Mittwoch, 29. August 2007

Unterwegs in Düsterburg

Ich bin in den letzten Wochen wieder auf den RPG Maker aufmerksam geworden, weil ich mir endlich einmal die bekannte Vampires Dawn-Reihe ansehen wollte. Mit den mächtigen Spielebaukästen kann man Games im Stile von SNES-RPGs recht einfach erstellen, was mein Bruder auch vor einigen Jahren kurzzeitig tat. Via Wikipedia stieß ich auf Unterwegs in Düsterburg und hab's mir trotz des eher dümmlichen Titels installiert. Das Spiel alleine ist knapp 24 MB groß, dazu braucht man noch das frei erhältliche Runtime Package des RPG Maker 2000 ("RTP for RM2K"), welches am besten separat installiert werden sollte.

Gestern habe ich "UiD" dann durchgespielt, die interne Uhr gab eine Spielzeit von unter 15 Stunden an. Dabei habe ich fast alles gesehen, die auf der oben verlinkten Website angegebene Spieldauer von "je nach Spielweise 15 bis 40 Stunden" ist also sehr optimistisch [Update: Kampfzeit wird nicht gezählt].

Egal, das Fantasy-Rollenspiel ist trotzdem absolut hervorragend! Die Geschichte scheint in den ersten Spielstunden zwar altbekannt zu sein:
«Stell dir vor du erwachst eines Tages an einem dir völlig unbekannten Ort und weißt nicht mehr wer du bist. Diese Erfahrung musste Grandy machen, als er eines Tages mitten in einem Wald aus einer Nebelbank tritt und bemerken muss, dass er all seine Erinnerungen verloren hat. Das einzige an das er sich noch erinnern kann ist der Name Libra, und dass der Hund der auf einmal vor ihm steht irgendwie zu ihm gehört. Nun ist guter Rat teuer!

Zusammen mit seinem Hund, der auf den Namen Julie hört, versucht Grandy erstmal zu erkunden wo er sich eigentlich befindet und trifft dabei auf Dankwart, einen älteren Herren, der in einer Strohhütte haust, ganz im Widerspruch dazu aber ansonsten einen recht vornehmen und höflichen Wesenszug an sich hat. Von ihm erfährt Grandy Ungeheuerliches! So soll er sich in einer Gegend, die den Namen Ostmarken trägt, befinden, einem Ort ganz am östlichen Rande des Herzogtums Falkenburg, das nunmehr seit 20 Jahren von einem Unhold namens Wahnfried regiert wird, der das Land sowie den Titel einst mit Gewalt an sich gerissen hat. Richtig abenteuerlich werden Dankwarts Auskünfte aber erst, als dieser behauptet höchstselbst der ehemalige Herzog zu sein, der damals vor 20 Jahren von Wahnfried entmachtet wurde, und seit dieser Zeit hier in den Ostmakern im Exil lebt. Und nicht nur das, auch die mysteriöse Libra will Dankwart getroffen haben, die seinen Angaben nach mit Grandy das gleiche Schicksal zu teilen scheint. Doch kann eine solch ungeheuerliche Geschichte wirklich wahr sein?

Begleite Grandy auf der Suche nach Libra und seiner Vergangenheit, und hilf ihm dabei das Land vor einem grausamen Tyrannen zu befreien!»
Jedoch gibt es später noch manch gewitzte Wendung ... Vor allem ist das Spiel aber überaus liebevoll und sorgfältig gestaltet: Die Örtlichkeiten sind sehr gut aufgebaut und sehen zusammen mit den Figuren nicht nur für RPG Maker 2000-Verhältnisse super aus (besonders wenn man die Präsentation der allermeisten anderen RM2K-Spiele kennt)! Dazu gibt es viele vom Macher Ingmar "Grandy" Hahnemann selbst erstellte Grafiken, Animationen und Filmsequenzen, außerdem atmosphärische MIDI-Musik, teils aus Filmen oder anderen Spielen. Fantastisch!

Technisch ist das Spiel somit top, hinzu kommen noch sehr witzige, manchmal auch ernste Dialoge, denn das Spiel ist zum Glück nicht kampfzentriert. Zwar gibt's auch hier einige Monster zu verdreschen (keine Zufallskämpfe, auch keine Oberweltkarte) und eher kleine Dungeons zu durchqueren, aber im Mittelpunkt stehen zahlreiche, teils umfangreiche und verzwickte Quests in den von vielen, gut ausgearbeiteten NPCs bevölkerten Städten und Burgen. So habe ich nach dem Durchspielen laut UiD nur etwas mehr als 120 Schlachten geschlagen, die in einem klassischen, einfachen Rundensystem ablaufen. Die simple Verbesserung der sympathischen Charaktere und die Jagd nach der besten Ausrüstung nehmen auch keinen allzu großen Platz ein, sondern geschehen eher nebenbei.

Für Dungeon-Crawler und Fans älterer Final Fantasy-Spiele wird Unterwegs in Düsterburg also die falsche Wahl sein, da man schon recht viel lesen muss und sollte. Dann entdeckt man auch eine Menge Verweise auf Filme, Bücher und andere Spiele (eigentlich kann man fast alles untersuchen und bekommt Feedback vom Spiel, aber in ein paar wenigen Locations passiert dies leider deutlich weniger).

Wirklich negativ ist an dem Spiel nichts, höchstens einige wenige Quests bzw. entsprechende programminterne Trigger waren etwas undurchschaubar. Trotzdem habe ich beinahe jedes der zahlreichen Quests auch ohne Komplettlösung gefunden und gelöst. Manche Aufgaben lassen sich gar auf verschiedene Art erledigen und haben im weiteren Spielverlauf deutliche Auswirkungen! Um wirklich alles mitzubekommen muss man schon einige Abschnitte mehrmals spielen (unter freiem Himmel kann man immer speichern) oder UiD gleich komplett mehrmals zocken. Ein ausführlicherer Abspann wäre jedoch schön gewesen ...

"Grandy" begann Ende 2001 und hat zusammen mit ein paar Helfern 20 Monate an Unterwegs in Düsterburg gearbeitet, es dürften laut eigener Aussage weit über 2.000 Arbeitsstunden hineingeflossen sein. Die erste Vollversion erschien im Jahr 2003, momentan [2007] sitzt er an seinem zweiten Spiel, 1899 - London Gothic (Bewegtbilder siehe YouTube).

Alles in allem eine ganz klare Empfehlung für Unterwegs in Düsterburg!

Update 03/2021: 1899 - London Gothic ist leider nie erschienen und auch das Düsterburg-Brettspiel verlief bisher im Sande. Aber ein offizielles Remake von UiD begann schon vor fast einer Dekade mit zuletzt etwas häufigeren Fortschrittsmeldungen.

Montag, 27. August 2007

Games Convention 2007

Wie in den vier Jahren zuvor waren der Dämlord und ich auf der mittlerweile namhaften und bedeutsamen Games Convention, die vom 23. bis 26. August in Leipzig stattfand. Das Eröffnungskonzert am Mittwoch Abend haben wir nicht besucht, obwohl es sehr gut gewesen sein soll.

Letztes Jahr war die Enttäuschung groß, da von Wii nix für den normalen Besucher zu sehen war. Dieses Jahr machte Nintendo unverständlicherweise einen ähnlichen Fehler und verbannte Super Mario Galaxy und Metroid Prime 3 - Corruption ins abgeschottete VIP-Areal. Ganz dolle... Sollte die neue Fokuszielgruppe der Casual/Non Gamer von derartigen Spielen nicht verwirrt werden?!

Anstatt also die beiden prestigeträchtigsten Titel zu zeigen, die zudem in den nächsten Monaten erscheinen werden, stand Wii Fit im Zentrum, welches erst irgendwann 2008 kommt. Ich stand auf dem massiv wirkenden Sensorbrett und machte mich zum Affen: Einige der Wii Sports-artigen Spiele funzten ganz gut, andere weniger. Wahrscheinlich wie beim Wii selbst eine Frage der Übung. Leider gab's nur Wii Fit - und keine Nintendo-Shirts, dazu aber auch Socken.

Immerhin gab's bei anderen Herstellern "richtige" Wii-Spiele, aber auf Tomb Raider oder Harry Potter hatten wir kein Bock. Am Microsoft-Stand sah es auch nur bedingt besser aus, denn obwohl - wie generell auf der diesjährigen GC - eine Menge Konsolen zum Zocken vorhanden waren, liefen auf vielen Xboxen nur Sportspiele oder Live-Minispiele.

Zum Glück gab es im neuen Outdoor-Bereich ein Riesenrad von MS, wo man nach etwas Anstehen (inkl. "Halo Kitty"-Babes) während einer Fahrt in den Kabinen Xbox 360 in luftiger Höhe spielen konnte. Wir erwischten Devil May Cry 4, es soll auch Project Gotham Racing 4 und Virtua Fighter 4 gegeben haben. Außerdem war noch eine zweite Konsole in der Kabine installiert, auf der ein schlecht codiertes WMV-Filmchen namens "hallo_neu.wmv" lief: Halo in Real Life nachgestellt.
Danach konnte man noch Multiplayer-Matches in Halo 3 bestreiten. Ich kenne mich mit Halo kaum aus, aber es war gut spielbar. Dafür sah die Grafik kaum nach NextGen aus...

Dies lag aber auch an den verwendeten Flachbildfernsehern: An vielen Ständen waren die Flatscreens entweder schlecht eingestellt oder schlicht von mieser Qualität, so dass manche an sich gut aussehenden Games pixelig vor sich hinflimmerten.

Im erwähnten Outdoor-Bereich war übrigens eine große Sandfläche aufgeschüttet worden mit zwei Volleyballfeldern und einer Menge Liegestühlen. Chill out! Als wir uns dort am Donnerstag zur Genesung unserer Füße niederließen, übten jedoch unregelmäßig ein Gitarrist und ein Schlagzeuger auf der Bühne. Und die Lautsprecherboxen waren so laut, dass es etliche Meter von der Bühne weg unter freiem Himmel immernoch lauter war als in den eigentlichen Hallen!

Insgesamt war es aber in den Hallen nach meinem Gefühl auch vergleichsweise leise, passend zur entschlackten E3 schienen zudem die Aussteller der GC gespart zu haben: Zumindest am Donnerstag kaum Messehostessen, wenig herumschreiende Moderatoren (und generell kaum B-Promis, Mola Adebisi war trotzdem wieder da), kaum DJs. Durchaus angenehm.
Ich habe auch gelesen, dass die Laufwege verbreitert wurden, was gut sein kann, denn am Freitag war es zwar merklich voller als am Tag zuvor, man konnte sich trotzdem noch bequem durch die Hallen und Stände bewegen. Wie es am Samstag war, weiß ich nicht. Wir meiden diesen Tag seit einigen Jahren, da es da richtig voll war und wenig Spaß machte, weshalb wir die letzten Jahre nur am Donnerstag und Freitag auf der Messe sind.

An Spielen haben wir uns nicht übermäßig viel angeschaut, aber durchaus mehr als in den letzten Jahren:
Kane & Lynch ist krawallige Non-Stop-Action mit gewöhnungsbedürftiger Kamera, Turok hat wie das mir zuvor nicht bekannte Uncharted schicke Texturen, aber sonst nicht viel Außergewöhnliches (bei dem Dino-Shooter war außerdem zuerst die Steuerung hypersensibel eingestellt, was wir jedoch im Optionsmenü ändern konnten). Crysis wirkte dank auffälliger Pop-ups überraschend unspektakulär, aber Bäume umschießen rockt. Die Far Cry 2-Vorführung mit der angeblich beeidruckenden Feuerphysik haben wir uns wegen chronischer Überfüllung des Showrooms geschenkt.
Lair von Factor 5 sah eher wenig beeindruckend aus und die Steuerung via Neigungssensoren des Sixaxis-Controller war durchaus katastrophal! Heavenly Sword hatte eine sehr schicke Grafik und bot zünftige Combo-Kämpfe.
Bioshock hatte eine gute Atmosphäre, leider konnte man nach endlosem Anstehen nur kurz spielen (aber mit Headset). Dazu waren die Bildschirme wieder Müll. Call of Duty 4 - Modern Warfare wurde in einem kleinen Kinosaal vorgespielt und sah sehr nett aus: Es kracht und rummst ohne Ende, aber wirkliche Neuerungen konnte ich nicht ausmachen.
Wir haben noch ein paar andere Games angespielt, die mir aber jetzt gerade nicht einfallen oder nicht so wichtig sind. Leider gab's vom Bioware-Rollenspiel Mass Effect nichts zu sehen.

Am Stand von 4Players saß am Freitag Chris Hülsbeck herum und gab Autogramme. Besonders umlagert war er nicht, aber ohne einen dicken schriftlichen Hinweis hätte ich ihn wohl auch nicht erkannt. Und den meisten dürfte dann der Name trotzdem nix gesagt haben... Jetzt hab ich ein "C64 still rules"-Autogramm von ihm (er signierte Booklets seines neuen Albums Number Nine, welches übrigens ruhig noch einmal hätte korrekturgelesen werden können...).

Cool war auch die Hardware-Ausstellung, in der viele exotische und nicht so exotische Konsolen ausgestellt waren. Zudem konnte man auf vielen Geräten sogar zocken: Nostalgie pur bei Fatal Fury 2 auf dem Modul-Neo-Geo mit Joyboard (trotzdem laberten viele im Vorbeigehen dauernd von Street Fighter) ! Oder Pong. Oder oder oder...

Alles in allem hat sich die GC wieder gelohnt, auch wenn sie an wirklichen Überraschungen und Enthüllungen arm war, soweit ich das überblicken kann.

Donnerstag, 23. August 2007

Kein Metroid. Kein Mario.

"Toll", Nintendo: Kein Metroid Prime 3 und kein Super Mario Galaxy an Eurem riesigen aber leeren GC-Stand. Insgesamt eigentlich keine interessanten Spiele für Zocker jenseits der Casual Gamer. Immerhin gibt's das Wii-Fit-Board, das ich morgen antesten werde. Dann auch mehr Impressions von der ganzen Games Convention.

Dienstag, 14. August 2007

Transformers (Less than meets the Eye)

Seit Jahrtausenden tobt ein Krieg zwischen den rechtschaffenen "Autobots" und den aggressiven "Decepticons", intelligente Roboterwesen vom Planeten Cybertron. Auf der Suche nach einer mythischen Energiequelle wird dieser Konflikt nun auf die Erde verlagert...

Transformers sind Plastikroboter, die sich in Fahrzeuge und anderes verwandeln bzw. "transformieren" können und Mitte der 1980er in amerikanisch-japanischer Zusammenarbeit entwickelt wurden. Es gibt unzählige Actionfiguren, Comics und TV-Trickserien, bereits 1986 erschien der erste und bisher einzige Kinofilm.
Nun hat sich Hollywood also an eine Realverfilmung des Stoffes gewagt, mit Michael Bay im Regiestuhl. Eigentlich passend, denn Bays Filme sind genauso künstlich wie die Transformers-Figuren und richten sich an die selbe Altersgruppe.

Und so ist es auch bei Transformers: Eine simple und nicht allzu logische Geschichte, 08/15-Charaktere und viel Action harmloser Natur. Leider schien Michael Bay mit den namensgebenden Stars des Films, eben den (computeranimierten) Riesenrobotern from Outer Space, nicht viel anfangen zu können, weshalb eine Heerschau von Protagonisten und Nebenfiguren auftritt. Beispielsweise wird ausführlich eine superschlaue IT-Studentin eingeführt, die natürlich als einzige den Durchblick hat, dann aber trotzdem den lächerlichsten "besten Hacker" aller Zeiten heimlich zu Rate zieht und hiernach quasi gar keine Rolle im Film mehr spielt.

Abgesehen von ein, zwei fulminanten Actionsequenzen im ersten Filmteil bleiben dadurch die Decepticons bis zum knalligen Finale weitestgehend außen vor, nur ein nerviger Spionageroboter hampelt dauernd durchs Bild. Auch die meisten Autobots haben bis zum urbanen Showdown wenig zu melden, am meisten gibt's Bumblebee zu sehen, jedoch hauptsächlich nur als fahrbaren Untersatz für den Teen-Helden und seine zu Beginn unerreichbare High-School-Flamme (Achtung: obligatorisch-überfüssiges Liebesgeschichtchen).

Dass der Film aber trotzdem Spaß macht, liegt an teils grandiosem Wortwitz und hemmungslosem Overacting der menschlichen Charaktere. Außerdem wird in den wuchtigen Actionszenen alles zu Klump geschossen und geschlagen, untermalt von überlautem Rockgeschrabbel. Leider hampelt die Kamera viel zu oft hin und her und suggeriert Rasanz, ohne dass der Zuschauer viel erkennt. So drückt sich der Film auch vor den aufwändigen Verwandlungsszenen der Transformers, die erst gegen Ende ausführlicher gezeigt werden. Die Spezialeffekte sind insgesamt aber hervorragend und teils sehr beeindruckend; das Design der Roboterformen ist auch recht ordentlich gelungen.

Im großen Endkampf sind dann ein paar US-Marines die großen Heroen, die recht mühelos die plötzlich wenig zielsicheren Decepticons aufhalten und mit Hilfe der Autobots besiegen. Der Zweikampf der Roboteranführer Optimus Prime und Megatron ist aber nicht besonders spannend und zudem recht schnell gegessen. Am Ende hält Optimus Prime noch eine pathetische Abschlussrede vorm Sonnenuntergang und ruft weitere Autobots zur Erde, denn eine Fortsetzung wird sicher kommen...

Transformers ist unterhaltsam, witzig und bietet einiges an spaßig-hirnloser Action (4/5), aber als Transformers-Adaption ist der Film nicht so gelungen, da die Geschicht dafür zu seicht und albern ist und die Roboter einfach zu wenig im Mittelpunkt stehen. [3/5]

PS: Voltron soll auch verfilmt werden!

Transformers
USA 2007 | IMDb | OFDb
Regie: Michael Bay
Buch: Alex Kurtzman, Roberto Orci
Darsteller: Shia Labeouf, Tyrese Gibson, Megan Fox, John Turturro, Jon Voight u.a.

Freitag, 10. August 2007

Stirb langsam 4.0 (Krawall 4 : Logik 0)

Harrison Ford (65) wird 2008 wieder die Peitsche als Indiana Jones schwingen, 19 Jahre nach dem letzten Indy-Film. Sylvester Stallone (61) boxte letztes Jahr als Rocky Balboa (16 Jahre nach Rocky V) und will 2008 im Dschungel von Burma als John Rambo ohne Gnade aufräumen, 20 Jahre nach Rambo III. Und Bruce Willis (52) ist nun zum vierten Mal zur falschen Zeit am falschen Ort, zwölf Jahre nach dem dritten Stirb langsam-Film. Die alten Männer sind zurück.

Als John McClane schlüpft Willis wieder in die Rolle des coolen, mittlerweile etwas in die Jahre gekommenen Polizisten, der gerne die Pläne von Superschurken im Alleingang durchkreuzt. Mit lockeren Sprüchen auf den Lippen soll McClane einen jugendlichen Hacker in Gewahrsam nehmen, da irgend jemand einen breit angelegten Internet-Angriff auf die USA fährt und besagter PC-Spezi unwissend ein Beihelfer der Terroristen war und somit nun wichtiger Zeuge ist. Das finden die Schufte verständlicherweise nicht gut und schicken ihre Killer, während sie gleichzeitig ein sensibles Computersystem nach dem anderen lahmlegen...

Dieser Plot mag einen kurz stutzen lassen, denn mit virtuellen Missetaten kann ein bodenständiger McClane nun eigentlich nicht viel anfangen, da hat er also Glück, dass bald der Hacker an seinem Hemdzipfel hängt und mit dessen bescheidener Hilfe zum Real-Life-Gegenschlag gegen die Tunichtgute ausgeholt werden kann.

Blöd nur, dass die Filmhandlung noch weitaus debiler ist als der deutsche Titel Stirb langsam 4.0 (im Original aber kaum erträglicher Live Free or Die Hard): Die Bösen sind die absoluten Cyber-Checker und können übers WWW überall eindringen und alles steuern oder manipulieren. Wer nur etwas Ahnung von Computertechnik hat, darf sich bei diesem Film im Minutentakt an den Kopf fassen über den Unsinn, der da veranstaltet wird.

Leider sieht's bei der Action oft ähnlich aus, für "coole Szenen" und "fette Stunts" bleibt die Glaubwürdigkeit auf der Strecke - gegen das Finale mit einem Düsenjäger wirken die völlig abgehobenen Autoszenen aus Transporter: The Mission plötzlich geradezu realistisch.

Natürlich kracht und rummst es bei Stirb langsam 4.0 dafür andauernd, es gibt McClane'sche Einzeiler und bassige Explosionen, aufgesetzte Nebenhandlungen sucht man vergebens, McClanes Hacker-Sidekick nervt kaum und ein paar böse Charaktere teilen ordentlich aus. Bei den Prügeleien darf man sich aber nicht wundern, dass alle Kämpfer scheinbar unzerstörbare Adamantiumknochen haben.

Spaß macht der gut inszenierte vierte Teil der ruhmreichen Filmreihe also auf jeden Fall, zumindest wenn man über den gezeigten Blödsinn lachen kann und sich darüber nicht ärgert (sonst 3/5). Aber ernsthafte Actionfilme aus Hollywood, die ihre Zuschauer nicht für infantil halten, scheint's nicht mehr zu geben. Vielleicht passt das jedoch auch zur Die Hard-Serie, denn die Logik ist dort in 19 Jahren langsam gestorben... [4/5]

Stirb langsam 4.0 (Live Free or Die Hard)
USA 2007 | IMDb | OFDb
Regie: Len Wiseman
Buch: Mark Bomback
Darsteller: Bruce Willis, Justin Long, Timothy Olyphant, Cliff Curtis, Maggie Q u.a.

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Erstellt: 2006-09-02 17:58
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