Montag, 7. November 2011

Space Marine ist das bessere Gears of War [Update]

Der dritte Teil von Epics Testosteron-Saga mit seinem 91er Metascore soll Relics Warhammer 40.000-Schlachtplatte samt 76% bei Metacritic unterlegen sein? Unmöglich! Und in der Tat ist obige Aussage natürlich plakativ formuliert, aber in Teilen nicht von der Hand zu weisen.

Gemein ist beiden Titeln, dass sie in einem düsteren Science-Fiction-Universum spielen, ins Genre der Third-Person-Action fallen und die Protagonisten Übermenschen im Kampf gegen feindliche Kreaturen sind. Spielerisch gibt es jedoch einen bedeutsamen Unterschied: Während Gears of War 3 auf einer ausgeklügelten Deckungsmechanik fußt, mit der sich die Spielfigur auf Knopfdruck hinter Mauern verstecken und bewegen kann, fehlt derartiges bei Space Marine komplett. Dafür ist der Nahkampf mit einigen einfachen Kombinationsangriffen wesentlich wichtiger, zumal die Lebensenergie sich nur regeneriert, wenn Gegner im Scharmützel "exekutiert" werden.

Space Marine ist also kein Klon, fischt aber im selben Becken - auch zeitlich, denn Relics Titel erschien Anfang September und damit zwei Wochen vor Gears of War 3. Wenn man nun die Spiele tiefergehend gegenüberstellt, sieht es erst einmal nicht allzu gut für Space Marine aus: Dessen Grafik kann nicht ansatzweise mit der detailverliebten Gears-Optik mithalten, Zwischensequenzen sind oft bieder inszeniert oder fehlen ganz. Die Vielfalt der Gegner ist bescheiden und beschränkt sich auf Humanoide. Die recht kurze Kampagne lässt sich nur alleine spielen, an Mehrspielermodi gibt es einzig drei, wovon das Äquivalent zum Gears'schen "Horde"-Modus sogar erst vor einigen Tagen als kostenloser DLC nachgeliefert wurde.

Und wieso soll Space Marine nun besser sein? Dazu muss ich vorher eingestehen, dass ich die Warhammer 40.000-Welt einigermaßen kenne und das Tabletop in den 90ern eine (kostenintensive) Zeit lang spielte. Als "Fanboy" würde ich mich deshalb nicht bezeichnen, finde jedoch, dass das Universum grundsätzlich sehr interessant und einzigartig ist. Der krude, dystopische Mix aus Fantasy-Völkern im Weltraum, Militarismus, Nazi Chic, Religion, Personenkult, Steampunk, Gigantomie, Gothik und Splatterhorror diente StarCraft und sicher auch in Maßen Gears of War als Vorbild, wurde dort aber verwässert.

Space Marine wird dem Motto "In the grim darkness of the far future, there is only war" nun weitgehend gerecht (passende Erfahrungen sammelte Relic mit der Dawn of War-Strategiereihe): Jedes Bauwerk gleicht einer Kathedrale, selbst wenn es nur eine Fabrik ist - der Handlungsort des Spiels ist gleich ein ganzer Fabrikplanet. Obskure Namen und Bezeichnungen werden ohne große Erklärungen benutzt, ein Nachschlagewerk für die in über 20 Jahren gewachsene Spielwelt existiert hier nicht. Überall finden sich Totenschädelverzierungen, Ehrenbanner hängen an Kanonenrohren und Pergamentrollen liegen auf Schaltpulten. Und es herrscht Krieg. Zwar verzeichnet die Grafik wie erwähnt Einschnitte bei Details und Texturen, aber für zerstörte Städte reicht es allemal. Und für fantastisch modellierte Marines und mehrere Dutzend Gegner gleichzeitig auf dem Bildschirm ohne Ruckler. Hier glänzt nun schlussendlich Space Marine - im Kampf! Der Wechsel zwischen Schusswaffen und Nahkampf ist absolut flüssig und die Wucht und Dynamik im Scharmützel brillant. Man stürzt sich als schwergepanzerter Superkrieger in die feindlichen Horden, lässt blutig sein Kettenschwert kreisen und spürt fast, wie die Waffe den Gegner zerlegt. Dann heißt es aber schnell wieder Rückzug, um die feindliche Verstärkung mit mächtigen Bolterschüssen zu dezimieren, ein paar entfernte Scharfschützen mit der Laserkanone zu verdampfen und dann mit einer Rammattacke wieder in den nächsten Feind! Aber immer mit Bedacht, denn schon beim normalen Schwierigkeitsgrad warnt die UK-Anleitung: "You will die occasionally."

Ja, mehr passiert im Spiel eigentlich nicht und eine gewisse Eintönigkeit muss man Space Marine vorwerfen. Jedoch darf dies nicht mit Kritik an der Spielmechanik selbst verwechselt werden. Space Marine kann man wohl als "Old School" bezeichnen, weil es ungewohnt reduziert ist: Es blendet nicht mit zig verschiedenen Feinden, fantastischer Präsentation oder mannigfaltigen Schauplätzen. Damit will ich nicht sagen, dass Gears of War 3 dies tut, denn auch dort ist das Spielprinzip absolut robust. Doch ist es hin- und hergerissen zwischen dem Anspruch taktischer Stellungskämpfe und brachialer Action, schließlich liegt Space Marine bei letzterem am Ende still und heimlich vorne.

Deutlicher mag dies noch bei den Mehrspielermodi gegen andere Spieler werden. Gears of War 3 verheddert sich hier meiner Meinung nach im just beschriebenen Widerstreit, da Deckungsgefechte aufgrund überstarker Schrotflinten bzw. zu schwacher sonstiger Waffen oft durch schlichte Sturmangriffe untergraben werden. Space Marine ist hier bodenständiger und damit funktionaler, übrigens auch wieder Old School: Die nur fünf Kampfareale für 16 Spieler erinnern stark an zweckmäßige FPS-Karten aus den 90ern, ausufernde Statistiken gibt es nicht. Sich regenerierende Lebensenergie kommt hier im Gegensatz zur Einzelspielerkampagne dann doch wieder zum Einsatz. Ich muss aber zugeben, in beiden Spielen noch keine Langzeiterfahrung zu haben.

Ebenso muss eingestanden werden, dass ich die Kampagnen aller Gears of War-Teile "nur" zusammen mit Freunden gespielt habe, nicht alleine. So war der Story-Modus natürlich insgesamt unterhaltsamer als der von Space Marine. Was auch daran liegen könnte, dass Space Marine - leider - nur einen Bruchteil des möglichen Hintergrundmaterials benutzt. Ich habe den Eindruck, dass Publisher THQ nicht allzu viel Geld locker machen wollte und dann auch noch auf dem Erscheinen vor Gears of War 3 bestand. Dass deshalb Spielumfang und Verkaufszahlen nicht überragend sind, ist wenig überraschend und lässt momentan einen zweiten Teil wenig wahrscheinlich sein. Schade!

Wie auch immer: Space Marine ist eine Empfehlung und zum Budgetpreis ein Kaufbefehl, weil es vertraut und doch anders ist.

PS: Dinge, die ich im Spiel schmerzlich vermisste: Kooperative Kampagne, weitere Völker oder zumindest mehr Einheiten der auftretenden Parteien, Fahrzeuge, abwechslungsreichere Orte oder zumindest Innenräume, asymmetrische Rassen im Multiplayer (z.B. Orks gegen Space Marines), der Vorlage entsprechend abgründigere Motive (z.B. Servitoren zeigen und nicht nur erwähnen).

Update: Kaum habe ich diesen Text geschrieben, ist bei meinen anschließenden Space Marine-Matches zweimal die Konsole eingefroren und zudem war die Verbindungsqualität bei mir dann oft schlecht (immerhin existiert im Gegensatz zu Gears eine entsprechende Anzeige). Man findet zwar jederzeit einige laufende Spiele (ohne zu erfahren, wie viele Spieler insgesamt online sind), aber der Netzcode bzw. das Match-/Hostmaking ist leider wechselhaft - sicher aufgrund geringer Spielerzahlen. Nicht verschweigen möchte ich dann noch die langen Ladezeiten bei neuen Karten und Betreten des umfangreichen Charaktereditors.

Warhammer 40.000: Space Marine (PC/360/PS3)
THQ/Relic 2011 | MobyGames | OGDb
Director: Raphael van Lierop
Producer: Andy Lang, Chad McFarlin u.a.

Sonntag, 30. Oktober 2011

Venetica

Venetica ist ein sympathisches, überwiegend schönes und gut spielbares Action-Adventure aus Deutschland irgendwo zwischen Fable und Zelda. Dank vieler Nebenquests habe ich 25 Stunden in der phantastischen Interpretation des alten Venedigs verbracht, paradoxerweise kann es jedoch umfänglich eigentlich nicht mit vorgenannten Titeln mithalten. Der Budgetunterschied zu internationalen Produktionen ist jederzeit bemerkbar, trotzdem ist es eindrucksvoll, was das recht kleine Team von Deck 13 (Ankh) auf die Beine gestellt hat. Ausführliche Eindrücke habe ich mehrfach im Forum von YiYa.de niedergeschrieben (als "DocTriv").

Venetica (PC/360)
Dtp/Deck13 2009/2010 | MobyGames | OGDb
Director: Jan Klose
Producer: Achim Heidelauf

Sonntag, 23. Oktober 2011

Ein Brief Deiner Tochter

Da ich meine Notizen zum erzählerisch faszinierenden Action-Adventure Nier wohl nicht so bald zu einem Text und damit zur Forsetzung dieses Artikels formen werde, hier ein Brief, der an die herumreisende Spielerfigur geschickt wird.
«Lieber Papa,

ich hoffe, du bist wohlauf. Mir geht es gut hier, obwohl ich mich manchmal etwas einsam fühle. Aber wenn das passiert, schaue ich einfach in den Himmel und frage mich, ob er bei dir wohl die gleiche Farbe hat. Dann geht es mir in der Regel besser.

Erkälte dich nicht, okay?

Yonah»

Dienstag, 18. Oktober 2011

Steven Spielberg vs. Science Fiction

Die beiden großen TV-Neustarts 2011 des - abgesehen von Vampiren oder ähnlichem - eher darbenden Phantastikgenres waren Falling Skies und Terra Nova. Bei beiden Serien fungiert neben einem Heer weiterer Produzenten Steven Spielberg als Executive Producer. Ich weiß nicht, wie sehr er im Tagesgeschäft involviert ist, aber sein Name ist das Aushängeschild. Und deswegen mache ich ihn dafür verantwortlich, dass sowohl Falling Skies als auch Terra Nova ziemliche Enttäuschungen sind.

Mir scheint, der berühmte Regisseur ist mit den Jahren nicht nur altersmilde, sondern auch zahnlos geworden. Durch Funkgeräte ersetzte Pistolen bei E.T. sind da nur ein Indiz. Die beiden erwähnten Serien hatten interessante Konzepte: Falling Skies spielt nach der Besetzung der Erde durch Aliens und handelt von einer Widerstandszelle. Bei Terra Nova ist unser Planet am Ende, weswegen der Menschheit ein Neustart ermöglicht werden soll, 85 Millionen Jahre in der Vergangenheit. Und dann kam Spielberg an Bord und empfahl: "Wir brauchen mehr emotionale Ankerpunte für den Mainstream - wir bauen jeweils eine zentrale Familie ein!" Die Schöpfer der beiden Serien dachten sich daraufhin: "Das ist doch total dumm, 08/15-Drama, nervige Kinder, Überväter." Aber so etwas sagt man offenbar keiner Regielegende und deshalb wurden aus zwei vielversprechenden Science-Fiction-Shows verkappte Familienserien, garniert mit Klischees und altbekannten Plots.

Vielleicht war es nicht so, aber die Familien- und Spielbergparallelen sind leider ebenso unübersehbar wie die Mittelmäßigkeit der beiden Serien.

Donnerstag, 22. September 2011

Movie Tweets

Dark Remains = klischeehafter, einfallsloser und öder Wannabe-Horrorfilm.

King of the Hill (2007): Anfixender Beginn, aber schöne Landschaft + dumme Protagonisten erschweren das Mitfiebern, als es gefährlich wird.

Lake Mungo (2008): Statische und (zu) handlungsarme Fake-Doku über Trauer, Familiengeheimnisse, Fotos, Wahrnehmung und Geister.

Martyrs (2008): Selbst mit unvorteilhafter größerer Gruppe phasenweise keine entlastenden Zwischenrufe. Must-See! Diese Franzosen...

Handlung + Titel des staubtrockenen Mystery-Kriegsfilms Operation Desert (2008) ergeben wenig Sinn. Lakonisch, hypnotisch oder langweilig?

Rubber = Abgedreht ("no reason"), im Kern recht konventionell.

Wozu ein an sich gelungener Spannungsaufbau, wenn der durch die Eingangsszene bereits vorab untergraben wird?! Salvage (2009), solide.

The Keep (1983): Nazis, Nebel, Gegenlicht. Gabriel Byrne als Major Kaempffer (!), Ian McKellen overactet. Tangerine Dream. Dämonen. Wirr.

The Tree of Life: Malick wagt sich an die ganz großen Fragen und kommt durch Selbstzweck-Symbolismus etwas vom Weg ab. Deshalb sehenswert.

Trollhunter (2010): Found-Footage-Film, Norwegen-Niemandsland, tolle Trolle. Der Mittelteil nach überraschendem Tonfallwechsel ist famos!

Valhalla Rising (2009): Mads Mikkelsen, einäugig, stumm. Krieger, Christen, Kreuzzug. Wikinger, Wallfahrt, Wahnsinn. Pushende Bildgewalt.

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