Mittwoch, 9. April 2008

Drei Meldungen [Update II]

1. Heise online meldet, dass der "Weg frei für Auskunftsanspruch gegen Internetprovider bei Urheberrechtsverletzungen" sei:
«Kern des Vorhabens ist es, einen Auskunftsanspruch gegen an Rechtsverletzungen unbeteiligte Dritte wie Internetprovider zu schaffen. Damit soll es einfacher werden, die Identität von möglichen Rechtsverletzern etwa in Tauschbörsen aufzudecken. Über die entsprechende Herausgabe von hinter einer IP-Adresse stehenden Nutzerdaten muss gemäß dem Entwurf ein Richter entscheiden. Gegen diese Auflage hatten Musik- und Filmindustrie sowie der Börsenverein des Deutschen Buchhandels bei einer parlamentarischen Anhörung protestiert.» (Hervorhebung von mir)
Gulli bringt es auf den Punkt: "Bundestag schafft Freiwild für die Content-Industrie. [...] Im Gesamten betrachtet, ein Meisterwerk der Lobby."

Update: Wie erwartet wurde am 11.04. der Gesetzentwurf zur "Verbesserung der Durchsetzung von Rechten des geistigen Eigentums" vom Bundestag beschlossen (Pressemitteilung mit anschaulichen Beispielen); wenn der Bundesrat demnächst zustimmt, kann das Gesetzt bereits im Sommer diesen Jahres in Kraft treten. Neben dem Richtervorbehalt bei IP-Auskünften wurde immerhin eine Deckelung der Abmahngebühren beim ersten Urheberverstoß auf 100 Euro festgelegt. Es scheint aber einige schwammige Formulierungen zu geben, heise online und Golem.de bieten ausführliche Übersichten zum Gesetzesinhalt und zu Politikeraussagen.

Update II: Golem.de berichtet am 30.04. über ein thematisch verwandtes Urteil des Landgerichts Offenburg, welches faktisch den nötigen Gerichtsbeschluss bei Herausgabe von Providerdaten an Staatsanwaltschaft und Polizei negiert. 3DCenter kommentiert:
«Da die staatlichen Ermittler aber in typischen Filesharing-Fällen die IP-Adresse schließlich schon in der Hand haben und dafür dann "nur" noch den Kundenamen wollen, handelt es sich hier um einen Zugriff auf Bestandsdaten - und die sind wie gesagt mit der neuen Gesetzeslage nicht besonders geschützt. In der Summe gibt es somit einen Richtervorbehalt bei staatlicher Anforderung von Personendaten zu einer IP-Adresse nicht mehr. Technisch hat das Gericht hier sicherlich absolut recht, der Fehler ist anscheinend bei der Gesetzgebung passiert - wenn das ganze nicht womöglich sogar Absicht war. In jedem Fall konterkariert nun aber der aktuelle Gesetzestext die eigentliche Zielsetzung des Gesetzes in Datenschutzfragen, wonach zu Zeiten der Gesetzgebung ganz klar die Rede von einem Richtervorbehalt in solchen Fällen war.»
2. Spiegel Online berichtet von einer möglichen Abschaffung der Synchronisierung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, was aber in meinen Ohren nicht besonders plausibel klingt:
«Wenn es nach dem Willen des Europaparlaments geht, sollen Fernsehfilme in Deutschland bald im Original und mit Untertiteln gezeigt werden. Selbst die "Tagesschau" wäre betroffen.»
3. Damit hätte wohl keiner gerechnet! Wie Golem.de ausführt, wird die "Wertgrenze für zollfreie Warensendungen deutlich erhöht":
«Einkäufe in Onlineshops von Ländern außerhalb der EU dürften ab Ende 2008 einfacher werden. Das Bundesfinanzministerium weist auf eine Anhebung der Wertobergrenze für zollfreie Kleinsendungen von 22,- auf 150,- Euro hin.»

Samstag, 5. April 2008

arte Trash II

Es ist schon interesssant, was arte alles in seine "Trash"-Rubrik reinpackt. Anfangs noch unsägliche Russ-Meyer-Langweiler und merkwürdige Japanstreifen wie Sachiko Hanai. Auch George Romeros 1985er Klassiker Zombie 2, besser bekannt als Day of the Dead, lief im Oktober letzten Jahres in einer anscheinend eigenen Schnittfassung, trotzdem leider enorm gekürzt. Und Christoph Schlingensiefs experimentelle Egomania von 1986 mit Udo Kier und Tilda Swinton war derart sperrig, dass ich nur die ersten paar Minuten durchgehalten habe.

Gestern Nacht wurde Ein Loch in meinem Herzen von Lukas Moodysson gesendet, der mit Raus aus Åmål und dem trostlosen Lilja 4-ever Stammgast in den dritten Programmen ist. Ich wage zu bezweifeln, dass dies auch Loch in meinem Herzen zuteil wird, denn dazu ist das in seiner DV-Optik dokumentarisch anmutende Kammerspiel samt teils elliptischer Montage sicher zu schroff. Arte umreißt den Inhalt wie folgt:
«Während der versoffene Vater mit Kumpel Geko und der jungen Tess Amateur-Pornos dreht, verbarrikadiert sich Sohn Eric in seinem Zimmer, um sich seiner Würmerzucht zu widmen. Gewalt, sexuelle Enthemmung und emotionale Isolierung prägen das Zusammenleben dieser ungewöhnlichen Wohngemeinschaft und führen schließlich zum Eklat.»
Dem ist auch kaum etwas hinzuzufügen, wobei ich den "Eklat" bzw. das Filmende nicht mitbekam - ich zappte nämlich regelmäßig desinteressiert weg, da mir das Spektakel manchmal zu derb inszeniert war. Heiko Hanel meinte in der Splatting Image 61 (März 2005):
«Eine kommerzielle Auswertung dieses Statements zum Stand der Dinge in Ländern, wo Menschen keine größeren Sorgen haben, ist kaum vorstellbar. Nicht wegen Sex und Gewalt, sondern weil die Charaktere so unerträglich sind. Eine großartige Leistung der vier Schauspieler. Ein großer Film.»

Mittwoch, 2. April 2008

Another World (RetroZock)

Wenn man in einem Spiel bereits in den ersten beiden Szenen nach wenigen Sekunden ohne eigenes Zutun stirbt, sollte klar sein: Ein aktuelles Game liegt kaum vor. In der Tat geht es hier um den über 16 Jahre alten Action-Adventure-Klassiker Another World, in dem es den Juniorprofessor Lester Knight Chaykin nach einem Blitzeinschlag in eine unbekannte Welt verschlägt. Hätte der smarte Bursche in Shirt und Sneakern wohl besser nicht mit seinem Ferrari dem Hochsicherheitslabor einen Besuch abstatten sollen, um nachts den Partikelbeschleuniger zu testen...

Another World, in den USA dumpfer Out of this World, stammt aus der Zeit, als ein Mann alleine noch ein ganzes Spiel erschaffen konnte. Design, Grafik, Programmierung und selbst die Covergestaltung gingen auf das Konto des Franzosen Éric Chahi, nur bei Musik und Soundeffekten wurde er von Jean-François Freitas unterstützt.
Man muss jedoch deutlich sagen, dass Another World selbst nach heutigen Maßstäben kein besonders umfangreiches Spiel ist; die ursprüngliche Amiga-Fassung von Ende 1991 war sogar noch kürzer als die späteren Umsetzungen und die vorliegende 15th Anniversary Edition mit ihren ungefähr sieben thematischen Abschnitten. Ich habe leider die Spielzeit nicht genau verfolgt, ein geübter Spieler wird das Ende aber wohl nach weniger als einer Stunde sehen können!

Und Übung ist bei Another World sehr wichtig, denn frühe Computerspiele waren noch gegen den Spieler, so auch Éric Chahis Werk. Man kann viele Situationen beim ersten Mal gar nicht überleben und muss sich via "Trial and Error" vorkämpfen, was bedeutet: Tödliche Gefahr lokalisieren (= sterben) und dann Gegenmaßnahmen erkennen und einleiten, was wiederum mehrfaches Sterben bedeutet, da kaum ein einzelner Versuch ausreicht.
Die Gefahren treten dabei nicht nur als überraschend auftauchende Gegner in Erscheinung, sondern ebenso als lebensfeindliche Umgebungen voller Abgründe, Sackgassen und Fallen. Da Another World ein Action-Adventure ist, muss oft erst herausgefunden werden, wie und in welcher Reihenfolge bestimmte Hindernisse zu überwinden sind. Ganz selten gibt es sogar kleinere Freiheiten, aber grundsätzlich verläuft das Spiel linear. Ein paar Szenen können ziemlich frusten, zum Glück bietet die 15th Anniversary Edition großzügig verteilte Checkpunkte, an denen automatisch gespeichert wird; die Amiga-Version bot wohl nur 15 Punkte, jetzt sind es über 30 Stück.

Obwohl die Steuerung nur vier Richtungstasten und einen "Feuerknopf" benötigt und mit Gehen, Rennen, Springen - zum Glück optional per separater Taste - und Schießen (normaler und starker Schuss sowie Energieschild) nur das Nötigste offeriert, gibt es viele "kontextsensitive" Stellen, an denen Lester einzigartige Aktionen vollführt. So rettet er sich vor einer schwarzen Bestie durch den akrobatischen Einsatz einer Liane oder hangelt an Stalaktiten entlang.

Berühmt ist Another World wegen seiner cineastischen Inszenierung: Regelmäßig gibt es kurze Filmszenen in Spielgrafik, beispielsweise wenn Lester gerade wieder von einem außerirdischen Wurm totgestochen wurde, oder im Vorder- und Hintergrund passiert irgend etwas. Außerdem existieren keinerlei Bildschirmanzeigen, da man eh nach einem Treffer verreckt und außer einer Laserpistole nichts besitzt. Nach dem kurzen Intro kommt keinerlei Text oder Sprache mehr vor, die Aliens brabbeln wenn überhaupt nur Unverständliches.
Eine ausgeprägte Geschichte wird in Another World aber auch gar nicht erzählt, Lester muss schlicht in der fremden, von Sklaverei und Militarismus geprägten Welt überleben und später mit einem außerirdischen Häftling fliehen, der dann bei allein unüberwindbaren Hindernissen Lester selbstständig hilft. Es ist beeindruckend, wie die niedergehende Welt ohne weitergehende Erklärungen einzig durch das Spielgeschehen und die Grafik charakterisiert wird.
Während die von Blautönen dominierten Hintergründe der einzelnen Bildschirme aus gezeichneten Bitmaps bestehen, sind die Spielobjekte aus Polygonen zusammengesetzt. Dadurch bieten sie zwar kaum Details, aber eine ganz eigene Ausstrahlungskraft - und sind für damalige Verhältnisse hervorragend animiert.

In der 15th Anniversary Edition lassen sich zudem technische Verbesserungen aktivieren: Puristen spielen mit originalen Polygonmodellen (Auflösung von 320 x 200) und groben 16-Farben-Hintergründen, aber man kann sowohl hoch aufgelöste Objekte als auch von Éric Chahi verbesserte Hintergründe benutzen. Ich wählte die schickeren Backgrounds sowie den ebenfalls verfügbaren "überarbeiteten Sound", verzichtete jedoch auf die hohe Auflösung, da es mir dann zu sehr nach Flash aussah.
Im Fenstermodus lief Another World ruckelig, ich habe mit überwiegend flüssigem Vollbild gespielt (1024 x 768; laut Packungstext bis zu 2048 x 1536 möglich). Anstatt der Tastatur kam mein RumblePad 2 zum problemlosen Einsatz (abgesehen davon, dass dessen Steuerkreuz schwammig ist). Für wahre Profis ist die hohe Spielgeschwindigkeit gedacht, aber damit dürften spätere Schießereien, die den exakten Einsatz von Schild und schildbrechendem starken Schuss verlangen, ziemlich unschaffbar sein.

Online ist die Neuauflage für unter 10 € erhältlich, die deutsche CD-Version kostet 14,99 €; zugeschlagen habe ich, weil das Spiel für 5,99 € im Saturn verramscht wurde. Neben Werbung gibt es einiges an Bonusmaterial:
Ein dünnes Booklet, ein knapp 18minütiges, französisches WMV-Video mit deutschen Untertiteln, in dem Chahi, Freitas und andere zurückblicken und interessante Anekdoten erzählen, zwei PDF-"Entwicklertagebücher" mit Fotos von Chahis Programmcode und kommentierten Designskizzen sowie die Amiga-Version des Spiels im ADF-Format! Um sich nicht die Überraschung zu verderben, sollten die PDFs und das Video erst nach dem Durchspielen begutachtet werden. Dort wird z.B. enthüllt, dass der sich aufladende starke Schuss vom "Kamehame-Ha" inspiriert wurde; in Deutschland erschien Akira Toriyamas Dragon Ball erst ab 1997, da sieht man die Unterschiede zu Frankreich in der Comickultur.
Außerdem liegt eine Audio-CD mit dem überarbeiteten Soundtrack von Jean-François Freitas bei; die Musik ist atmosphärisch, jedoch sind die 13 Lieder meist deutlich kürzer als zwei Minuten.

Zusammen mit Flashback (1992) war Another World das bekannteste Spiel des französischen Herstellers Delphine Software, der 2004 dichtmachte. Während Flashback mit Fade to Back 1995 einen eher mäßigen Nachfolger in 3D bekam, gab es zu Another World 1994 mit unveränderter Technik Heart of the Alien (nur für Segas Mega-CD), in dessen Entwicklung Éric Chahi aber nicht mehr involviert war. Er arbeitete bereits mit seinem neuen Team Amazing Studio an Heart of Darkness, welches jedoch nach endlosen Verzögerungen erst 1998 erschien - und als 2D-Action-Adventure zu der Zeit nur noch wenig Anhänger fand. Es sollte Amazing Studios einziges Spiel bleiben und Chahis Ausstieg aus der Spielebranche markieren.

Another World ist ein schönes Spiel mit gelungener Atmosphäre, welches seine leider überraschend kurze Spielzeit durch einen hohen Schwierigkeitsgrad verdeckt. "Jetzt aber zurück zu Another Earth."

PS: Im Making-of-Video wird untertitelt: "Auch 'Another Earth' wurden nicht vergessen, es gibt sie noch und sie ist immer noch Teil der geheimnisvollen Aura dieses Klassikers." Bezieht sich das nur auf obigen Schlusssatz, in dem unsere Erde aus Sicht der anderen Welt als "Another Earth" bezeichnet wird, oder gibt es vielleicht geheime Abschnitte oder Easter Eggs?

Another World: 15th Anniversary Edition (PC)
Frogster/ElektroGames/Éric Chahi 2006 | MobyGames | OGDb
Programmierung, Grafiken und Originaldesign: Éric Chahi
Musik und Soundeffekte: Jean-François Freitas
Update: Kleinere Berichtigungen

Bakschisch: OOXML wird ISO-Standard [Update II]

Wie heise online aufgrund der offiziellen ISO-Pressemitteilung meldet, wird Microsofts neues Dokumentenformat "Office Open XML", kurz OOXML, zum ISO-Standard erhoben - neben dem "Open Document Format" (ODF), das bereits 2006 von der ISO standardisiert wurde! Wer braucht bitte zwei Formate?! Ein wenig dämpft Heise Microsofts Jubel, trotzdem ist das Lobbyziel erreicht:
«Ein Großteil der Arbeit steht für Microsoft aber noch aus. So haben 36 Länder und Standardisierungsorganisationen ihrem abschließenden Votum bei der ISO-Endrunde zur OOXML-Standardisierung erneut umfangreiche technische Kommentare hinzugefügt, die von Microsoft noch zu berücksichtigen sind. Der Konzern wird nicht umhinkommen, für die voraussichtliche erste Implementierung des "neuen" OOXML das bisherige Office-Standardspeicherformat gründlich umzubauen.»
Bemerkenswert sind die zahlreichen Unregelmäßigkeiten im Abstimmungsverfahren, die eine massive Einflussnahme Microsofts auf die stimmberechtigten Länder nahelegen. Die Kampagnenseite NoOOXML ist entsprechend wütend über das Ergebnis und listet die vielen Merkwürdigkeiten auf, Groklaw geht auf das Abstimmungsgemauschel einiger Länder noch ausführlicher ein, z.B. jüngst Deutschland (!), Kroatien und die Philippinen. Besonders lächerlich sind diese Wahlmodalitäten! Bei Groklaw findet sich auch eine umfassende Materialsammlung zum Thema, u.a. eine Chonologie. In Norwegen wurde gar formaler Protest gegen die Ja-Stimme des skandinavischen Landes eingelegt.

Microsoft Money, Money, Money...

Update: Die ISO scheint nun gemerkt zu haben, dass zwei Standards für dieselbe Sache zu haben nicht so prall ist, weswegen auf lange Sicht ODF und OOXML "harmonisiert" werden sollen, wie heise online meldet. Dazu werden erst einmal ordentlich Arbeitsgruppen gegründet - durch die ganze Organisation steigt eigentlich kaum einer mehr durch (siehe hier und hier für Kommentare zu den ISO-Plänen).
Die c't 9/08 fasst die bisherigen Ereignisse zusammen und bilanziert pragmatisch:
«Nach wie vor hat man bei Bürosuiten die Wahl zwischen Anwendungen, die auf das unvollständig spezifizierte ODF setzen, und auf der anderen Seite Microsoft Office für Windows, das momentan und wohl auf absehbare Zeit als einziges Produkt OOXML und per Add-ins auch ODF unterstützt. Für die Interoperabilität zwischen den Suiten verschiedener Anbieter dürfte die angesehene ISO-Anerkennung von OOXML also ohne Auswirkungen bleiben, abgesehen von absehbaren Patches für Microsoft Office 2007 sowie die Compatibility Packs zu dessen Vorgängerversionen. Außer Spesen nichts gewesen.»
Update II: Wie heise online am 30. Mai meldet, haben nach Südafrika nun auch Brasilien und Indien Einspruch gegen die ISO-Zertifzierung von OOXML eingelegt - das erste Mail, dass dies im ISO-Gremium für Dokumentenformate passierte...

Freitag, 28. März 2008

TV-Umschau

Zynisch

Am 20. März lief in der ARD das Magazin Kontraste mit einem Beitrag von Alexander Kobylinski und Caroline Walter über das Equipment der Bundeswehr: "Gefahr für deutsche Soldaten - Bundeswehr in Afghanistan unzureichend ausgestattet".

Bekanntlich mahlen die Mühlen der deutschen Bürokratie oft eher träge und Armeeausrüstung ist zudem immer kostenintensiv - wie sprach unser Leutnant "L.T. Cash" während meines Grundwehrdienstes sinngemäß: Sobald etwas grün ist, wird's doppelt so teuer.
Wenn nun aber Menschenleben bedroht sind und die Soldaten am Hindukusch sich beklagen, sollten doch alle Hebel in Bewegung gesetzt werden. Der Vizepräsident des Bundesamts für Wehrtechnik und Beschaffung (BWB) Harald Stein sieht da aber wohl nur eine Wahrnehmungsstörung der Staatsbürger in Uniform und bemerkt zynisch zu den Ausrüstungsmängeln:
«Das mag vielleicht aus Sicht unserer Soldaten im Einsatz so aussehen. Ich gehe davon aus, dass unseren Soldaten nicht die Komplexität des Vorganges in toto bewusst ist.»
Kontraste kommentiert passend: "Eine Haltung, die man sich nur in der sicheren Amtsstube leisten kann." Und wie bereits lange beabsichtigt, sollen die Ausschreibungen zur Privatisierung der Bundeswehrlogistik nun im Sommer 2008 anlaufen.

Üblich

Gestern ging es bei Maybrit Illner um folgende Frage: Was läuft schief bei der "Jugend von heute"? Die markante Headline "Glotzen statt klotzen" gab dann zusammen mit den Gästen - Ursula von der Leyen, Jens Lehmann, Markus Kavka, MyVideo.de -Sternchen Mina und Psychiater Manfred Spitzer - die Richtung der Sendung vor: Ältere Generation lästert, klagt und wundert sich über jüngere Generation.

Sebastian Wieschowski resümiert bei Spiegel Online sehr treffend:
«Obwohl es die selbsternannten Vorbilder geschafft haben, so ziemlich jede Gelegenheit zum themenfernen Gefasel zu nutzen, gebührt der Talkrunde großer Respekt. [...] Sie haben es geschafft, sechzig Minuten praktisch nichts zur Sache zu sagen und trotzdem eindrucksvoll bewiesen, wo das Kernproblem der Jugend-von-heute-Debatte liegt: In der fehlenden Diskussionskultur, im mangelnden Dialog zwischen Jung und Alt, der sich viel zu oberflächlich und alles andere als verständnisvoll gestaltet.»
Zurück

ProSieben setzt Doctor Who am 13. April um 17:00 fort, nachdem die trashige, aber unterhaltsame SF-Serie nach nur sechs Folgen vor einigen Wochen aus dem Programm gekippt wurde.

Bereits am 7. April startet die zweite Staffel der ebenfalls britischen und auch trashigen, aber unterhaltsamen Serie Primeval um 20:15 und ersetzt damit das unsägliche Supernatural (Akte X-Monsterjagd für Dumme).

Die von ProSieben mittendrin unterbrochene US-Endzeit-Soap Jericho wurde vor längerer Zeit nach Fanprotesten in den Staaten um eine zweite Kurzstaffel verlängert, kürzlich aber von CBS endgültig abgesetzt. Wann ProSieben diese sowie die noch ungesendeten acht Folgen der ersten Staffel ins Fernsehen bringt, ist unklar.

Mysteriös

Und wo wir gerade beim "Mystery Monday" sind: Um 21:15 läuft momentan die US-Serie Eureka von 2006, die in der untertitelgebenden "geheimen Stadt" spielt. Eureka ist zufällig die bedeutendste Wissenschaftsenklave der USA, weswegen sich der Protagonist und frisch ernannte Sheriff Jack Carter (Colin Ferguson) wöchentlich mit fehlgeschlagenen Experimenten und Erfindungen herumärgern darf.
Das alles wird recht sympathisch und amüsant erzählt, dabei aber nicht zu unernst. Und beinahe alle Darsteller hatten schon Neben- oder gar Hauptrollen in anderen Genreserien, z.B. der alt gewordene Matt Frewer (Max Headroom, PSI Factor) oder die gesichtsgestraffte Debrah Farentino (Earth 2).

Danach kommt noch die kurzlebige Serie Threshold von 2005, bei uns unter dem nichtssagenden Titel Nemesis - Der Angriff. In Amerika wurden nur neun der dreizehn Episoden gesendet, trotzdem hatte ProSieben es als "US-Serienhit" angekündigt. Durch Kontakt mit einem fremdartigen Alienschiff verändert sich die DNS der Opfer, die daraufhin weitere Menschen zu infizieren suchen. Die US-Regierung stellt ein geheimes Team aus spleenigen Experten unter der Leitung von Molly Caffrey (Carla Gugino) zusammen, welches der unbekannten Bedrohung entgegentritt.
Und außer dieser Gruppe von mehr oder weniger freiwilligen Helfern (u.a. Brent "Data" Spiner) ist an Nemesis nichts interessant. Eine wenig überraschende Invasionsserie, die auch dauernd auf einem dämlichen Fraktalmuster herumreitet, welches sich je nachdem aus Blut, Käfern und anderem Krams bildet. Wie unheimlich...

Donnerstag, 6. März 2008

Es lebt (wieder): gamesTM

Im späten September 2003 erschien die deutsche Ausgabe der gamesTM (bzw. "games™") als lizensierte Übersetzung des englischen Originals. Jedoch fehlten dem Pro Verlag offensichtlich die Geldmittel und dann auch der Verkaufserfolg, weswegen nach inhaltlichem Niedergang mit der vierten Ausgabe im März 2004 Schluss war. Vier Jahre später wagt nun die Airmotion GmbH (360 Live) einen weiteren Versuch und bringt die gamesTM erneut nach Deutschland! Meines Wissens ein einzigartiger Vorgang unter den Spielemagazinen, denn zwar gab es z.B. mehrere Publikationen mit "PowerPlay" im Titel und auch die GamePro existierte schon einmal vor der aktuellen IDG-Ausgabe, aber dies waren alles völlig unterschiedliche Zeitschriften.

Nun also gamesTM reloaded: Layout und thematische Ausrichtung werden wieder aus England übernommen, aber die allermeisten Texte sollen von einer durchaus namhaften deutschen Redaktion stammen; Branchenurgestein Richard Löwenstein ist beispielsweise Chefredakteur, fünf weitere Mitarbeiter grinsen auf stilisierten Schwarzweißfotos dem geneigten Leser im Editorial entgegen. "gamesTM soll die Leidenschaft widerspiegeln, die Gamer antreibt" steht da, doch werfen wir zuerst einmal einen Blick auf den Heftumschlag.

Cover

"Das unabhängige Multiformat-Magazin" in den eher ungewöhnlichen, bereits von der ersten deutschen Fassung bekannten Abmessungen 21 x 27,5 cm bietet eine aufgeräumte Covergestaltung. Ein einzelnes grafisches Motiv - wenn auch wenig außergewöhnlich (Vegas 2-Soldaten) -, ansonsten ein paar maßvolle Texte, die jedoch teils etwas reißerisch formuliert sind. Und zweimal das Auslassungsapostroph auf dem Cover muss doch auch nicht sein: "Jetzt wird's dreckig" (Sex in Games) und "Gibt's bald gar keine Actionspiele mehr?" (Vegas 2); leider sind fünf von sieben angepriesenen Themen Vorschauen. Am unteren Rand werden noch eine Menge behandelter Spiele aufgeführt, aber derart klein und unscheinbar, dass man dies auch weglassen könnte. Als Startnummer trägt die erste gamesTM leider eine "04" (im März...), dafür offenbart der Heftrücken nette Details: Ein kleiner Mario, der Spruch "Je komplexer der Geist, desto Größer das Verlangen, zu spielen" (letztes Komma überflüssig :-) sowie scheinbar der erste Teil eine Schriftzuges oder einer Grafik ("gamesTM" kann's nicht werden).
Außen also insgesamt alles im Lot und der reduzierteren GEE ähnlich; wenn man die beiden Magazine neben die aktuelle GamePro legt, sieht man den Unterschied zu Ungunsten des IDG-Heftes sofort.

Preislich ist die monatlich erscheinende gamesTM mit 3,80 € eher günstig, es gibt aber auch keine DVD. Mit 96 Seiten entspricht sie den aktuelle Konsolenheften und auch der alten, ganze 5,90 € teuren gamesTM. Ein Umfang von über 170 Seiten wie beim englischen Original bleibt wohl auf ewig Utopie, die kostet mittlerweile jedoch schon 4,50 £. Mit knapp vier Euro rückt die neue gamesTM zudem auch vom Preis her in die Nähe der GEE, die momentan für 3,90 € zu haben ist.

Die Grundvoraussetzungen für einen Erfolg scheinen also nicht schlecht, zumal die gamesTM mit einer Startauflage von 60.000 Exemplaren gut erhältlich sein sollte; in meinem kleinen Zeitungsladen lagen vier Hefte im Regal inklusive eines reißerischen Inlays, welches das kleine Format ausgleichen soll ("Die besten Games. Im besten Magazin. Dieses Heft kann vor Fehlgaming schützen"...). Schauen wir einmal hinein ins Heft... ah, eine genügsame Klebebindung und Hochglanzpapier, schön.

Layout

Das Layout des Heftes ist sehr angenehm, sowohl farblich als auch von der Seitenaufteilung. Farbenfroher als die GEE, aber immer noch sehr elegant und gelungen. Es gibt sechs Oberrubriken: "Vorschau", "Test", "Aktuell" (News), "Features" (Reportagen), "Retro" und übrige Rubriken. Innerhalb der Rubriken gibt es kleinere Unterschiede im Layout, so taucht im gelb dominierten "Aktuell"-Teil der Pfeil aus einem alten GEE-Layout auf und Textanfänge sind initialisiert (Berichte) oder kapitalisiert (Kurzmeldungen); in der alten gamesTM waren die News übrigens noch arg chaotisch aufgebaut. Bei Features, Pre- und Reviews gibt es fett gedruckte Einleitungssätze ,während der Retrobereich als eine Art Heft im Heft fungiert. Hier ist das Layout etwas, äh, verspielter im Sinne der 1980er, aber zum Glück nicht derart unübersichtlich und hässlich wie noch in der alten gamesTM, hält sich außerdem auch an den vorhergehenden Stil.
Die Schriftarten sind teils sehr klein, wodurch aber auch eine Menge Text auf eine Seite passt. Zwar sind die Fonts gut lesbar, aber ein wenig mehr Schriftstärke im Fließtext wäre nicht unangenehm. Leider wird inflationär der Bindestrich benutzt und fast jede Wortzusammensetzung damit getrennt; PlayStation wird "Playstation" geschrieben, Spieltitel werden im Text nur durch Anführungsstriche hervorgehoben, während der Magazinname fett gedruckt ist. Die Platzverschwendung durch großzügige Weiß- und Leerflächen hält sich noch in Grenzen, die breiten Kopf- und Fußzeilen bleiben aber leider oft ungenutzt. Schönstes mir bekannte Spieleheft.

Inhalt

Die Newsrubrik "Aktuell" ist mit knapp sechs Seiten recht großzügig, enthält aber auch kaum kurze, sondern längere Meldungen, z.B. jeweils knapp zwei Seiten zur GDC 2008 und zum "Money-Shooter" Kwari. Warum letzterer jedoch (recht unkritisch) an dieser Stelle behandelt wird und nicht weiter hinten im eSports-Bereich, wurde mir nicht klar. Überflüssig ist "Game on", in der Branchenvertreter sagen was sie spielen - der Ubisoft-Mann spielt natürlich Ubisoft-Spiele. Da war das "belanglose Geplänkel aus der Industrie" in der alten gamesTM besser! Und dass das Schwestermagazin 360 Live, "laut Meinung der Redaktion das lesenswerteste Fachblatt für Besitzer der Microsoft-Konsole", unter "Außerdem empfehlenswert..." vorgestellt wird, muss auch nicht sein (auch wenn das Magazin vielleicht sehr gut ist - ich habe keine Xbox 360 und kenne es daher nicht). Die Meldungen zum Umzug der Games Convention und zur neuen Jugendschutz-Gesetzesvorlage in der Kurznachrichtenrubrik "Der Monat" sind leider veraltet (Redaktionsschluss?), außerdem fehlen hier Hinweise auf die Verfasser.

Die USA-Rubrik aus der alten gamesTM gibt es nicht mehr, aber "Kongetsu" aus Japan auf nun nur noch einer Seite (dafür ohne JP-Charts) ist noch da. Kongetsu heißt übrigens "diesen Monat", zumindest wurde es so in der alten Ausgabe übersetzt. Im "Spielmacher" (früher "The Players") wird eine mehr oder meist eher weniger bekannte Persönlichkeit aus der Branche vorgestellt, wobei der jeweilige Arbeitgeber und ein aktuelles Spiel im Fokus stehen. Die "Community"-Rubrik, in der moderne Entwicklerstudios porträtiert wurden, gibt es in der neuen gamesTM nicht mehr.

Vorschauen

Mit Seite 20 sind die Vorschauen erreicht. Die Titelstory zu Rainbow Six: Vegas 2 bekommt vier Seiten spendiert und das Spiel wurde auf dem Cover als "Opfer der USK" skizziert. Die angekündigte "Analyse" ist aber eher ein normales Preview mit etwas USK-Dissing - da hätte man eine eigene Reportage daraus machen können. Die Standards der alten gamesTM sind wieder an Bord: kurzes Profil des Entwicklers, dessen Herkunftsland sowie frühere Spiele. Weggefallen ist leider die witzige "Videospiel-Mathematik", dafür wird das "Konzept" eines Spieles gesondert umrissen. Eine weitere und leider nicht gelungene weil unnötige Neuheit ist das "Hitpotenzial" am Ende einer Vorschau, welches mit maximal zehn Punkten angegeben wird. Dass nur ein einziges Spiel weniger als acht Punkte bekommt, verdeutlicht den Unsinn. Abschließend gibt es noch eine Doppelseite mit Kurzpreviews - über kurze Vorschauen werde ich mich nicht beschweren.
Der Schreibstil ist locker und flüssig; bemerkenswert: Das nerdig-faktenreiche Street Fighter IV-Preview vom Video Games-Prügelexperten Ralph Karels. Die neue gamesTM bietet elf "vollwertige" Previews auf 19 Seiten (20% Heftanteil), in der alten gamesTM 02 (die letzte gute Ausgabe damals) machte man für neun Vorschauen 14 Seiten frei (15%). Die GamePro 4/08 - ebenfalls 96 Seiten Umfang - walzt zwölf Titel auf gewaltigen 32 Seiten aus (33%!).

Features

Was ist in Spielemagazinen Mangelware? Reportagen - von guten recherchierten ganz zu schweigen. Abgesehen von GEE machen die Testzeitschriften um diese letzte Bastion der Printmedien zumeist einen großen Bogen. Edge und gamesTM nicht! "Jetzt wird's schmutzig", denn Seckin Özdundar und Sönke Siemens geben auf textreichen sechs Seiten einen aktuellen Einblick in Darstellung und Präsenz von Sex in Bildschirmspielen. Gut zu lesen, wenn auch etwas US-zentrisch. GEE 17 brachte Ende 2005 auf 14 Seiten (!) ein ähnliches, aber eher historisches und grafiklastigeres "Sex-Special".
Auf weiteren sechs Seiten berichtet Robert Bannert, mir noch als umstrittener Japan-RPG-Tester aus der MAN!AC bekannt, vom Lebenszyklus einer Konsole, grafisch schön aufgebereitet. Die Bezeichnung "NES Toaster" war mir aber neu...
Zwölf Seiten für Reportagen sind hervorragend, anderswo trifft man in den Umfangsbereichen schon mal "Mega-Previews". Die beiden Themen sind zwar nicht besonders innovativ, aber gut umgesetzt und durchaus publikumswirksam; in der alten gamesTM 02 fand sich übrigens nur ein Special zu Animationen.

Tests
«gamesTM wertet hart aber fair. Jedes getestete Spiel wird auf einer Skala von 1 bis 10 bewertet, Kommastellen erlauben feinere Abstufungen. Mittelmäßige Spiele, die einen gewissen spielerischen und technischen Mindeststandard erreichen, können mit einer Wertung im 5er-Bereich rechnen. [...]» (2008, S. 56)

«[...] Auf einer Skala von eins bis zehn ist fünf der Durchschnitt. Und durchschnittlich ist ein Spiel, das seinen Zweck erfüllt, ohne sich aus der breiten Masse von Games abzuheben. Wenn wir ein Spiel mit fünf bewerten, kann man trotzdem Spaß damit haben [...].» (gamesTM 02, 2003, S. 51)
Ob auch die englische gamesTM hier mittlerweile einknickte, weiß ich nicht, aber damals gab es eine einzige Wertung mit ganzen Punkten. Die neue gamesTM nutzt faktisch das 100%-System mit drei zusätzlichen, unabhängigen Einzelwertungen für Grafik, Sound und Steuerung, die immerhin nur mit vollen Punkten bedacht werden; jede Wertung wird durch ein paar Stichpunkte ergänzt, ab einer Gesamtwertung von 8,5 Punkten ein überflüssiger "Kauftipp" vergeben. Eine andere Philosophie als die GamePro'schen sieben Punkte für "solide Qualität ohne Stärken und Schwächen" sehe ich auch nicht: Drei von zehn Tests haben 7er Wertungen, alle anderen 8er. Im Schnitt liegen die Wertungen der von beiden Magazinen getesteten Videospiele bei gamesTM aber doch deutlich unter der GamePro, die aber auch für ihre Affinität zu hohen Prozentregionen bekannt ist. Und das auch mal abgewatscht wird, sieht man in den Kurztests: Wii Schach kassiert 3,1 von zehn Punkten (GP: "sehr empfehlenswert"), Odin Sphere 6,9 (GP: 87%)!
Dass es überhaupt Kurztests gibt, ist unschön, da dort nicht nur nachträgliche Umsetzungen, Download- und Freeware-Spiele (!) vorgestellt werden, sondern ebenso neue Vollpreistitel wie z.B. auch Frontlines (7,8). Elf kurze Zeilen im 1/8-Layout sind hierbei wenig hilfreich; bemerkenswert ist, dass ein Gratisspiel wie Free Rider 2 dort zwei Textspalten erhält. Generell scheinen die Tests beinahe "notwendiges Übel" zu sein: Zehn Titel, davon drei PC-Spiele, müssen mit zehn Seiten für vollwertige Testberichte auskommen, was leider auch die Existenz von vier halbseitigen "Tests" bedeutet (dann ohne Einzelwertungen).
Während also nur 10% des Platzes für Tests benutzt werden, gab es in der alten gamesTM niemals halbseitige Tests; in Ausgabe 02 wurden elf Spiele auf 20 Seiten getestet, die Mehrheit von sechs Stück auf je zwei Seiten (insg. 21% Heftanteil). GamePro 4/08 stellt 21 Titel auf 23 Seiten vor (24%). Damit folgt die neue gamesTM dem deutschen Leitbild, Previews mehr Platz einzuräumen als den eigentlichen Tests. Es muss aber beachtet werden, dass auch die alte gamesTM kein kompletter "Einkaufsführer" war und somit dieses Magazin in dem Bereich keine Konkurrenz zu GamePro oder MAN!AC darstellt - "die besten Games" eben nur.

Je nun, zu den Texten selbst: Wie schon die Previews sind sie flüssig geschrieben und vermitteln meist einen guten Eindruck vom Spielinhalt bei eher wenig Detailbeschreibungen; die Technik wird dabei erfreulicherweise - wenn überhaupt - mit eins, zwei Sätzen abgehandelt (das bedeutet aber auch keine PC-Hardware-Voraussetzungen oder ähnliche Fakten). Es sind eher "klassische" Tests, keine essayistischen New-Gaming-Journalism-Exkurse, wie sie die GEE (früher) aufwies. Meinungskästen gibt es nicht, dafür wie in der alten gamesTM den "Besser als, schlechter als"-Indikator, mal mit konkreten Spieltiteln, mal mit humorigen Notizen. Ach so, "Jimmy Knoxville" (S. 61) ist wohl falsch. Alles in allem zwar nicht die neue Offenbarung der Spielerezensionen, aber gut zu lesen - aber halt zu wenige, meist zu kurze Tests.

Retro

Auf Seite 71 beginnt der "Retro"-Teil als Heft im Heft, entstanden in Zusammenarbeit mit der britischen Retro Gamer, die auch mit einer (englischen) Anzeige vertreten ist. Eine nette Retrokolumne über Ataris Fehleintscheidungen (nicht das neueste Thema), auf vier Seiten wird - mal wieder - Mario in der "Hall of Fame" geehrt (zwei Seiten nur mit cooler Sprite-Genese im Querformat). Wesentlich interessanter sind da die vier Seiten über japanische PC-Spiele, "Doujin-Ka" genannt, natürlich mit Hinweis auf Kento Chos ABA Games sowie Cave Story. Auf erneut vier Seiten wird Entwicklerlegende Will Wright und sein Schaffen dargestellt, danach wird es "richtig" retro mit - Überraschung - vier Seite Making of Desert Strike. Abschließend findet der Leser noch einen "Retro Reloaded"-Überblick über aktuelle oder kommende Remakes von älteren Spielen.
Der unsäglich bunte Retrobereich der alten gamesTM stellte einzelne Spiele mehr in den Fokus, aber auch in der aktuellen Form und vor allem im Umfang ist die Rubrik einzigartig!

Der Rest und das Fazit

In Zusammenarbeit mit Giga Games offenbaren sich kurz vor Heftschluss noch zwei Seiten über eSports (Schwerpunkt: Doping), danach folgen die Leserbriefe, seltsamerweise auch von Giga präsentiert. Vor der Vorschau auf die nächste gamesTM am 2. April kommen dann nur noch zwei Seiten mit "Pflichtkäufen", die jeweils zehn Spiele pro Plattform enthalten und in Zukunft um Userwertungen ergänzt werden sollen (dann werden auch die sicher interessanten Redaktionswertungen angefügt); eine Spalte über Patches und Mods findet sich dort auch - es wird übrigens einmal Zeit, dass irgend jemand ein Special über Patches auf Konsolen macht!

Uff, jetzt ist dieser Beitrag wieder viel länger geworden als geplant... Aber wenn man gerade nichts zu tun hat :-). Wie auch immer, die neue gamesTM ist alles in allem gut gelungen. Die einzigartige Mischung zu fairen 3,80 € bei unter neun Seiten Werbung sollte niemanden vom Kauf abhalten! Eine eher lieblose Übersetzungsarbeit scheint es also nicht zu sein, zumindest wurde auch nur einmal ein "eingedeutscht von..." angegeben. Mich würde trotzdem interessieren, inwiefern Inhalte des UK-Originals verarbeitet wurde.
Auffällig ist, dass die neue gamesTM sich stärker am Mainstream orientiert: Das angepasste Wertungssystem wurde bereits erwähnt, weiterhin wurden die Retrobestandteile auf die entsprechende Rubrik beschränkt: In der alten gamesTM wurden im Besser-Schlechter-Indikator auch mal ältere Spiele angegeben, vor allem fanden sich aber mehrere Doppelseiten mit schönen Pixelscreenshots alter Games - das gibt's nicht mehr. Aber mehr Text ist sicher besser als Screenshots.

Etwas verwirrend noch die Situation bei den Redakteuren und Mitarbeitern: Von den im Editorial aufgeführten hat die einzige Frau Ann-Kristin Witter außer der Beantwortung eines Leserbriefes scheinbar nichts zum aktuellen Heft beigetragen, Moritz Wanke nur einen Test (bei den Kurznews, -vorschauen, -tests, der Zubehör- und Remake-Seite fehlen aber Verfassernamen). Der Großteil des Inhalts geht auf das Konto von Chefred Richard Löwenstein, Sönke Siemens, Nicholas Buracas und des "redaktionelle Mitarbeiters" Robert Bannert. Im Impressum wird Reinhard Fischer als Redakteur geführt, fehlt aber im Editorial, dann sind da noch vier weitere freie Mitarbeiter aufgezählt. Drei weitere im Heft erscheinende Personen werden gar nicht im Impressum erwähnt. Konfus, konfus.

Egal, gebt der neuen gamesTM eine Chance!

PS: Die neue gamesTM kommt auch im Magaziniac.Blog gut weg! Evil führte Anfang Januar auch ein Interview mit Richard Löwenstein.
Update: Kleinere Ergänzungen

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