Dienstag, 5. Dezember 2006

Alles neu macht der Dezember

Am Wochenende ist die Version 1.0 Final meines liebsten Audio Library Players musikCube erschienen. Sah es längere Zeit so aus, als ob der Autor Casey Langen hinschmeissen würde, da sich einfach keine weiteren Programmierer fanden, hat er das Programm in den letzten Wochen in einem Kraftakt weit vorangetrieben - als Projekt für seine Schule. Dementsprechend sind noch einige Bugs und Feature-Wünsche unberücksichtigt geblieben, aber dafür hat musikCube mehr Aufmerksamkeit als jemals zuvor erfahren.

Außerdem hat sich das Videospielmagazin GamePro einen Relaunch gegönnt: Das Layout wurde größtenteils sehr schön überarbeitet, aber leider wurde das Wertungssystem auf einen merkwürdigen Mischmasch aus 10-Punkte-, Additionssystem und Prozentsystem umgestellt. Mehr dazu habe ich hier im GP-Forum abgelassen.

Sonntag, 3. Dezember 2006

Bike & Booze

Solange der Illarion-Server down ist, kann ich auch mal hier was schreiben.

Am Donnerstag Morgen (bzw. Mittag) schloss ich den Fahrradschuppen auf, um gemütlich per Bike zur Uni zu radeln. Doch oh nein: Mein Drahtesel glänzte mit Abwesenheit. Nach dem ersten Schreck wurde klar, dass es kaum geklaut worden sein konnte. Also ging ich den vorherigen Tag im Geiste durch - ich war in der Tat mit dem Rad zur Uni gefahren, aber hatte es dann wohl vergessen und war mit der Tram nach Hause gekommen. Also schnell in die nächste Straßenbahn gesprungen (ausnahmsweise war ich mal pünktlich um sie noch zu erwischen), am Uniplatz erfolgreich mein Fahrrad wiedergefunden und noch rechtzeitig zur Vorlesung gekommen.

Am Abend war ich dann einkaufen: Vor mir an der Kasse kratzte gerade ein recht ungepflegt erscheinender Herr seine Cent-Münzen zusammen, um damit eine Flasche Wein zu bezahlen. Dabei erwies er sich als recht mitteilsam, was die junge Kassiererin beim Nachzählen der Münzen hingegen wenig freute. Immerhin reichte das Geld. Als dann der Kunde - ich schätze einmal wertfrei arbeitslos und Alkoholiker - von dannen ging, wünschte sie ihm noch einen "schönen Feierabend". Doch dann ergänzte sie leise, aber faktisch mitten in mein Gesicht: "Nee, hat er ja gar nicht..."

Fies, nicht sehr PC - aber witzig!

Montag, 27. November 2006

Straßenblag

Der Rapper Bushido veröffentlichte 2003 bei Aggro Berlin sein Album Vom Bordstein bis zur Skyline, das durchaus als moderner Klassiker des "deutschen Gangsta-Raps" gilt. Danach verließ er Aggro Berlin in Richtung Urban, ein zum Major Universal gehörendes Label. Dort brachte er seit 2004 drei Alben und eine DVD heraus und schwamm mit dieser Masse an Output auf der Aggro-Welle ins Bewusstsein der Öffentlichkeit. Auf der Strecke blieb da wohl die "Street Credibility" und auch die Qualität (man denke nur an die Single "Schmetterling" vom Electro Ghetto-Album - generell wird es bei Aggro & Co. peinlich, wenn es um ernstere Themen jenseits des "Blocks" geht).

2006 will Bushido nun den Weg Von der Skyline zum Bordstein zurück beschreiten, aber ob das künstlerisch auch gelingt, darf angesichts der Single "Sonnenbank Flavour" bezweifelt werden.

Das Musikvideo dazu ist ja immerhin recht gut gemacht, aber es ist - wie das Konzept hinter dem Lied selbst - von "MfG" (1999) der Fantastischen Vier geklaut, dessen spaßiger Text nur aus Kürzeln und Abkürzungen bestand. Vielleicht dachte sich Bushido, dass er jetzt eben eine "Gangsta-Variante" davon rausbringen kann - die Kiddies heutzutage werden sich eh nicht mehr an "MfG" erinnern. Blöd nur, wenn die Lyrics dann absolut peinlich daherkommen! Das ist zwar für deutsche "Gangsta"-Rapper nix neues, aber bei Bushido und als weit verbreitete Single hat das dann doch eine neue Dimension. So ist der Refrain an Lächerlichkeit schwer zu überbieten:
«Der Sonnenbank-Flavour, Solarium-Flow,
Zur Hilfe hast du deine Kameraden geholt.
Jungs, schaut mir in die Kerbe,
Sagt mir jetzt, wer ist straighter? (Straighter)
Das ist der Sonnenbank-Flavour.
Der Sonnenbank-Flavour,
Die künstliche Bräune,
Du kannst sie alle holen,
Komm, ich fick deine Freunde,
Jungs, gebt euch keine Mühe,
Für mich seid ihr alle Raver (Raver),
Das ist der Sonnenbank-Flavour.»
Was will uns Bushido damit sagen? Klar, er ist der Geilste und der Härteste - as usual. Aber braucht gerade Bushido ein Solarium...?! Justin Timberlake bringt uns sexy back, Bushido 'ne Sonnenbank - na toll! Im Text kopiert er dann auch noch von seinem Ex-Kumpel und Reimpansen, der "fetten Kartoffel" Fler (O-Ton Eko Fresh), der 2005 während des großen - von Eko damals promogünstig losgetretenen - HipHop-Beefs in "Du Opfer" recht gekonnt Eko disste: "Haargenau, das ist L.O.V.E., Ekrem und sie, HIV-positiv".

Bei Bushido, der sich mittlerweile Eko Fesh angenommen hat, klingt das auf Sido und seine Freundin Doreen (Ex-Nu Pagadi) umgemünzt nun so: "Doreen, Maskenmann: AIDS-Test positiv." Gähn!

Bushido hat mit einer der wenigen Textzeilen, die irgendwie einen ganzen Satz ergeben, absolut recht: "Alle Kids überall gehen raus Album holen". Seine Single und sein Album sind in den Charts momentan auf Platz 15 bzw. 26, Hauptkäufer sicher Minderjährige, für die Aggro-artiges trotz diverser Bodensatz-Releases immer noch "cool" ist. Aber damit schafft man bestimmt kein Credibility-Comeback, erst recht nicht wenn Eko Fresh im Video als "hässlicher Bengel" (O-Ton Fler) die Fenster putzt.

Nachdem aber offensichtlich der German Dream nur eine Luftnummer war, macht Eko das, was er am besten kann: Als zweite Geige rappen (Kool Savas wird's freuen). Aber keine Panik:

germandream
(Bestechende Logik, oder? :-)

Und während Bushido immer noch die "G-Unit Germany" beschwört, beendet Sido als kommerzieller Vorreiter des "deutschen Gangsta-Raps" denselben in seiner aktuellen Single "Straßenjunge" - nun gibt es nur noch Ghetto- oder Gossenrap. Da mag dann im Musikclip auch der Hamburger Samy Deluxe gerne seinen Mittelfinger in die Kamera strecken.

PS: Kauft lieber Die Pfütze des Eisbergs von Dendemann!

Donnerstag, 23. November 2006

Kontraste: Hart aber fair?

Am Mittwoch Abend lief auf WDR Hart aber fair, dem Titel wurde zumindest diese Ausgabe jedoch nicht gerecht. Das "Reizthema" war - natürlich - "Vom Ballerspiel zum Amoklauf - was treibt Jugendliche in die Gewalt?" (Stargate musste da für mich ausfallen):
«In der Computerwelt war er ein Siegertyp, im Leben ein Verlierer: Der Amokläufer von Emsdetten zeigt, wie bedrohlich Jugendgewalt ist. Warum verlieren wir Jugendliche an eine Phantasiewelt aus Blut und Gewalt? Und: Was lässt sie tatsächlich den Joystick mit dem Abzug vertauschen? Nach Erfurt jetzt Emsdetten - drohen uns amerikanische Verhältnisse?»
Blöd, wenn es aber nur folgende Studiogäste als "Experten" gab:
  • Prof. Dr. Christian Pfeiffer, Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen e.V
  • Josef Bausch-Hölterhoff, Schauspieler (u.a. "Tatort"), Gefängnisarzt, Vater einer 17-jährigen Tochter
  • Barbara Sommer (CDU), NRW-Ministerin für Schule und Weiterbildung
  • Heiner Sievert, Realschullehrer; seit 28 Jahren im Schuldienst; "Die Schüler sind erheblich aggressiver geworden."
  • Dr. Michael Heilemann, Psychotherapeut, Dozent für Anti-Aggressivitäts-Training
Also irgendwie fehlte da jemand aus dem Spielebereich... Ob's Angst vor einem Amoklauf gab?
So ging es also in der Diskussion auch nicht darum zu erörtern, ob "Killerspiele" der Mitgrund für solche schrecklichen Vorkommnisse sind (oder gar was sonst noch zu solch einem Verhalten führen kann), sondern wie stark "gewalttätige Videospiele" dafür verantwortlich sind. Gegenseitig sich die Schuld zuweisen wollten die Experten aus Politik und Pädagogik auch nicht wirklich, weswegen oberflächlich diffuse gesellschaftliche Veränderungen gefordert wurden und mit Halbwissen auf Spiele verbal eingetreten wurde:
Da wurden mal Videospiele und "Gewaltvideos" durcheinander gebracht, World of WarCraft (IMO durchaus zurecht) ob seiner Suchtwirkung kritisiert (Moderator Frank Plasberg: "Word was?") oder "nach 10 Minuten Internetrecherche" seitens des Lehrers Heiner Sievert "solche Spiele" aus dem Internet heruntergeladen.
Immerhin musste Christian Pfeiffer zugeben, dass ein "Killerspiel"-Verbot kaum etwas bringen würde, dafür echauffierte er sich über die USK bzw. der nicht mehr möglichen Indizierung eines Spieles, wenn es einmal eine Kennzeichnung der USK bekommen hat.

Das Highlight der Sendung stellte Michael Heilemann dar:
Tom Westerholt (NBC Giga-Urgestein, jetzt bei Eins Live) durfte in einer längeren Filmeinspielung die Perspektive des Gamers darstellen, was er auch sehr gut bewerkstelligte (wobei er vor zig Monitoren sitzen musste, auf denen Passantenmorde aus Grand Theft Auto gezeigt wurden...).
Dr. Heilemann bezeichnete Westerholt aber schon vor dem Beitrag als "armen Introvertierten" und im Anschluss sogar als "Amokunterstützer", da - sinngemäß - er es ja wagen würde, beim Abschießen von virtuellen Gegnern Spaß zu empfinden. Westerholts Vergleich mit Jahrmarksschießständen konnte er dann auch überhaupt nicht verstehen, ebenso wenig wie Barbara Sommer den sportlichen Aspekt in solchen Spielen oder die Parallelen zum Cowboy-und-Indianer-spielen nachvollziehen konnte.

Immerhin:
Hart aber fair

Und wie geht es jetzt eigentlich den Opfern...? Wie konnte es zu dem Amoklauf kommen...?

PS: Der Amokläufer "RestistantX" spielte nicht CS. Und seine Internetspuren werden fleißig gelöscht.

Nachtrag:
Wahrscheinlich hat sich jedes Polit- und Kulturmagazin dem Thema "Killerspiele" gewidmet, aber der Beitrag "Killerspiele als Gebrauchsanleitung" von Steffen Mayer und Ursel Sieber bei Kontraste heute abend auf ARD war noch einmal ein besonderes Erlebnis.
Brutale Spiele führten zur Verrohung und machten dumm, das hätten weltweite Studien ergeben, denn durch das Spielen am Nachmittag würde das vormittags in der Schule Gelernte verdrängt werden - je brutaler das Spiel, desto schlechter der Schüler...
Diese Aussagen wurden natürlich hübsch mit entsprechenden Ausschnitten aus GTA und ähnlichen Spielen unterlegt. Christian Pfeiffer bekam auch wieder ein Forum und bezogen auf die USK meinte der Beitragssprecher: "Diese Selbstkontrolle funktioniert aber nicht." Folglich: "Ein Verbot [für 'Killerspiele'] ist notwendig."

Ohne Worte, würde ich mal sagen (also unbedingt das Transkript lesen!).
Leider kommt Rainer Fromms Agitationsplattform Frontal 21 erst am 28.11. wieder ;-).

Das Problem an der ganzen Hetze:
Es wird - abgesehen von der überhaupt nicht so klaren Forschungslage bezüglich der Folgen von "Killerspielen" - einfach übersehen, dass solche "Killerspiele" ja nicht umsonst eine Freigabe ab 16 oder eben keine Jugendfreigabe (formerly known as "Ab 18") erhalten. Da kann man noch so oft die Minderjährigen erwähnen, die derartige Spiele mit Freuden spielen, es ändert nichts an der Tatsache, dass sie eben diese Spiele gar nicht spielen sollten. Wenn man jedes "brutale" Spiel nun indizieren würde, käme ein Großteil dieser Kids natürlich nicht mehr so einfach daran, insofern könnte die USK schon mal öfters die 16er-Kennzeichnung verweigern.
Aber alles pauschal indizieren oder gar verbieten (Indizierung und Verbot wird gerne synonym verwendet), wäre eine typische "Aus den Augen, aus dem Sinn"-Handlung, insbesonders wenn es derartig populistisch-einseitig präsentiert wird wie bei Kontraste. Ächz.

Dienstag, 21. November 2006

Schlimm...

Emsdetten gestern. Ein schwerbewaffneter 18-Jähriger läuft in seiner alten Schule Amok, verletzt Dutzende, tötet sich anschließend selbst.

Schlimm!

Beinahe sofort melden sich zahlreiche Politiker zu Wort und (phrasen)dreschen auf Computerspiele - "Killerspiele" - ein. Bis auf die Grünen, die fordern Medienkompetenz (bei wem - Politikern?).

Heute morgen war bei Spiegel Online noch sinngemäß zu lesen, der Amokläufer hätte Counter-Strike (was sonst? Wer nicht?) gespielt, bei dem man sich Menschen erschießend durch Gänge fortbewegt.

Jetzt heißt es aber dort:
«Er spielte den Horror-Shooter "Doom 3", in dem man in einer Science-Fiction-Welt auf Gruselmonster schießt, und angeblich auch "Counter Strike", einen sogenannten taktischen Shooter, in dem sich Teams von "Terroristen" und "Polizisten" gegenseitig bekämpfen - Grund genug für etliche Politiker, erneut eine Debatte um Killerspiele loszutreten.»
Auch alles schlimm, irgendwie.

PS: Das sagen antigames, d-frag und Grind That Authority dazu.

Abschalten

Am Wochenende habe ich mir Bordello of Blood (1996) und Harry Potter und die Kammer des Schreckens (2002) angeschaut.

Am Samstag lief der Blutsaugerstreifen aus der Geschichten aus der Gruft-Reihe auf dem Vierten, also "Das Vierte". Sexy Vampire gehen immer, dachte ich mir. Besonders dolle war der Film aber dann nicht, hatte immerhin ein paar nette Ideen und flotte Sprüche. Und eben sexy Vampire (aber auch nicht im Übermaß).
Zwei Dinge sind mir aber gehörig aufgestoßen und beides Mal ist der Sender schuld: Zum einen waren die Werbepausen penetrant lang, denn die Programmhinweise am Ende der Werbeblöcke dauerten fast genauso lang wie die Werbung selbst! Zum anderen war der wohl recht blutige Film übel geschnitten, keine Gore-Szene ist drin geblieben, alles wurde so dilettantisch entfernt, dass man manchmal gar nicht wusste, was passiert ist...

Am Sonntag kam dann zur Primetime Harry Potter auf ProSieben. Die Bücher haben mich trotz oder gerade wegen des Hypes nie interessiert, aber im TV habe ich mir schon Der Stein der Weisen (damals noch auf RTL) gerne angekuckt.
Nun ist aber Die Kammer des Schreckens ein lahmer Kinderfilm, dessen jugendliche Hauptdarsteller allesamt mies spielen und/oder "overacten". Das Drehbuch ist vorhersehbar, sehr löchrig und langweilig, das Finale ein schlechter Witz. Wenigstens waren die Trickeffekte (meistens) ziemlich gut.

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