Montag, 4. Februar 2008

Cloverfield

Im Jahr 1998 brachte Roland Emmerich seinen Godzilla-Film in die Kinos und verprellte damit die Fans von Japans populärstem Riesenmonster. Zwar waren die Spezialeffekte beeindruckend, aber wie jüngst Michael Bay nicht viel mit den Transformers anzufangen wusste, so war Emmerich von der Riesenechse überfordert. Folglich zerstörten die US-Streitkräfte im Abwehrkampf mehr von New York als Godzilla selbst, der schließlich gar einen Großteil des Films verschwand und seinem von Jurassic Parks Raptoren inspirierten Nachwuchs die Leinwand überließ (ein gegnerisches Monster gab's natürlich nicht).

Zehn Jahre später taucht nun Cloverfield auf: Wieder entsteigt ein gigantisches Monster dem Meer und macht New York platt, während die Army - "egal was es ist, es gewinnt" - aus allen Rohren feuert und sich auch noch mit flinken Miniausgaben des Untiers herumplagen muss. Mitten im Chaos und der Massenpanik hockt eine kleine Clique hipper Twens, die den ganzen Schlamassel auf Video festhält, während sie sich durch die stark lädierte NYC den Weg zu einer verletzten Freundin bahnen.

Neben dem Monster, dessen Herkunft gar nicht erst erklärt wird, stellt die Optik die zweite Besonderheit Cloverfields dar: Der Film soll wie das legendäre Blair Witch Project (1999) ein authentisches Homemovie darstellen, wodurch das Geschehen natürlich stark subjektiviert, aber auch unmittelbar intensiv gerät. Und wackeliger, denn der Hobbyfilmer ist eine ziemliche Niete, hält die Kamera selbst in ruhigen Minuten schief oder schwenkt genau dahin, wo nichts passiert (damit der Auftritt des Monsters dramaturgisch hinausgezögert wird).

Auch wenn das Bild also nicht selten extrem wackelt, hatte zumindest ich keine Probleme mit Kopfschmerzen. Es ärgerte mich mehr, dass dieser Homevideo-Kniff nicht wirklich nötig war, da man auch mit "objektiver" Kamera nah an den Protagonisten hätte bleiben können.
Außerdem wären dann mehr Monsterszenen drin gewesen, schließlich sind menschliche Schicksale zwar auch packend, aber man möchte doch in solch einem Film ausführlich sehen, wie das Ungetüm wütet, zumal es interessant gestaltet ist (eher außerirdisch) und die Spezialeffekte meist hervorragend gelungen sind. Die Zerstörung, die das Viech und die Army mit ihrem Dauerbombardement in der Stadt verursachen, ist wirklich enorm, nur bekommt der Zuschauer eben oft nur die Ruinen oder ferne Explosionen zu sehen oder zu hören. Hinzukommt die sehr kurze Laufzeit von effektiv 80 Minuten, wovon zu Beginn eine Menge für einen Partyprolog draufgeht.

Um den Film fand wohl eine große virale Marketingkampagne statt, von der ich als Modembenutzer nichts mitbekam. Dafür kann man auffälliges Nokia-Product-Placement im Film bewundern und es sollen so manche, von mir übersehene, versteckte Andeutungen vorkommen. Produzent ist J.J. Abrams, verantwortlich für die außergewöhnliche TV-Serie Lost und demnächst Star Trek XI.
Alles in allem ist Cloverfield ein simpler, aber packender und krawalliger Monsterfilm (dafür allein schon fast 4/5 :-), der jedoch ohne Blair Witch-Stil meines Erachtes mindestens ebenso gut funktioniert hätte. "Clover" vs. Godzilla - ich wäre dabei! [3/5]

Cloverfield
USA 2008 | IMDb | OFDb
Regie: Matt Reeves
Buch:: Drew Goddard
Darsteller: Michael Stahl-David, Odette Yustman, Mike Vogel, Lizzy Caplan, Jessica Lucas u.a.

Freitag, 11. Januar 2008

Babylon 5: Vergessene Legenden

Ende 2007 erschienen mit der DVD Babylon 5: Vergessene Legenden seit langem wieder bewegte Bilder aus J. Michael "JMS" Straczynskis B5-Universum, aus dem seit der grandiosen Urserie aus den 1990ern keine großen Erfolge mehr kamen (man denke mit Grausen an das Crusade-Spin-off).

"Vergessene Legenden", im Englischen bodenständiger und passender nur "The Lost Tales", sind zwei kleine Geschichten unter dem Obertitel "Stimmen aus dem Dunkel" von je knapp 35 Minuten Laufdauer.
In der ersten - "Stimmen aus der Vergangenheit" - hat es Colonel Elizabeth Lochley (gealtert: Tracy Scoggins) mit einem scheinbar vom Teufel Besessenen zu tun, weswegen sie einen Priester von der Erde zur Hilfe ruft. Die schlussendliche Auflösung ist recht gewitzt - nur ist von Science-Fiction dabei wenig zu sehen, das Überirdische existiert.

In der zweiten Story "Stimmen aus der Zukunft" besucht John Sheridan (Bruce Boxleitner), Präsident der Interstellaren Allianz, die Raumstation, wird zuvor aber vom Technomagier Galen (Peter Woodward) auf eine in 20 Jahren drohende Gefahr in Person eines jetzt noch jungen Centauri-Prinzen aufmerksam gemacht, den Sheridan zum Wohle der Erde um die Ecke bringen soll...
Mal wieder eine alles vernichtende Bedrohung ist wenig spannend, auch das eher unglaubwürdige Ende mit Sheridans Idee will nicht so recht passen (ob sein Plan aufgeht, erfahren wir nicht).

Beiden Geschichten ist gemein, dass es nur wenige Sets und Darsteller gibt: Die wenigen echten Kulissen sehen nicht unbedingt billig, aber sehr kahl aus, neben den drei genannten Hauptfiguren treten keine anderen bekannten Charaktere auf (werden aber erwähnt).
Tatsächliche Action gibt es keine, alle entsprechenden Szene sind Träume oder Visionen. Somit sind die beiden Folgen nicht einmal ansatzweise "Legenden", sondern kleine Kammerspiele, insbesondere Lochleys Folge, die einzig durch dynamische (wenn auch manchmal wackelige) Kameraarbeit beeindruckt. Boxleitner als Sheridan ist wie immer super, aber seine Geschichte wirkt zu stark verkürzt, als ob JMS eine Storyline aus der Hauptserie auf 35 Minuten heruntergekürzt hätte.

Immerhin sind die Tricksequenzen schön gerendert und versprühen sofort den alten B5-Charme (Kritiker sagen: Künstlichkeit). Es wurde sehr viel mit virtuellen Sets gearbeitet, was auch im ausführlichen und recht informativen Bonusmaterial behandelt wird.

Alles in allem ist es zwar schön, wieder etwas auf dem Babylon-5-Universum zu sehen, aber "Vergessene Legenden" mit den eher zweitklassigen Geschichten und dem sparsamen Look sind ganz sicher nicht B5 at it's best... Die Zeichen für weitere DVD-Geschichten stehen aber nicht schlecht, vielleicht gibt es dann ein höheres Budget und JMS verfilmt bessere Storys.

Babylon 5: Vergessene Legenden
USA 2007 | IMDb | OFDb
Regie: J. Michael Straczynski
Buch: J. Michael Straczynski
Darsteller: Bruce Boxleitner, Tracy Scoggins, Peter Woodward u.a.

Dienstag, 8. Januar 2008

2008

Frohes neues Jahr an meine wohl spärlichen Leser!

Einen Rückblick auf 2007 wird es nicht geben, ich kann mich eh an das meiste nicht erinnern. Außer dass mit Heroes und Prison Break (vor allem der Beginn der ersten Staffel) hochwertige TV-Serien ihre Premiere hatten und Stargate etwas unbefriedigend beendet wurde.

Ultima V: Lazarus ist endlich auf Deutsch verfügbar, Johnny Chung Lee sorgt mit seinen Wiimote-Ideen für Aufsehen und die bekannten deutschen Spieleblogs scheinen in der Krise.

Im HomiBlog wird's "demnächst" vielleicht folgendes geben:
  • Rezension des Eragon-Hörbuchs
  • Rezensionen/Impressions zu Call of Duty 4, Mass Effect und Halo 3 im Koop
  • Rezensionen zu Alien vs. Predator 2, Straw Dogs und Babylon 5: Vergessene Legenden

Freitag, 7. Dezember 2007

Irokesen und Schleimbolzen

Seit einigen Tagen laufen im Fernsehen Werbespots zu World of WarCraft. Nun kann man fragen, warum das mit Abstand erfolgreichste MMORPG noch Werbung braucht, aber wenn sie so gelungen ist wie in diesem Falle, macht es nix:

Im ersten Spot sitzt Star Trek-Ikone William "Captain Kirk" Shatner in Star Wars'scher Jedi-Kluft vor weißem Hintergrund und erzählt über sein Dasein als Schamane: "Ihr wollt bestimmt wissen: Hey, Shatner, wie schleudere ich einen Lichtblitz?" Zwischendurch gibt's passende Ausschnitte aus WoW. Schon sehr amüsant, aber die andere Werbung ist noch besser:

Mr. T, bekannt als Clubber Lang aus Rocky III und vor allem als "B.A." vom A-Team, berichtet vor gleicher Kulisse wie Shatner von seinen Erlebnissen als "Nachtelf-Irokese" (inkl. passendem WoW-Avatar)! Aus dem Off wird er immer wieder unterbrochen:
"Ich bin Mr. T und das ist mein Nachtelf-Irokese!"
"Hey, T, es gibt keine Nachtelf-Irokesen."
"Halt's Maul, Idiot! Wie ich schon sagte: Mein Irokese stürmt auf seinem Frostsäbler durch tiefe Wälder, mein Irokese..."
"Es ist ein Krieger, kein Irokese!"
"Vielleicht hat Mr. T das Spiel gehackt und eine Irokesenklasse erstellt. Vielleicht ist Mr. T ein Computer-Ass - schon mal dran gedacht, Herr superschlauer Regisseur?! Ich bin Mr. T, ich bin Nachtelf-Irokese! WAS SPIELST DU?"
Grandios! Die Spots sind natürlich bei YouTube etc. zu finden.

Letzte Woche vom 26.11. bis 3.12. spielte VOX' Erfolgssendung Das Perfekte Dinner auf Sylt (die Aufzeichnung war Monate zuvor). Der mit 24 Jahren mit Abstand jüngste Teilnehmer der Runde, ein Restaurant-Angestellter - nennen wir in Fares -, war am vorletzten Tag dran und machte seine Sache auch gut und zumindest die Gäste waren begeistert (auf mich wirkt der wie ein aalglatter Vorzeigeschwiegersohn). Dumm nur, dass er an den Tagen vorher allzu berechnend den anderen Teilnehmern auffällig wenig Punkte gab. Am Ende gewann er dann durchaus verdient, aber er vergaß, dass die Insel trotz über 25.000 Einwohnern ein Dorf ist: Nun wird er dort wegen seines Verhaltens von allen gedisst.

Montag, 12. November 2007

Blind Guardian in Krefeld

Dass ich nicht für die Wirtschaftswissenschaften geeignet bin, zeigt folgende Gegenüberstellung: Fast 150 EUR Gesamtausgaben (die ich zum Glück nicht alleine tragen musste) und an die zwölf Stunden An- und Abreise für etwas mehr als drei Stunden Musik...

Am Freitag Abend rief mich mein Bruder an, ob ich nicht kurzfristig mit auf das Abschlusskonzert von Blind Guardian wolle - am Samstag. Nach etwas Überlegen und Geldzählen sagte ich zu und machte mich am Vormittag des nächsten Tages auf nach Krefeld, der Spielstätte und Heimatstadt der Metal-Band. Die Bahn hatte zwar Verspätung wegen eines Gleisbruchs irgendwo, aber mehr oder weniger auf die Minute genau erwischten sowohl mein Bruder als auch ich noch den Anschlusszug in Dortmund zum Düsseldorfer Flughafen. Hier wurden wir dann von dem "dritten Viertel" unseres 2005er Road Trips durch Schottland mit dem Auto abgeholt - ab nach Krefeld.

Das Konzert fand in der "KönigPALAST"-Eishalle statt, die noch nicht besonders gefüllt war, als wir kurz nach 18:00 das Gebäude betraten und unsere sichttechnisch hervorragenden Sitzplätze *hust* auf der Tribüne einnahmen. Es wurde nur eine Hälfte der Halle genutzt; Einlass war seit 17:00. Um kurz vor 19:00 betrat dann der erste "Special Guest" die Bühne: Astral Doors als Vorband. Schon beim allerersten Gitarrenakkord wurden zwei Dinge deutlich:

1. Die Lautstärke war jenseits von Gut und Böse. Wer Sehnsucht nach Taubheit oder Tinnitus hatte, musste einfach wenige Minuten ohne Hörschutz verbringen.

2. Der Sound war scheiße! Richtig scheiße! Nun gut, Astral Doors war nicht die Band, bei der man dadurch viel verpasste, aber im Hinblick auf die komplexen Lieder von Blind Guardian ließ der von Tieftönen dominierte und wiederhallende Soundbrei, bei dem nur noch Gesang und Schlagzeug zu identifizieren waren, unsere Laune schlagartig sinken.

Immerhin unterhielten uns die astralen Türen mit lachhaften Spagatposen der Gitarristen, während der Sänger die immer noch überschaubaren und wenig mitgerissenen Besucher zum Mitgehen animieren wollte - das traurige Los einer Vorband. Leider spielte sie recht viele und gleichklingende Lieder, am Ende blamierte sich der Sänger noch mit "It's time to... It's time to... It's time to... It's time to ROCK!" Das war dann auch der letzte Songtitel.

Nach einer kurzen Umbauphase kam der zweite Special Guest, die deutsche Band Leaves' Eyes - Sängerin, grunzender Zweitsänger und Musiker, also so etwas wie Within Temptation oder Nightwish. Der Sound wurde leider nicht besser, auch wenn an den Mischpulten zeitweise vier Leute herumwuselten.
Aber auch die Blätteraugen boten Unterhaltungswert jenseits der Musik: Schon erwähnter Sänger sprang zu Beginn noch wie Rumpelstilzchen von einem Bühnenende zum anderen, versuchte zwischendurch Stimmung beim Publikum zu erzeugen und headbangte bei jeder unpassenden Gelegenheit, damit seine überlangen Haare auch gut zur Geltung kamen. Leaves' Eyes waren mit Blind Guardian auf Welttournee und in der Zeit hat der gute Mann sicher nicht seine Haare geschnitten - sie gingen ihm über den Arsch! Wenn's kalt ist, kann er sich darin einwickeln, Klopapier braucht er wohl auch keines und sollte er einmal seine Haarpracht an Perückenmacher verkaufen, muss er wohl nie mehr arbeiten.
Vielleicht ist seine Mähne aber auch sehr schwer, denn nach jedem zweiten Lied verschwand er hinter der Bühne. Und den hüpfelnden Gang zeigte er auch nicht mehr.

Dann war auch die zweite und letzte Vorband weg, die Hälfte der Mischpulte wurde abgebaut und das lange Warten auf Blind Guardian begann. Ich ging daraufhin zum Tonmeister, einem abgeklärten Roadie, der bestimmt schon mit den allerersten Metal-Bands auf Tour war. Dieser erzählte, dass leider die Halle Schuld an dem indiskutablen Sound sei, da der unverkleidete Beton und die Fensterfronten der VIP-Lounges alles zurückwerfen; immerhin fanden dann aber noch ausführlichere Soundchecks statt.

Um kurz vor 21:30 - die Halle war offensichtlich nicht ausverkauft - ertönte schließlich "War Of Wrath" und die Guardians begannen ihre Show mit "Into The Storm", begleitet von gelungenen Lichteffekten und Videoprojektionen. Positive Überraschung: Der Sound war merklich besser, die Melodien der Gitarren(-soli) gut hörbar. Scheinbar wurden alle bassigen Instrumente radikal heruntergeregelt, trotzdem gab es noch Überlagerungen und als befriedigend konnte die Tonqualität sicher nicht bezeichnet werden. Wie sagte mein Bruder: Bei den Vorbands war es tiefste Nacht, jetzt ahnte man zumindest den Sonnenaufgang.

Im folgenden spielte Blind Guardian alle bedeutenden Hits, sei es "Valhalla", dessen Refrain ausdauernd vom Publikum gesungen wurde oder der komplett von den Fans vorgetragene "Bard's Song" (da waren wir aber gerade draußen um Getränke zu holen und anschließend den Weg vor die Bühne zu suchen). Mein Favouriten wie "Another Stranger Me" oder auch "Welcome to Dying" waren natürlich ebenso dabei.
Etwas zu sehr kokettierte Sänger Hansi Kürsch mit "wir spielen jetzt doch noch weiter" oder "letztes Lied", am Ende kam die Band zweimal zu längeren Zugaben zurück - den Abschluss nach zwei Stunden und 19 Liedern bildete das lang erwartete "Mirror Mirror".

Alles in allem war das Konzert doch gut und angemessen lang. Zwar hätte man eventuell bei einem Abschlusskonzert etwas besonderes erwarten können, aber zum einen war der Sound halt Mist, zum anderen hatte ich die Band noch nie live gesehen. Also: Meidet den Krefelder KönigPALAST und kauft euch Blind Guardian-Alben!

Blind Guardian 1

Blind Guardian 2
Update: Kleinere Berichtigungen und Ergänzungen

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