunkte für zukünftige Entwicklungen gibt es nun kaum noch, tot sind: Glaber, Ashur, Lucretia, höchstwahrscheinlich Illythia (und ihr Neugeborenes), Oenomaus, Spartacus' Gefährtin Mira und quasi alle anderen irgendwie bedeutenden eingeführten Römer. Wer wird als Gegenspieler von Spartacus fungieren und in die großen Fußstapfen von Batiatus und Glaber treten?

Ein Wort zu Spartacus selbst: Seine Handlungen sind schlussendlich nicht mehr allzu unbedacht, dafür konnte mich der neue Darsteller Liam McIntyre nie völlig überzeugen (gleiches gilt übrigens bei Naevia). Gegen das Charisma eines Crixus, Oenomaus oder Gannicus oder eben seines verstorbenes Vorgängers Andy Whitfield hatte er keine Chance. Ein "Yeah!" von Crixus reißt mehr mit als eine aufpeitschend gedachte Ansprache Spartacus'/McIntyres.

Abschließend zeigt Vengeance durchaus Abnutzungserscheinungen und verdeutlicht gleichzeitig, dass die vorhergehenden Staffeln eben mehr waren als nur Blut und Titten. Aber ohne Intrigen und Interaktionen, die auch aufgrund der räumlichen Trennung von Aufständischen und Verfolgern überschaubar ausfielen, wählten die Macher der Serie allzu oft das sich schnell abnutzende Spektakel. Spartacus ist eine Serie über Aufstieg und Verbesserung, über Fall und Niederlage. Das Ende des Sklavenaufstandes steht fest, aber ob der Weg dahin weiterhin unterhaltsam und mit angemessenem Anspruch ausfallen wird, bleibt offen. Vielleicht wird es Zeit, dass auch bei Spartacus und seinen Begleitern düstere Aspekte hervorbrechen. Denn wie sprach einst Batiatus: "A man of ambition is capable of anything." Und was kann ehrgeiziger sein als Rom zu vernichten?

<< 2.01-2.05

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