Mittwoch, 5. März 2008

Gary Gygax ist tot

Gary Gygax, der Erfinder von Dungeon & Dragons und damit des Pen&Paper-Rollenspiels, verstarb am gestrigen Dienstag im Alter von nur 69 Jahren in seinem Wohnort Lake Geneva. Einen Nachruf von Konrad Lischka gibt es bei Spiegel Online.

Donnerstag, 28. Februar 2008

I'm a Cyborg, but that's OK

Den (nationalen) Durchbruch feierte der Regisseur Park Chan-Wook im Jahr 2000 mit dem innerkoreanischen Grenzdrama Joint Security Area, woraufhin er seine heute berühmte Rachetrilogie in Angriff nahm und 2002 Sympathy for Mr. Vengeance präsentierte, ein nihilistisches Meisterwerk und Kloß im Hals des Zuschauers. International erfolgte dann der Ritterschlag 2004 in Cannes für Oldboy (2003), ebenfalls ein herausragender Film, jedoch schon nicht mehr so grimmig wie SfMV (den Abschluss der Trilogie, Lady Vengeance von 2005, kenne ich noch nicht).

Zumindest hatte Chan-Wook nun absolute Narrenfreiheit und drehte 2006 I'm a Cyborg, but that's OK (allein was für ein Titel!), der dank der Bekanntheit des Regisseurs auch im offiziellen Wettbewerb der Berlinale 2007 lief - das versprach eine Kinoauswertung. Auf dem Fantasy Filmfest, auf dem ich in den Jahren zuvor SfMV und Oldboy erleben durfte, konnte ich den Film dann leider nicht sehen und der reguläre Kinostart fand schließlich erst Mitte Januar 2008 in ausgewählten Lichtspielhäusern statt (Spielplan). Zum Glück auch in meiner Nähe!

Während in JSA und SfMV Freundschaft und Liebe in gewisser Weise das auslösende Moment der Handlung und damit der Katastrophe waren, ist dies bei I'm a Cyborg, but that's OK umgekehrt: Der tragische Grund, warum die Protagonistin Young-Gun zu Beginn in die Irrenanstalt eingewiesen wird, liegt eigentlich weit in der Vergangenheit. Am Ende wird das Mädchen, das sich für einen Cyborg hält und darum nichts isst, aber Liebe und ihr persönliches Glück finden - denn der Film ist nichts anderes als (sehr wunderliche) Romantic Comedy.

Langweiligen Kitsch muss man nicht befürchten, denn über weite Strecken führt der Film die verschiedenen Patienten und ihre Krankheiten, Marotten, Alltagsprobleme und Beziehungen untereinander ein, was erwartungsgemäß bereits für viel Heiterkeit und Situationskomik sorgt.
Herausragend wird es dann, wenn die Kamera die Wahrnehmung der Verrückten - oder passender Wahnsinnigen - einnimmt und so die Realität verdreht.
In diesen Szenen explodiert der Film in überraschenden Einfällen und visuellen Tricks, springt "typisch asiatisch" munter durch alle Genres und dürfte unaufgeschlossene Zuschauer ob der gezeigten "Wahnwitzigkeiten" vor den Kopf stoßen. Alle anderen hängen laut lachend oder berührt in ihren Sitzen.
Lange Zeit ist sich der Zuschauer zudem nicht völlig sicher, ob die absonderlichen Fähigkeiten der Insassen wirklich nur Wahnvorstellungen sind. Könnte Young-Gun vielleicht doch ein Cyborg sein?

Der manische Dieb Il-Sun, der anderen Charaktereigenschaften klauen kann (!), macht es sich schließlich zur Aufgabe, Young-Gun beizustehen, die als Cyborg natürlich nichts zu sich nehmen kann außer Strom - für einen Menschen dürfte dieses Essverhalten aber auf Dauer nicht gesund sein. Und während die Ärzte an der Heilung des Mädchens verzweifeln, hilft Il-Sun mit liebevollem Einfallsreichtum sowohl dem Menschen als auch dem Cyborg Young-Gun und besiegt darüber ebenso seine eigenen Dämonen...

I'm a Cyborg, but that's OK ist hervorragend inszeniert, bietet makellose Spezialeffekte, skurrile Charaktere, eine schöne Geschichte, die weit tiefgründiger ist als sie meist erscheint, und eine Menge guter Laune. Einzig ein paar Umwege vor der Zielgeraden trüben ein ganz klein wenig den Filmgenuss. Ansehen! [4/5]

I'm a Cyborg, but that's OK (Saibogujiman kwenchana) | Original mit deutschen UT
ROK 2006 | IMDb | OFDb
Regie: Park Chan-Wook
Buch: Park Chan-Wook
Darsteller: Lim Su-Jung, Jung Ji-Hoon, Choi Hie-Jin, Oh Dal-Su u.a.
Update: Kleinere (stilistische) Änderungen

Dienstag, 19. Februar 2008

Kleinstfreude

Sylvester Stallones John Rambo läuft in Deutschland zwar "ohne Jugendfreigabe" im Kino, ist aber trotzdem um circa eine Minute geschnitten, was bei solch einem harten Actionfilm eine Menge bedeutet. In Österreich kann man den vierten Teil der 1982 einst ruhmvoll gestarteten Reihe ungekürzt bereits ab 16 Jahren sehen, in Frankreich gar ab zwölf! Somit heißt es für mich auf eine ungeschnittene DVD-Auswertung hoffen - notfalls als Import.

Unter dem Mantel des Jugendschutzes schreitet die Bevormundung der erwachsenen Bevölkerung also voran, populistisch wird weiter eine erneute Verschärfung des Jugendmedienschutzes forciert, um der eigentlichen Zielgruppe, nämlich volljährigen Bundesbürgern, den Zugang zu "gewaltbeherrschten Killerspielen" zu erschweren. Bildschirmspiele als Kunst verstanden, das sieht anders aus.

Aber immerhin eine dazu überhaupt nicht passende Meldung:
Der wunderbar simple Audioplayer Billy ist zurück! Die letzte Version erschien im Mai 2005 (!), vor wenigen Tagen ist nun die neue Beta 1.04i veröffentlicht worden, welche u.a. Unterstützung für FLAC, Last.fm und ID3v2.4-Tags bringt (Billy zeigt Metadaten weiterhin nur gesondert an und bleibt deswegen schnell). Geplant ist auch Unicode- und ReplayGain-Unterstützung, das kann aber alles wegen limitierter Zeit des Entwicklers Sanne Schaap noch länger dauern...

Donnerstag, 14. Februar 2008

Das Ende der Games Convention [Update II]

Gerüchte gehen um, dass die Leipziger Games Convention bereits 2009 in Köln stattfinden soll (dort ist der Branchenriese Electronic Arts ansässig). Eine offizielle Bestätigung der angeblichen Umzugspläne gibt es bisher aber nicht und wird - wenn überhaupt - auch nicht vor Ende Februar zu erwarten sein.

Golem.de bietet eine gute Zusammenfassung der ursprünglichen FAZ-Meldung vom Dienstag: "Zieht die Games Convention nach Köln?"

Und bei Spiele nutzen ein fundierter Artikel über die Vorteile und Leistungen der Leipziger Messe: "Leipzig ist die Games Convention"

Die diesjährige GC findet vom 21. bis 24. August 2008 statt. In Leipzig.

Update: "Die Entscheidung für Köln ist eine Entscheidung für Deutschland und nicht gegen Leipzig."

Bereits seit letztem Donnerstag kursierten einige Gerüchte durch die Presse und das Netz, am heutigen Montag fand dann die angekündigte Pressekonferenz des BIU und der Koelnmesse in Berlin statt:

Tatsächlich zieht die Spielemesse ab 2009 nach Köln und findet unter dem Namen "GAMESCom" dann einen Monat später als bisher statt, also nun vom 9. bis 13. September und damit näher am Weihnachtsgeschäft (aber nicht mehr in der Sommerferienzeit). GAMESCom ist ein recht dumpfer Titel, der sich dreist auch als "GC" abkürzen lässt und klar an die Games Con[vention] erinnert. Die Leipziger Messe, welche die bisherige Veranstaltung seit 2002 aufgebaut hatte, wollte den Namen "Games Convention" verständlicherweise nicht zur Verfügung stellen.

Update II: In einer Pressemitteilung bedauert die Leipziger Messe die Entscheidung des BIU. Laut LZV-Online (Artikel offline) werde es keine Konfrontation der beiden Messen geben, jedoch sei noch offen, ob das Kölner Konzept von der gesamten Branche getragen werde.

Für den Standortwechsel werden als Gründe angeführt:
«- das [Kölner] Messegelände samt Infrastruktur und Einzugsgebiet
- die Internationalität und das weltweite Vertriebsnetz der Koelnmesse
- die Erfahrung mit Großveranstaltungen
- die Integration der GAMESCom in die Medien- und Eventstadt Köln»
Die GC - also die Games Convention - stand zuletzt in der Kritik, bereits die Wachstumsgrenze erreicht zu haben bei "vollständig ausgeschöpften" Hotelkapazitäten und "unterdurchschnittlicher Anbindung Leipzigs an das internationale Flugverkehrsnetz".

Die Zeichen stehen also auf Wachstum - mal sehen, ob dann die Messe an jedem Tag so überfüllt sein wird wie am Sonnabend bisher, und wie sich die Preise sowohl für Aussteller als auch Besucher entwickeln werden. Laut Golem.de sollen Messestände in Köln für bisherige Aussteller zu "ähnlichen Konditionen" wie in Leipzig verfügbar sein.

Montag, 4. Februar 2008

Cloverfield

Im Jahr 1998 brachte Roland Emmerich seinen Godzilla-Film in die Kinos und verprellte damit die Fans von Japans populärstem Riesenmonster. Zwar waren die Spezialeffekte beeindruckend, aber wie jüngst Michael Bay nicht viel mit den Transformers anzufangen wusste, so war Emmerich von der Riesenechse überfordert. Folglich zerstörten die US-Streitkräfte im Abwehrkampf mehr von New York als Godzilla selbst, der schließlich gar einen Großteil des Films verschwand und seinem von Jurassic Parks Raptoren inspirierten Nachwuchs die Leinwand überließ (ein gegnerisches Monster gab's natürlich nicht).

Zehn Jahre später taucht nun Cloverfield auf: Wieder entsteigt ein gigantisches Monster dem Meer und macht New York platt, während die Army - "egal was es ist, es gewinnt" - aus allen Rohren feuert und sich auch noch mit flinken Miniausgaben des Untiers herumplagen muss. Mitten im Chaos und der Massenpanik hockt eine kleine Clique hipper Twens, die den ganzen Schlamassel auf Video festhält, während sie sich durch die stark lädierte NYC den Weg zu einer verletzten Freundin bahnen.

Neben dem Monster, dessen Herkunft gar nicht erst erklärt wird, stellt die Optik die zweite Besonderheit Cloverfields dar: Der Film soll wie das legendäre Blair Witch Project (1999) ein authentisches Homemovie darstellen, wodurch das Geschehen natürlich stark subjektiviert, aber auch unmittelbar intensiv gerät. Und wackeliger, denn der Hobbyfilmer ist eine ziemliche Niete, hält die Kamera selbst in ruhigen Minuten schief oder schwenkt genau dahin, wo nichts passiert (damit der Auftritt des Monsters dramaturgisch hinausgezögert wird).

Auch wenn das Bild also nicht selten extrem wackelt, hatte zumindest ich keine Probleme mit Kopfschmerzen. Es ärgerte mich mehr, dass dieser Homevideo-Kniff nicht wirklich nötig war, da man auch mit "objektiver" Kamera nah an den Protagonisten hätte bleiben können.
Außerdem wären dann mehr Monsterszenen drin gewesen, schließlich sind menschliche Schicksale zwar auch packend, aber man möchte doch in solch einem Film ausführlich sehen, wie das Ungetüm wütet, zumal es interessant gestaltet ist (eher außerirdisch) und die Spezialeffekte meist hervorragend gelungen sind. Die Zerstörung, die das Viech und die Army mit ihrem Dauerbombardement in der Stadt verursachen, ist wirklich enorm, nur bekommt der Zuschauer eben oft nur die Ruinen oder ferne Explosionen zu sehen oder zu hören. Hinzukommt die sehr kurze Laufzeit von effektiv 80 Minuten, wovon zu Beginn eine Menge für einen Partyprolog draufgeht.

Um den Film fand wohl eine große virale Marketingkampagne statt, von der ich als Modembenutzer nichts mitbekam. Dafür kann man auffälliges Nokia-Product-Placement im Film bewundern und es sollen so manche, von mir übersehene, versteckte Andeutungen vorkommen. Produzent ist J.J. Abrams, verantwortlich für die außergewöhnliche TV-Serie Lost und demnächst Star Trek XI.
Alles in allem ist Cloverfield ein simpler, aber packender und krawalliger Monsterfilm (dafür allein schon fast 4/5 :-), der jedoch ohne Blair Witch-Stil meines Erachtes mindestens ebenso gut funktioniert hätte. "Clover" vs. Godzilla - ich wäre dabei! [3/5]

Cloverfield
USA 2008 | IMDb | OFDb
Regie: Matt Reeves
Buch:: Drew Goddard
Darsteller: Michael Stahl-David, Odette Yustman, Mike Vogel, Lizzy Caplan, Jessica Lucas u.a.

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