Dienstag, 31. Juli 2007

Die Simpsons - Der Film

Eine reguläre Rezension zum brillianten Hot Fuzz habe ich natürlich noch nicht hinbekommen, deshalb an dieser Stelle wenigstens ein paar kurze Gedanken zum Simpsons-Kinofilm:

Im Fernsehen gibt's dazu ja auf jedem Sender Making-ofs, da der erste Film zu Matt Groenings kultiger Animationsserie (hier darf man "Kult" ohne Zögern verwenden) schon ein Ereignis darstellt.

Die wichtigste Frage, die Mastermind Groening in den mir bekannten Interviews oder Werbebeiträgen nur unzureichend beantwortete, ist:
Warum kommt der Film erst jetzt, 20 Jahre nach Erschaffung der gelben Familie? Ein Jubiläumsgeschenk, möchte man meinen, und eine Chance auf großen Reibach für 20th Century Fox.

Die Hochzeit haben die Simpsons meiner Meinung nach schon länger hinter sich, nach 18 Staffeln (!) ist irgendwann die Luft einfach raus. Manche Folgen der zweistelligen Staffeln waren nur noch platt und mäßig witzig, insbesonders in den Jahren 1999 bis 2003, als Matt Groening an Futurama arbeitete.

Beim Film kann man nun aufatmen, denn der Humor ist überwiegend gelungen und die Witzdichte meist sehr hoch. Es gibt eine Menge Querverweise auf Serienereignisse und wohl jeder bekanntere Bewohner aus der Simpsons-Heimatstadt Springfield hat wenigstens einen Kurzauftritt.
Nach all den Jahren dürfte der interessierte Zuschauer jedoch eine Menge an Simpsons-Folgen und anderen Comedy-Formaten gesehen haben, wodurch viele Gags aus dem Film eben "nur" ein Schmunzeln hervorrufen.

Die Geschichte ist leider auch ziemlich unrealistisch, man merkt zudem, dass der Simpsons-Kosmos nur bedingt für knapp 90 min geeignet ist. Am schlimmsten ist noch die Synchronstimme von Marge Simpson, deren deutsche Sprecherin seit 2006 Anke Engelke ist. Und die nervt die meiste Zeit mit ihrer penetrant verstellten Stimme deutlich!

Technisch muss man sich ebenfalls erst einmal umgewöhnen, da der Zeichenstil der Simpsons an sich nicht besonders detailreich ist, was auf der großen Kinoleinwand besonders auffällt. Deshalb werden recht oft aufwändigere Szenen mit meist ganz gut kaschiertem Computereinsatz aufgefahren.

Alles in allem ein amüsanter Film, der mit viel Einsatz an die kreative Hochphase der Serie anzuschließen versucht, dies aber nur teilweise schafft. [3/5]

Die Simpsons - Der Film
USA 2007 | IMDb | OFDb
Regie: David Silverman
Buch: Matt Groening, James L. Brooks
Sprecher: Norbert Gastell, Anke Engelke, Sandra Schwittau, Sabine Bohlmann u.a.

Montag, 30. Juli 2007

Hakenkreuze: Aktuelle PCPP-Ausgabe zurückgerufen!

Da hat wohl jemand nicht aufgepasst! Auf der Heft-DVD der aktuellen PC PowerPlay-Ausgabe 08/2007 befindet sich ein Trailer zum im Winter erscheinenden Ego-Shooter Turning Point: Fall of Liberty, der eine alternative Vergangenheit als Background hat (die Nazis greifen 1951 die USA an).

Leider ist nun am Ende des Trailers eine riesige Hakenkreuzfahne zu sehen, die an der Freiheitsstatue hängt. Da Bildschirmspiele (noch?) nicht als Kunst gelten, ist die Darstellung solcher als verfassungswidrig eingestufter Symbole in Deutschland verboten.
Im angepassten deutschen Trailer, der es nicht auf die PCPP-DVD geschafft hat, wurde dann das Hakenkreuz durch ein Eisernes Kreuz ersetzt.

Nach der Auslieferung an den Einzelhandel (und ca. eine Woche nach dem Aboversand) hat dann jemand diesen Fehler bemerkt und das Heft wurde mit einem Schreiben vom 27. Juli komplett zurückgerufen: "Bitte remittieren Sie unverzüglich alle vorhandenen Exemplare".

Hoffentlich ist dadurch der finanzielle Schaden für den CyPress-Verlag nicht zu groß, schließlich läuft es für die PCPP nicht besonders gut...

Montag, 16. Juli 2007

Kahlschlag bei Sat.1, Umstellungen bei RTL und ProSieben

Bei Sat.1 bleibt kein Stein auf dem anderen: Der Sender ist seit längerem in der Krise und hat nun ein plötzliches McKinsey'sches Sofortprogramm vom Zaun gebrochen, sprich Leute entlassen (25% der Belegschaft wird kolportiert). Auf der Strecke blieben dabei die (IMO eher entbehrlichen) Sendungen Sat.1 am Mittag und Sat.1 am Abend. Quotenmeter.de bemerkt zur ersteren: "Aus Sicht der Quoten macht das Aus jedoch wenig Sinn: Zuletzt lag die Sendung weit über dem Sat.1-Schnitt."

Die Hauptnachrichten von Sat.1 werden außerdem nun ohne Thomas Kausch stattfinden - wenn sie nicht gleich ganz wegfallen werden -, da dieser den Sender im Streit über die Zukunft der Nachrichtensparte verlassen hat (dabei wurde er vor knapp drei Jahren erst publikumsträchtig vom ZDF abgeworben). TVmatrix kommentiert: "Verkehrte Welt: Die Heuschrecken fressen Sat.1 auf".

Mehr Background:
Bei FAZ "Versunken im Schuldengrab" und "Pro Sieben Sat.1 droht Ärger" (evtl. Überprüfung der Sendelizenz, falls Sat.1 nicht mehr den Ansprüchen an ein Vollprogramm genügen sollte - DWDL.de wirft aber ein: "Sat.1 und das Märchen vom Lizenzentzug").
Bei DWDL.de "Anspruch adé: Sat.1 streicht Nachrichten-Formate" und ""Sat.1 am Mittag" ist bereits abgesetzt".

Eine der besten neuen TV-Serien - Prison Break - muss ab 30. August mit nur noch einer Folge am Donnerstag um 23:15 auskommen, da RTL um 22:15 die neue Staffel von Bones - Die Knochenjägerin senden wird. Dies ist sehr schade, da Prison Break wegen des stringenten Erzähltempos stark von einer Austrahlung in Doppelfolgen profitiert. Zum Zeitpunkt der Umstellung werden 16 von 22 Episoden gesendet worden sein.

Härter trifft es da Jericho auf ProSieben, sowohl quotentechnisch als auch inhaltlich momentan schwächelnd: Bereits am 20. August wird die Ausstrahlung der postapokalyptischen Dramaserie mittendrin nach 14 von 22 Folgen unterbrochen! (Den Sendeplatz wird danach die ProSieben Märchenstunde übernehmen - "Mystery Monday" *hüstel*.) Der Rest soll wohl mit der jüngst genehmigten zweiten Staffel kommen, aber die ist nicht einmal in den USA gelaufen...
(BTW: D.B. "Strange Luck" Sweeney gab heute seinen schurkischen Einstand bei Jericho. Und Blade macht einen Abstecher nach Berlin!)

Sonntag, 8. Juli 2007

Worte zum Sonntag :-(

Heise online:

Bundestag segnet neues Urheberrecht ab: Weniger privat kopieren, mehr Vergütungspauschale zahlen.
«Herausgekommen ist ein Gesetz, das hauptsächlich den Belangen von Verwertern und Urhebern Rechnung trägt. Für die Verbraucher sowie die Wissenschaft bleibt der Korb größtenteils leer und die Geräteindustrie schreit Foul, auch wenn das federführende Bundesjustizministerium von einem fairen Kompromiss zwischen allen Beteiligten spricht. Allerorten wird aber bereits lautstark nach einer dritten Runde zur Novellierung des Urheberrechts gerufen.»
SpOn:

IOC-Entscheidung: Putin holt Olympische Spiele 2014 nach Russland.
«Vor einem Jahr hatte die russische Stadt am Schwarzen Meer die Vorauswahl unter sieben Bewerbern nur mit Mühe überstanden. Dort und im Kaukasus, der nur 40 Kilometer entfernt liegt, soll ein neues Wintersport-Paradies entstehen. Sämtliche Wettkampfstätten existieren bisher nicht.»
Winterspiele 2014 in Sotschi: Rodeln auf den Rubelbergen.
«Russland jubelt über die Winterspiele für Sotschi. Doch es sind zweistellige Milliardeninvestitionen nötig, um die Stadt olympiatauglich zu machen. Am Ende werden nur die Reichen profitieren, fürchten Kritiker. Proteste werden unterdrückt.»
Polizei-Affäre: Warum drei erfolgreiche Neonazi-Bekämpfer ihre Jobs verloren.
«"Man muss nicht alles sehen", soll Dessaus Polizei-Vizechef drei Staatsschützern mit Blick auf den Kampf gegen Rechts gesagt haben. Die wunderten und wehrten sich - und wurden versetzt. Protokoll einer absurden Affäre, die bald einen Untersuchungsausschuss beschäftigt.»
Freace:

Keine weiteren Fragen: Schäuble läßt endgültig die Maske fallen.
«Wer bisher noch Zweifel an der Verfassungsfeindlichkeit des deutschen Bundesinnenministers Wolfgang Schäuble hatte, dürfte durch Äußerungen, die am Samstag von Spiegel Online zitiert wurden, endgültig überzeugt werden.»
Vermauertes Fenster: Über die "Transparenz" der Einkünfte deutscher Politiker.
«Stufe 1 umfaßt Einkünfte zwischen 1.000 und 3.500 Euro, Stufe 2 Einkünfte von 3.500 bis 7.000 Euro und Stufe 3 zeigt Einkünfte, die über 7.000 Euro liegen, an. Das bedeutet aber nichts weniger, als daß es vollkommen gleichgültig ist, ob ein Abgeordneter 8.000 oder 8 Millionen Euro von einem Industrieunternehmen erhält - während es sicherlich naheliegend ist, einem solchen Abgeordneten einen "Interessenkonflikt" bei entsprechenden Abstimmungen zu unterstellen.»

Freitag, 6. Juli 2007

Phantastische TV-Schau: Prison Break & Co.

Primeval (ProSieben, am Mo. um 20:15)

Zur ersten Folge der Serie hatte ich hier schon etwas geschrieben und viel hat sich am Konzept auch nicht geändert. Dimensionstore tauchen irgendwo in England auf, das Expertenteam fährt hin und muss sich mit urzeitlichen Kreaturen herumschlagen, bis die Anomalie sich wieder schließt.

Die trashige Atmosphäre ist geblieben, realistisch oder logisch sind die Handlungen der Charaktere selten, sprich: Die hätten alle eigentlich schon längst von den "Urzeitmonstern" erledigt worden sein müssen.

Wenn man über diesen Mangel hinwegsehen und auch mit qualitativ schwankenden Spezialeffekten leben kann, macht Primeval trotzdem durchaus Spaß. Auch weil die vor Jahren in einer Anomalie verschwundene Frau des Teamchefs regelmäßig auftaucht und noch ein Geheimnis zu verbergen scheint...

Jericho (ProSieben, am Mo. um 21:15)

Die Kleinstadt Jericho hat einen massiven Atomschlag unbeschadet überstanden, während viele US-Metropolen vernichtet wurden. Die Serie begann spannend und hat aufgrund der Mischung aus (gemäßigter) Endzeit, Mystery - was ist genau passiert? - und Drama viel Potential.

Leider ist das Niveau über die letzten Folgen deutlich gefallen, da mittlerweile die zwischenmenschlichen Beziehungen mit starken Soap-Opera-Einschlag die Episoden dominieren. Und der Protagonist Jake Green ist immer noch der Held an allen Fronten.

Zwei Wochen sind seit dem "Anschlag" vergangen, jüngst wurden auch vermutlich amerikanische Raketen am Himmel gesichtet und ein anschließender elektromagnetischer Impuls hat die Elektronik in Jericho gegrillt. Aber die Bewohner streiten sich lieber übermäßig wegen ein paar Maiskolben und es werden urplötzlich aufgesetzte Konflikte in die Serie eingeführt. Schade!

Blade - Die Jagd geht weiter (ProSieben, Mo. um 22:15)

Die Serie zur Marvel-Comicreihe bzw. den Filmen mit Wesley Snipes als halbvampirischer "Daywalker" und Blutsaugerjäger Blade. In der TV-Adaption übernimmt aber der mir unbekannte Rapper Kirk "Sticky" Jones Snipes' Part, was aber nicht wirklich einen großen Unterschied macht, denn auch Jones kann grimmig dreinschauen (fast wie Teal'c aus Stargate SG-1) und cool mit Sonnenbrille und schwarzen Klamotten durch die Nacht stiefeln.

Blade ist überraschend düster und brutal und bietet zudem eine stringente Geschichte: Bereits in den ersten Folgen wird Krista Starr, deren Bruder vom Vampirboss umgebracht wurde, selbst zu einem Vampir, kann aber mit Blades Hilfe ihre Menschlichkeit bewahren. So ist sie ein unverzichtbarer Insider in Detroits hiesiger Vampirorganisation, die gerade an einem Mittel gegen die bekannten Schwächen wie UV-Allergie forscht. Blades Ziel ist daher klar: Unbedingt dieses Serum in die Hände bekommen...

Dazu metzelt er sich mit allerlei Anti-Blutsauger-Gerät durch die Vampirmassen, die beim Dahinscheiden wie in den Kinofilmen mehr oder weniger effektvoll zu Staub verbrennen, während die Obervampire ihre finsteren Pläne verfolgen. Alles in allem ganz unterhaltsam.

2006 lief die Serie in den USA, wurde aber bereits nach einer kurzen Staffel von zwölf Folgen wegen geringer Einschaltquoten abgesetzt. Angeblich stehen aber laut Serienschöpfer David S. Goyer (verfasste auch die Drehbücher für die Blade-Kinotrilogie) die Chancen für eine zweite Staffel nicht schlecht...

Prison Break (RTL, Do. um 22:15)

Trommelwirbel: RTL zeigt eine neue Genreserie als deutsche Erstausstrahlung - also nix von VOX Geklautes - zu einer halbwegs vernünftigen Sendezeit! In der Vergangenheit waren einige US-Serien direkt im Nachtprogramm RTLs gelandet, meist aber auch nur kurzlebige und/oder unbedeutende Mystery-Erzeugnisse.

Nun läuft Prison Break am späten Donnerstagabend sogar in einer Doppelfolge, da sieht man auch darüber hinweg, dass die Serie bereits Mitte 2005 in Nordamerika Premiere hatte! Bisher gibt es zwei Staffeln à 22 Folgen, wegen des überraschend großen Erfolgs wurde eine weitere bewilligt, obwohl das ursprüngliche Konzept nur zwei Staffeln vorsah - man wird also sehen, wie diese künstliche Verlängerung am Ende wirkt.

Lincoln Burrows sitzt im Knast. Er soll den Bruder der US-Vizepräsidentin ermordet haben, was er abstreitet, aber alle Beweise scheinen gegen ihn zu sprechen. Nun soll er bereits in einem Monat hingerichtet werden. Sein Bruder Michael Scofield schmiedet daraufhin einen tollkühnen Befreiungsplan: Er hat Zugang zu den Bauplänen des Gefängnisses, ersinnt einen Ausbruch und versteckt alle nötigen Informationen in einer Tätowierung, die seinen ganzen Oberkörper bedeckt. Dann begeht er eine Straftat und wird nach seiner Verurteilung ins selbe Gefängnis wie sein Bruder verlegt.

Nun giltt es sich im Knast zurechtzufinden, den komplexen Plan zügig umzusetzen und mit Unwägbarkeiten auszukommen. Gleichzeitig ermittelt eine befreundete Anwältin erneut in Burrows' Fall und wird dabei vom FBI massiv behindert. Gibt es eine Verschwörung...?

Prison Break ist einfach fesselnd! Während in Deutschland üble Dinge wie Hinter Gittern - Der Frauenknast (auch RTL) entstehen, gibt's aus den USA diese packend inszenierte Serie, die vom Drehaufwand aber durchaus hierzulande hätte realisiert werden können (mit dem Sachsener Korruptionssumpf als Background).

Wie auch immer: Die Folgen bauen in Tradition von 24 direkt aufeinander auf (aber keine Echtzeit), es entwickeln sind Beziehungen und Feindschaften, während außerhalb der Knastmauern die Verschwörer intrigieren. Es gibt interessante Charaktere, ein paar drastische Szenen und eine insgesamt gelungene Gefängnisatmosphäre.

Kritisch kann man nur anmerken, dass Scofields Ausbruchsplan kompliziert und riskant ist und in Teilen auf sehr dünnen Beinen steht. Aber das unterstreicht wiederum die Spannung. Reizvoll wird es zudem werden, wenn die Flucht gelingt - wie geht es dann weiter... Bis dahin: Einschalten!

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