Mittwoch, 20. März 2013

The Witcher 2



Andrzej Sapkowskis Geschichten über Geralt von Riva sind hierzulande zwar veröffentlicht worden (sogar der polnische Kinofilm), aber bekannter mögen die beiden Spielumsetzungen von CD Projekt sein. Ende 2007 erschien das ambitionierte Rollenspiel The Witcher, das jedoch unter diversen technischen Unzulänglichkeiten litt. Dafür herrschte in der Welt des Hexers Geralt - ein mutierter Monsterjäger - ein ungewohnt rauer Tonfall samt Rassismus gegenüber nichtmenschlichen Völkern, elfische Terroristen verübten Anschläge, während Intrigen und Machtkämpfe die verschiedenen Königreiche zu erschüttern drohten. Ende 2008 wurde eine "Enhanced Edition" veröffentlicht, die viele Mängel ausbesserte; eine geplante Konsolenfassung wurde abgeblasen.

Der direkte Nachfolger The Witcher 2 - Assassins of Kings kam Mitte 2011 auf den Markt und machte einen großen technischen Sprung nach vorne: Die im Erstling schon atmosphärische Grafik war nun stellenweise atemberaubend, obschon dies mit einer kleineren, oft beschränkten Spielwelt erkauft wurde. Steuerte man The Witcher am besten noch aus klassischer Vogelperspektive mit Maus, ist der Nachfolger zu einem reinrassiges Action-RPG mit Gamepad-Unterstützung geworden. Letztere funktionierte in den anfangs fordernden Kämpfen zwar sehr gut, aber zickte in den eher umständlichen Menüs wie Tagebuch oder Inventar herum. Dies änderte sich auch nur bedingt nach dem massiven "Enhanced Edition"-Update Mitte 2012 (als die Konsolenversion erschien).

Geblieben waren die rauen, vorzüglich vertonten Dialoge, interessanten Charaktere und mehrschichtigen Quests. Je nach Entscheidungen verlief der Großteil des Spieles gar stark unterschiedlich! Ich wählte den leider wohl schwächeren der beiden Hauptstränge, bezogen auf Quests, Schauplätze als auch NSCs. Das führte dazu, dass The Witcher 2 trotz seiner im Gegensatz zum ersten Teil stringentere Geschichte mit der Zeit leider abbaute - ein hervorragendes Rollenspiel blieb es stets. Mich störte generell, dass die Quests nicht mehr so abwechslungsreich waren wie im ersten Teil, auch wenn dort vieles zusammengewürfelt wirkte - und Skripte und Zwischensequenzen sich gerne verschluckten. Auch der zweite Teil ist in Details noch unbeholfen (bspw. bei der Informationsvermittlung, immer nach Gesprächen das Tagebuch lesen!), aber kein Vergleich zu den Ecken und Kanten von The Witcher. Der Nachfolger ist spürbar mainstreamiger, was zwar beileibe nicht zum Verlust der Identität führt, aber auch nicht überall zu Verbesserungen (z.B. dass Tränke nur noch vor einem Kampf eingenommen werden können).

Man darf daher etwas skeptisch sein, wenn The Witcher 3 eine erstmals offene Welt mit einer variablen, trotzdem tiefen Geschichte vereinen möchte. Ob man pauschal wieder ein Jahr nach Erscheinen warten sollte, bis das Spiel dann ausgereift ist...? Die ersten beiden The Witcher-Teile sind ohnedies außergewöhnliche Rollenspiele mit einer interessanten Fantasy-Welt, tollen Figuren (die zudem eindrucksvolle Klamotten tragen), verzwickten Geschichten und den wahrscheinlich besten Dialogen des Genres. Möge Geralts Freund und Barde Rittersporn sie ewig besingen!

The Witcher 2 - Assassins of Kings: Enhanced Edition (PC/360)
CD Projekt RED 2011-2012 | MobyGames | OGDb
Game Director: Adam Badowski
Technical Director: Tomasz Jonarski

Dienstag, 19. März 2013

Utopia

«This is called tonalite gneiss. It's the oldest rock in the world from a rock plateau in Canada. [...] This rock gives you permission to do anything, because, ultimately, we're all just the blink of an eye.»
Utopia | UK 2013+ | Created by Dennis Kelly | Darsteller: Adeel Akhtar, Alexandra Roach, Fiona O'Shaughnessy, Nathan Stewart-Jarrett, Neil Maskell, Oliver Woollford, Paul Higgins u.a.

Dienstag, 12. März 2013

Vikings

«If you're thirsty, I will give you a drink. If you're hungry, I will feed you. Otherwise, you must go.»

«We will eat and drink after we've satisfied our other needs. I don't want to kill you, woman.»

«You couldn't kill me if you tried for a hundred years.»
Vikings | USA 2013 | Created by Michael Hirst | Darsteller: Travis Fimmel, Gabriel Byrne, Katheryn Winnick, Clive Standen, Jessalyn Gilsig, Gustaf Skarsgård, George Blagden, Nathan O'Toole u.a.

Sonntag, 10. März 2013

Max Payne 3



Mit den ersten beiden Max Payne-Teilen der Finnen von Remedy habe ich keine Berührungspunkte, außer dass die Spiele für die Bullet Time und ihre düstere Geschichte bekannt sind. Der dritte Teil erschien nach einer fast zehnjährigen Pause und entstand bei Rockstar. Eine offene Spielwelt ließen die GTA-Schöpfer im Schrank und konzentrierten sich auf kleine, aber sehr ansehnliche Schauplätze, vor allem das südamerikanische São Paulo. Neben der Bullet Time wurde erstmals ein Deckungssystem eingebaut, wohl obligatorisch für moderne Actionspiele aus der Third-Person-Perspektive.

Der ehemalige Polizist Max Payne ist nach dem Verlust aller geliebten Menschen am Ende und gibt sich in einer heruntergekommenen Bar dem Dauerrausch hin. Er muss die Stadt jedoch nach einer blutigen Auseinandersetzung mit der Mafia verlassen und landet als Bodyguard in Brasilien. Dort ist er nicht weniger betrunken, bis seine Schutzbefohlenen entführt werden. Seine Befreihungsversuche lassen schließlich das ansonsten Gangkriminalität gewohnte São Paulo in Leichen und Blut ertrinken.

Die Geschichte ist nicht herausragend, aber recht abgründig. Einige Wendungen sind wenig überraschend oder werden durch hinausgezögerte Rückblenden präsentiert. Alles wird vom völlig abgewrackten Max Payne desillusioniert bis zynisch (englisch) kommentiert, jedoch redet er fast schon zu viel. Aber vielleicht muss er seinen Selbsthass irgendwie loswerden. Ähnlich häufig wie die Kommentare sind Zwischensequenzen, die mich vor allem zu Beginn nervten: Nichts gegen die gekonnte Inszenierung, aber sie nehmen enorm viel Fahrt aus dem Actionspiel.

Gleiches gilt bisweilen leider für die beiden Spielelemente Bullet Time und Deckung. Besonders im weiteren Verlauf, wenn Gegner zahlreicher, zäher und tödlicher werden, bleibt für die Zeitlupe nicht mehr viel Platz, zumindest für die Slow-Motion-Hechtsprünge. Oft liegt man anschließend nämlich ungeschützt herum und Max ist leider nicht der Flinkste beim Aufstehen oder Rennen, auch dank ausgefeilter Animationen. Am besten lässt man in Deckung die Gegner herankommen, zumal Max nur wenig Treffer aushält (keine regenerierende Lebensenergie, sondern Painkiller). Das mag realistischer sein, aber beißt sich mit der entfesselte Daueraction verheißenden Bullet Time. Vielleicht sind es falsche Erwartungen, aber das sicher nicht perfekte Stranglehold (Midway 2007) bot dynamischere Action.

Etwas irritierend ist auch die Inszenierung, denn vor allem Zwischensequenzen werden von absichtlichen Darstellungsfehlern und Bildübersteuerungen gezeichnet, wie bei verbrauchten VHS-Kassetten oder schlechtem Empfang auf Röhrenfernsehern. Es gibt jedoch keinerlei Erklärung dafür, auch als Visualisierung von Max' Betrunkenheit scheidet es aus, weil der Stil durchgehend zum Einsatz kommt. Möglicherweise gefiel Rockstar einfach Kane & Lynch 2 (IO Interactive 2010), zumal Max später einem dortigen Charakter ähnlich sieht. Bemerkenswert ist dagegen, wie unaufgeregt Max Payne 3 verläuft, trotz der sich stets steigernden Action; Anteil daran haben auch die unruhig wabernde Musik sowie Max' abgeklärte Art.

Insgesamt ist Max Payne 3 ein gutes Actionspiel mit gelungenem technischen Unterbau. Nur leider stehen sich die verschiedenen Spiel- und Stilelemente gegenseitig etwas im Weg, wie auch die brutale Inszenierung der Schießereien: Zur ernst präsentierten Geschichte passt es nicht, dass man für den letzten Gegner einer Angriffswelle extra die Zeit verlangsamen und ihn mit blutigen Einschusslöchern übersähen kann. Weniger Ambition bei Story und "Realismus" hätte tatsächlich geholfen.

PS: Eine gewitzte Rockstar-Note stellt ein dicklicher US-Cop im Ruhestand dar, dem Max mehrmals über den Weg laufen kann. Dieser ist mit seiner Frau in Südamerika, um in den Favelas Gutes für die Kinder zu tun. Max dagegen hat keine Familie mehr, ist viel zu früh aus dem Polizeidienst ausgeschieden und bringt eigentlich nur noch den Tod, der ihn selbst immer noch übergeht.

Max Payne 3 (PC/360/PS3)
Rockstar 2012 | MobyGames | OGDb
Creative Director: Sergei Kuprejanov
Lead Designer: Jason Bone

Mittwoch, 6. März 2013

Being Human

«She's not a werewolf.»

«So, what then?»

«She made me feel things.»

«What things?»

«Feelings.»

«She made you feel feelings?»

«Yeah.»

«What a bitch. Let's just stake her anyway.»
Being Human | UK 2008-2013 | Created by Toby Whithouse | Darsteller: Lenora Crichlow, Russell Tovey, Aidan Turner, Sinead Keenan, Michael Socha, Damien Molony, Kate Bracken u.a.

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