Dienstag, 24. Juli 2012

Durchwachsen: Hit & Miss, Sinbad & The Newsroom

Hit & Miss

Eine Transsexuelle verdient als Auftragskillerin Geld, um sich vollständig zur Frau umoperieren zu lassen, als sie von ihrem kleinen Sohn erfährt, der nach dem Tod der Mutter mit drei Geschwistern auf einer der Zivilisation entrückten Bauernhofruine lebt. Sie will nun die Vater-/Mutterrolle übernehmen, aber ihre kriminellen Verpflichtungen lassen sie nicht los... Recht harter Tobak, vollgepackt mit ungewöhnlichen Themen, die stellenweise unangenehm, aber kaum sensationshaschend umgesetzt werden. Trotzdem arg irritierend, wenn Darstellerin Chloë Sevigny mit merkwürdiger Maske nackt vor dem Spiegel steht, ihren (Fake-)Penis schlägt und schluchzend "I'm a real boy" ruft - nur um bald darauf dem Dorfschönling einen zu blasen. Im eskalierenden Verlauf der sechs Episoden mit Cliffhanger am Ende wurde mir die Serie aber schlicht zu überladen.

Hit & Miss | UK 2012 | Created by Paul Abbott | Darsteller: Chloë Sevigny, Peter Wight, Jorden Bennie, Jonas Armstrong, Vincent Regan, Ben Crompton, Karla Crome, Reece Noi u.a.

Sinbad

Sindbad, das bedeutet geheimnisvolle Abenteuer, exotische Frauen und dunkle Magie. Viele Fantasy-Filme, u.a. vom Stop-Motion-Meister Ray Harryhausen, haben die Märchengestalt aus 1001 Nacht verwurstet, es gab die recht kuriose Animeserie aus den 70ern und Sindbads Abenteuer aus Kanada (1996-1998) im Fahrwasser von Hercules und Xena. Aus England kommt nun eine Neuauflage, die eingangs düsterer als die 90er Serie ausfällt: Tagedieb und Glücksritter Sindbad tötet aus Versehen den Sohn eines mächtigen Mannes, woraufhin sein Bruder umgebracht und er anschließend von seiner Oma verflucht wird - Sindbad kann nur noch 24 Stunden am Stück an Land verbringen. Bald hat er durch Zufall eine Zweckgemeinschaft zusammen und die Flucht wird zur Abenteuerreise.

In der alten und unernsten Serie war Sindbads bärenstarker Bruder noch quicklebendig in der schnell verschworenen Mannschaft. Hier hingegen muss die Crew, die durchaus ähnlich zu den 90ern zusammengesetzt ist, erst zusammenwachsen und bei jedem sind dunkle Geheimnisse angedeutet. Welche das sind, werde ich aber wohl nicht erfahren, denn nach drei von zwölf Episoden bin ich abgetörnt: Mit jeder Folge nahm die qualitative Flaute zu, die Serie wurde lächerlich und wirkte zuletzt trotz hervorragender Spezialeffekte billig und platt (wie schlecht übrigens die Computerszenen in Sindbads Abenteuer waren!). Da nützen auch kein Naveen Andrews (Lost) und keine Orla Brady (Fringe) als Bösewichte, die eher alibimäßig eingeschoben werden - in der alten Serie gab's noch einen herrlich overactenden Zauberer, "Sayid" schaut bloß weinerlich oder grimmig drein.

Die beiden Frauen in der 2012er Mannschaft bekleiden bis jetzt nur schwache Rollen und können zudem der feschen Jacqueline Collen nicht das Wasser reichen. Und Sindbad selbst wurde in den 90ern dargestellt von einem aalglatten Weißbrot (Zen Gesner), nun ist er der morgenländischste Schauspieler (Elliot Knight) in der gesamten Serie - lässige Checker sind sie beide. Falls es erzählerisch nicht deutlich besser wird, keine Segel setzen!

Sinbad | UK 2012 | Executive Producers: Tim Haines, Sophie Gardiner, Andrew Woodhead | Darsteller: Elliot Knight, Naveen Andrews, Dimitri Leonidas, Marama Corlett, Elliot Cowan, Estella Daniels, Orla Brady u.a.

The Newsroom

Der Name Aaron Sorkin sagte mir ehrlicherweise bisher wenig, aber der Schöpfer dieser 2012er US-Serie hat seinen Fernsehruhm u.a. mit The West Wing erlangt. Parallelen sind unübersehbar und auch die Gründe, warum mir beiden Serien nicht wirklich zusagen, sind identisch: Sorkins Universum ist von hochstressiger, anspruchsvoller Nonstop-Arbeit geprägt, die von jungen und junggebliebenen Menschen mit Leichtigkeit erledigt wird und welche dabei noch federleicht geschliffene Gespräche führen. Terminstress und Betriebssamkeit werden gut eingefangen, aber die Charaktere wirken trotz ihrer Aufgaben zu unbeschwert. Das passt für mich nicht zusammen, nicht in Martin Sheens Weißem Haus von The West Wing und auch nicht in der jetzigen TV-Nachrichtenredaktion unter Jeff Daniels (der Anchorman) und Emily Mortimer (seine Produzentin). Nach fünf von zehn Folgen The Newsroom ist zudem das Beziehungsgeflecht in der Redaktion in den Mittelpunkt gerückt. Interessant übrigens, dass die Serie wenige Monate in der Vergangenheit spielt und so mit dem heutigen Wissen reale Ereignisse aufgegriffen werden. Sorkin entwirft dabei das Idealbild einer um Unabhängigkeit und Aufklärung kämpfenden Nachrichtensendung im durchkommerzialisierten, unterhaltungslastigen Amerika - lobenswert, aber der Stil sagt mir nicht zu.

The Newsroom | USA 2012 | Created by Aaron Sorkin | Darsteller: Jeff Daniels, Emily Mortimer, John Gallagher Jr., Alison Pill, Thomas Sadoski, Dev Patel, Olivia Munn, Sam Waterston u.a.

Samstag, 30. Juni 2012

Movie Month 6/2012

Von mir drüben bei den Zelluloidfreaks:

Freitag, 29. Juni 2012

Those were the DayZ

Nach Minecraft dürfte DayZ der nächste große Indie-Hype sein, obwohl es hierfür direkt kein Geld auszugeben gibt und irgendwie schon eine große Firma dahintersitzt. DayZ ist eine Mod - ja, so etwas gibt's heutzutage noch - für die Militärsimulation ArmA II. Wer sich nur ein wenig für PC-Spiele interessiert, wird längst über unzählige Spielvideos, Berichte oder Interviews mit dem Entwickler Dean "Rocket" Hall gestolpert sein. Dieser arbeitet für ArmA-Macher Bohemia und die Firma dürfte ihr Glück gar nicht fassen können: Dank DayZ (noch in der Alpha-Phase!) residiert das ursprünglich 2009 erschienene Spiel seit Wochen ganz oben in den Steam-Verkaufscharts und findet sich auch in der deutschen Top 20 von Amazon.

Eine 225 m² große Karte, bevölkert von Hunderten von Zombies und um die 50 Spieler, das Ziel: überleben. Ein so simples wie brillanten Konzept - warum hat das niemand bereits früher umgesetzt? Ereilt einen der Tod, verliert man alles und beginnt von neuem am Strand der Spielwelt. Dies führt dazu, dass mit zunehmender Spielzeit und immer besserer Ausrüstung das Misstrauen gegenüber fremden Spielern stetig zunimmt.

Zu zweit schlugen wir uns vom Topolka Dam im Norden Elektrozavodsks durch die bewaldeten Berge. Staroye musste wir wegen zu vieler Untoter umgehen, konnten uns in einem nahen Maststall jedoch gut ausrüsten. Im Wald über dem Dorf brieten wir Fleisch von geschlachteten Tieren an einem heimeligen Lagerfeuer. Dass wir zuvor unser einziges Gewehr an das sperrige Inventarsystem des Spiels verloren hatten, ließ die Stimmung nur etwas sinken - auch wenn unsere Bewaffnung nur noch aus Nahkampfwaffen und einem Revolver bestand. Wir marschierten dann querfeldein in nordwestlicher Richtung (ein Kompass ist hilfreich) und als wir aus dem Wald traten, lag in einer Senke vor uns die Siedlung Novy Sobor. Kaum Zombies in Sicht, ergab überraschend das Auskundschaften per Fernglas. Unser Ziel war die Kirche, aber da wir unbehelligt bis ins Dorf kamen, untersuchten wir zuerst ein größeres Haus und fanden mancherlei Ausrüstung.

Plötzlich frug mein Begleiter, ob da nicht gerade jemand am Fenster vorbeigegangen war. Sofort verhielten wir uns ruhig und schlichen vorsichtig zur Tür (die Hütte hatte leider derer zwei). Aber es waren wohl nur Blätter im Wind. Dann mussten wir vor ein paar aufgeschreckten Zombies davonrennen und versteckten uns im Gotteshaus. Hier muss die Inquisition gelagert haben, denn an Pistolen, Munition und weiterem Equipment herrschte kein Mangel. Plötzlich zerrissen einzelne Schüsse die trügerische Stille der Kirche. Immer wieder knallte draußen eine Pistole (oder mehrere?) und wir nahmen sofort die große Flügeltür ins Visier. Per Textchat riefen wir mehrfach nach dem oder den Schützen, aber bekamen keine Antwort. Angespannt diskutierten wir nun, ob dort auf Zombies oder Überlebende geschossen wurde und wir sicherheitshalber sofort feuern oder eher abwarten sollten, falls jemand durch den Eingang käme - totale Paranoia. Endlose Augenblicke verstrichen, Schüsse waren nicht mehr zu vernehmen. Und niemand erschien. Trotzdem mussten wir erst einmal ausloggen...

Montag, 18. Juni 2012

Justified (Staffel 1)

Part 1 einer dreiteiligen Beschreibung der aktuell drei Staffeln umfassenden US-Serie Justified mit analytischem Einschlag inklusive einiger Spoiler. Wer die Serie nicht kennt und noch schauen möchte, mag die ersten drei Absätze lesen oder meine Empfehlung beherzigen: Justified ist eine gute, sich weiterentwickelnde Fernsehserie mit interessanten Motiven und Konflikten.

Ein sonniges Duell. Im Sitzen. Raylan Givens verleitet einen Schurken zum Ziehen seiner Waffe und erschießt ihn. Givens ist U.S. Marshal, sein Handeln vom Gesetz gedeckt. Trotzdem wird er strafversetzt, von Florida in seine Heimat Kentucky, von der High Society ins Hillbilly-Hinterland. Einst floh er von hier, nun trifft er seine Angehörigen und Freunde wieder. Und die sind im Gegensatz zu ihm wenig gesetzestreu. Bereits im weiteren Verlauf der ersten Episode richtet Givens' ehemaliger Kumpel Boyd Crowder einen vermeintlichen Spitzel in seiner Neonazigruppe per Kopfschuss hin und sprengt eine Kirche mit einem Raketenwerfer. Schließlich kommt es in Nachstellung der Eingangsszene zum Duell zwischen Crowder und Givens, bei dem letzterer Crowder krankenhausreif schießt.

Ein furioser und dramatischer Beginn der US-Serie Justified , die auf Werken des Schriftstellers Elmore Leonard beruht, welcher auch als ausführender Produzent genannt wird. Doch brauchen die für ihn typischen Milieustudien ihre Zeit, um klar hervorzutreten. Die erste Staffel ist deutlich noch auf der Suche und so stellen die frühen Episoden losgelöste Kriminalfälle dar, zudem oft von nur solider Qualität. Gleichzeitig werden jedoch zunehmend, wenn auch oft nebenbei die Hintergründe der Hauptcharaktere beleuchtet. Es vergeht erstaunlich viel Zeit, bis wichtige und längst angekündigte Figuren wie z.B Raylans Vater Arlo Givens tatsächlich auftreten (Boyd Crowder wird gar für mehrere Folgen wieder aus der Serie genommen). Das Beziehungsgeflecht der verschiedenen Familien wird so clever konstruiert und ebenso gelungen enthüllt.

Damit einhergehend nimmt die Dramatik der Ereignisse zu, Menschen werden blutig erschossen, Todesdrohungen schwirren hin und her, mit Feuerwaffen wedelt ein jeder herum. Hier bekommt die Serie oder vielmehr die Staffel Probleme, denn die dramatische Wirkung wird von zwei Dingen beeinträchtigt: Raylan Givens und der deutschen Synchronisation. Givens ist sowohl rede- als auch schussgewandt und in diesen Belangen fast allen anderen Figuren überlegen - "Herr der Lage" ist sein Spitzname und trotz gefährlicher Situationen bleibt das Bedrohungsgefühl stets gering (z.B. wird Raylan einzig in einer Prügelei verletzt, die er selbst anzettelte). Zusätzlich verändert die Synchronisation das Flair der Serie. Trockener und beiläufiger Wortwitz zeichnet Justified aus, aber die Charaktere sind eben keine Komiker. Doch genau dazu machen die deutschen Sprecher ihre Figuren mit unpassend heiterem Tonfall.

Ihre volle Wirkung können die eskalierenden Geschehnisse und dabei vor allem die Vater-Sohn-Konflikte leider so nicht entfalten: Boyd Crowder, der nach dem Duell mit Raylan Gott gefunden zu haben glaubt, gerät darüber mit seinem aus dem Gefängnis entlassenen Vater Bo, einem kriminellen Schwergewicht, aneinander. Und Raylan hadert seit seiner harten Kindheit mit seinem Erzeuger Arlo, den er lange auch gar nicht sehen möchte. Da Arlo seit jeher im Verbrechenssumpf der Crowder-Familie steckt, ist er schließlich gar bereit, seinen Sohn zu opfern. Aber auch da ist Raylan wieder allen voraus. Wie lange Givens junior schon wisse, dass Arlo seinen Sohn verraten wollte, fragt sein Vater ihn schließlich. "Mein ganzes Leben" lautet die ruhige und dadurch um so erschütterndere Antwort Raylans.

Bo und Boyd Crowder werden durch die religiöse Erweckung des Sohnes auseinandergetrieben. Wie Raylan versucht Boyd nun, die Machenschaften seines eigenen Vaters zu verhindern. Während Arlo Givens sich über die Jahrzehnte mit der Ablehnung durch Raylan abgefunden hat, ihn schließlich sogar dem Tod auszuliefern bereit ist, reagiert Bo mit Härte auf die Anwandlungen Boyds. Doch ihn zu töten scheint ihm nicht möglich, stattdessen schlachtet er Boyds Anhänger. Den daraus entspringenden Mordgelüsten seines Sohnes entgeht Bo nur, weil er sich im Spiel mit größeren Gangstern die Finger verbrennt und erschossen wird. Boyd jagt daraufhin die Täter - aber nicht wegen des Mordes per se, sondern weil sie ihm seine Blutrache gestohlen haben.

An Justified kritisieren lässt sich, dass einigen Aspekten der Geschichte die Stringenz fehlt. Abgesehen von manch nicht gerade hochklassigen Einzelplots ist Raylans Schießwütigkeit und Strafversetzung das auslösende Moment der gesamten Serie, doch danach darf er für längere Zeit unbehelligt von seinen Vorgesetzten herumballern, ganz seinem Motto "shoot to kill". Seine Jugendfreundin Ava, mit der Raylan bald zusammenkommt, erschoss ihren gewalttätigen Ehemann Bowman Crowder - nicht in Notwehr! Die Tat bedeutet jedoch kaum juristische Auswirkungen für sie (aber Stress mit den Crowders) und erscheint somit gar moralisch legitimiert. Schließlich sagt Raylans attraktive Exfrau Winona früh, dass sie niemanden kenne, der so zornig sei wie Raylan Givens. Dessen Darsteller Timothy Olyphant spielte den Sheriff der grandiosen Westernserie Deadwood, wo er konstant unter Druck stand, ein Vulkan kurz vor dem Ausbruch. In Justified bekommt man davon jedoch nichts mit, Winonas Aussage ist eine bloße Behauptung (obschon Raylan stets mit Cowboyhut und lockerer Pistole unterwegs ist).

Schlussendlich ist der Serienauftakt trotz einiger farbloser Nebenfiguren und des meist unnahbaren Marshal Raylan Givens gelungen, verspielt aber aufgrund etwas nachlässiger Struktur und vor allem der deutschen Synchronisation seine epische Wucht. Doch muss die erste Staffel als ein Herantasten verstanden werden. Die in den Charakteren Raylan und Arlo Givens angelegten Kernkonflikte von Sohn und Vater, von Lawman und Outlaw, von Stadt und Land, von Fortschritt und Freiheit, von Moderne und Tradition werden in den nächsten Staffeln weitergesponnen werden...

Justified | USA 2010+ | Created by Graham Yost | Darsteller: Timothy Olyphant, Nick Searcy, Joelle Carter, Walton Goggins, Jacob Pitts, Erica Tazel, Natalie Zea, Raymond J. Barry u.a.

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Mittwoch, 6. Juni 2012

E3 2012 [Update]

«We've seen some unbelievable violence during E3 conferences so far this week, but even the sight of Sam Fisher stabbing someone repeatedly in the neck was nothing next to Nintendo's evisceration on NeoGAF after that.» (Tom Bramwell, Eurogamer.net).
Früher™ druckte ich mir im Computerraum der Schule zur E3 seitenweise spekulative Artikel von IGN über Nintendos N64-Nachfolger "Dolphin" aus und träumte von der Spielezukunft.

Heute schaue ich wie selbstverständlich Live-Streams der Pressekonferenzen von Microsoft, Sony & Co. am PC, daneben läuft Twitter und der gute alte IRC-Chat, der jedes Jahr leerer zu werden scheint. Die Frage ist, ob es Neuigkeiten geben wird, die nicht schon vorab ins Internet geleakt sind. Die Antwort lautet sehr oft: Nein. Die Frage ist auch, ob die großen Hersteller positiv überraschen werden. Fast immer lautet die Antwort: Nein. Oder: "Gears of Duty"...

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Erstellt: 2006-09-02 17:58
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Letztes Update: 2024-10-11 15:45
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