POLYGONaler Jahresabschluss 2012



Das Jahr 2012 ist vorbei und wir sind von den Geschehnisse aus Roland Emmerichs gleichnamigem Schrottfilm verschont geblieben. Also Zeit für die Tradition des multimedialen Jahresrückblicks. Für den POLYGON dürfen bis zu zehn vornehmlich 2012er Spiele genannt werden, die im letzten Jahr "unterhalten, geprägt, interessiert oder von der Arbeit abgehalten haben". Wie so oft sind das bei mir gar nicht so viele aktuelle Titel und außerdem habe ich - zumindest hier im Blog - sehr wenig darüber verfasst... Meine Übersicht über diverse Spiel-des-Jahres-Listen findet sich übrigens hier. Nun also alphabetisch mir wichtige Spiele des zurückliegenden Jahres in alphabetischer Reihenfolge. Abschließend folgen dann noch Serien-, Film- und Musikrückblicke meinerseits.

Spiele 2012

DayZ (PC 2012+): Zombiespiele gibt es mittlerweile unüberschaubar viele und DayZ war bloß eine Modifikation in technisch durchwachsenem Zustand für die ebenso unzugängliche Militärsimulation ArmA II. Der simple, aber geniale Kniff: Nicht unbedingt die Zombies stellen die größte Gefahr dar, sondern die anderen Online-Spieler in dem riesigen Ostblockland. Nebenbei muss man noch essen, trinken und gesund bleiben, während das unkomfortable Interface den Überlebenskampf vor dem Bildschirm spürbar werden lässt. Und der Tod bedeutet schlicht den kompletten Neuanfang. Psychologie und Geografie zeichnen DayZ aus: Der innere Widerstreit zwischen Vertrauen und Misstrauen Fremden gegenüber, Philanthropismus versus Utilitarismus. Außerdem der oft lange Leerlauf im trostlosen und weiträumigen Staat Chernarus - aber niemals unwachsam werden! Als ich ins Spiel einstieg, kippte leider bald die allgemeine Grundhaltung der Spielerschaft ins Paranoide und fast immer wurde auf Unbekannte sofort geschossen. Später kamen Hackerangriffe dazu, da ließ ich DayZ dann liegen, aber warte auf die sich in der Entwicklung befindende Vollversion. Einige der denkwürdigsten Spielerlebnisse können mir eh nie mehr genommen werden.

Dishonored (360 2012): Das aktuelle Werk der französischen Arkane Studios, deren Ultima Underworld-Hommage Arx Fatalis ich einst angetan anspielte, schwappte immer mal wieder in meine Wahrnehmung, bis es plötzlich in meinen Händen lag. Eine Mixtur aus Bioshock (toll) und Thief oder Hitman (nie gespielt und eigentlich nicht mein Genre), die am Ende nicht jedem vorbehaltlos mundete, weil der Geschmack nicht ganz vollkommen war. Dishonored unterhält mit großen, frei erkundbaren Spielabschnitten, unterschiedlichen Lösungswegen - ich schlich eher und kämpfte kaum -, einer steampunkigen Welt und einem interessanten Grafikstil. Doch letzterer leidet auf Konsolen an schwacher Technik und die Hintergrundwelt bleibt generell zu blass, auch aufgrund der vorhersehbaren, aber konsequenten Geschichte. Findet und liest man die vielen Bücher und Schriftstücke, bekommt man einen besseren Eindruck von der Welt, die im Spiel nur selten derart lebendig wird (auch weil kleine Details der Handlung leicht übersehen werden können). Dies mag zur Atmosphäre passen, denn Niedergang und Verfall haben die Oberhand, ein jeder Charakter weist seelische Risse auf. Dishonored ist ein eigenständiges Spiel, keine Fortsetzung, das dem Spieler viele Freiheiten gewährt. Allein deswegen hat es mir sehr gefallen und ich bin eher froh, dass es in Teilen zu wenig liefert, anstatt wie andere Titel offenbar völlig überladen zu sein (Assassin's Creed III, Far Cry 3).

FTL (PC 2012): Ich liebe die Echtzeitkämpfe samt Crew- und Schiffsverwaltung. Ich mag die Musik. Ich hadere mit dem Roguelike-Spielprinzip. Ich hasse den Endboss und das Freischalten neuer Raumschiffe. Ich wünsche mir eine richtige Singleplayer-Kampagne und Multiplayer-Duelle.

Hotline Miami (PC 2012): Aufgrund geringer Frustschwelle habe ich diesen Blutrausch noch nicht ausgestanden, aber genug getötet gespielt, um es als höchst bemerkenswert zu erachten. Eine reduzierte, aber ausgereifte Spielmechanik und in allen Leveln ein durch die Auftraggeber euphemistisch umschriebenes Ziel: Kill them all! Der Kern eines jeden Actionspiels wird hier nicht hinter angeblichen Motiven versteckt, sondern auf brutale Weise vorexerziert. Die grobe Grafik schafft dazu die nötige Distanz, quasi der Pixelfilter aus Kane & Lynch 2 auf ein ganzes Spiel ausgedehnt. Hotline Miamis surreal wirkende Geschichte, die nichtsdestrotrotz existiert, habe ich noch nicht verstanden. Vielleicht besser so? Violence: ultra. Music: hypno. Game: psycho.

Spec Ops: The Line (360 2012): Das erste und gleichzeitig einzige Spiel des deutschen Entwicklers Yager war Yager aus dem Jahr 2003. Dann wurde irgendwann Spec Ops: The Line angekündigt, ein packender Deckungsshooter mit moralischen Entscheidungen und viel Sand sollte es werden. Das wurde geliefert, obschon besagte Spielelemente für sich "nur" gut sind. Vielmehr dokumentiert das Spiel jedoch sowohl die Abgründe des Krieges als auch des Kriegsspiels, schleicht sich subversiv als wachsendes Unbehagen in den gemeinen Call of Duty-Zocker. Der kommerzielle Erfolg blieb wenig überraschend aus - eine Auseinandersetzung in Form des Gegenstands der Kritik ist erst einmal schwer zu schlucken. Dafür wurde wohl kaum ein Spiel ausführlicher analysiert und kommentiert. Spec Ops: The Line ist nicht bloß gelungen, sondern ebenso wichtig.

The Walking Dead (PC 2012): Telltale schneidet das Adventure aus ihrem fünfteiligen Adventure und gibt dem Genre so das Abenteuer und die Relevanz zurück. Im letzten Jahr bewegte mich To the Moon, das lineare Interaktionen bot und zudem im 16-Bit-Gewand daherkam. Wahrscheinlich gerade deswegen berührte mich kein Spiel jemals so emotional. Die Spielmechanik von The Walking Dead ist ebenfalls beschränkt, die Grafik bekennt sich mit Cel-Shading zu den Comicwurzeln. Und zusammen mit toll geschriebenen Figuren und hervorragenden Synchronsprechern (Clementine als wahrscheinlich bester Kindercharakter) entfaltet sich eine ergreifende Tragödie über Zusammenhalt und Misstrauen, Mut und Feigheit in einer untoten Welt. Dass die Entscheidungen, die der Spieler treffen muss, die Handlung leider nur bedingt verändern, wird hoffentlich in der kommenden zweiten Staffel verbessert. Aber wie sagte es einer der Gamers with Jobs: Man beeinflusst nicht die Geschichte, sondern die Charaktere.

Welche Spiele warum fehlen

Umgefähr alle Gruselspiele des Jahres (Home, Lone Survivor, SCP-087, Slender), weil ich ein Angsthase bin. Assassin's Creed III, weil ich keinen Teil der Reihe spielte. Crusader Kings II, weil mich das Tutorial überforderte. Far Cry 3, weil ich erst neun Stunden im sperrig-faszinierenden Far Cry 2 verbrachte. Fez, weil mich die Demo damals jenseits der Optik nicht umhaute. Guild Wars 2, weil ich für Multiplayer stattdessen Awesomenauts, Happy Wars, Hybrid, PayDay, PlanetSide 2, wie immer etwas Call of Duty und vor allem Space Marine und natürlich DayZ spielte. Halo 4, weil die Kampagne im Splitscreen ernüchternd eintönig war - Enttäuschung des Jahres! Journey, weil ich keine Sony-Hardware besitze (und auch keine aktuelle von Nintendo). Legend of Grimrock, weil ich zwar Oldschool bin, aber bisher nur die vierte Ebene erreichte. Mark of the Ninja, weil ich die Steuerung zu komfortabel fand. Mass Effect 3, weil ich Rollenspiele mit miesem Ende nicht anfasse. The Witcher II: Enhanced Edition, weil ich erst in Kapitel 1 bin. XCOM: Enemy Unknown, weil es keine Hummermenschen hat.

Spiele, die ich letztes Jahr als fehlend oder interessant aufführte: 24 Stück

Spiele, die ich davon mittlerweile gespielt habe: 5 Stück

Serien 2012

Kaum eine Serie konnte das Niveau ihrer Vorgängerstaffel halten: Alphas schwankte hin und her, nahm zum Finale aber wieder einigermaßen Fahrt auf. Dexter bot endlich die seit Jahren herbeigesehnte Bloßstellung und war dadurch allein schon besser als die arg mäßige sechste Staffel, verhedderte sich aber in ziellosen Nebenplots - jedoch: Jennifer Carpenter und Yvonne Strahovski! Fringe plätschert noch weiter auf durchwachsenem Niveau dahin und hat leider zu viel seiner Vergangenheit entsorgt. Das nach wie vor hochklassige Game of Thrones bekam leichte Probleme mit dem komplexer werdenden Ausgangsmaterial. Homeland näherte sich trotz brillanter Momente und Schauspielleistungen zu sehr 24 an. Spartacus litt vor allem am neuen Hauptdarsteller. Und Strike Back war leider nicht mehr ganz so düster und rücksichtslos.

Überraschend dagegen Misfits und Being Human (UK), die sich konsequent neu erfanden, auch wenn nun beinahe alle alten Charakter ersetzt wurden. Und The Walking Dead ist zur dritten Staffel endlich aufgewacht, auch wenn Telltales Episodenspiel die bessere Adaption gewesen sein dürfte. Leider noch nicht international verfügbar ist die vierte Staffel der abgründigen Krimiserie Engrenages (Spiral) aus Frankreich. American Horror Story, deren erste Staffel eher enttäuschte, habe ich noch nicht weitergesehen. Und während andere unten wursteln, ging Breaking Bad locker oben lang. Als verspätete Entdeckungen nenne ich Justified und als neuen Guilty Pleasure, der ungeahnt zwischen Plattheit und Anspruch pendelt: Teen Wolf.

Enttäuschend leider in der Breite die US- und UK-Neustarts dieses Jahr, vor allem im Bereich der Phantastik: Revolution ist klinisch sauberer Endzeitmüll, Last Resort mangelt es an Charakterbindung und Sinbad bietet nur gute Spezialeffekte (die Inszenierung ist bei Hunted neben der Besetzung auch bloß das Auffälligste). Dass Falling Skies weiterhin SF-Trash blieb, erstaunte nicht.

Filme 2012

Ich hatte im Rahmen der Zelluloidfreaks versucht, wieder mehr Rezensionen statt Movie Tweets zu schreiben und das auch bis Dezember ganz gut durchgehalten. Mein Film des Jahres ist natürlich Drive, der weltweit schon 2011 abgefeiert wurde. Beasts of the Southern Wild ist einer der schönsten und mitnehmendsten Filme. Und wenn man einen Actionfilm wegen Action sehen möchte, führt kein Weg an The Raid vorbei.

Weitere außergewöhnliche Filme sind Die Wand, Moonrise Kingdom und The Cabin in the Woods. Der "Blockbuster done right"-Preis geht an The Avengers, ansonsten haben einige namhafte Filme enttäuscht (The Dark Knight Rises und vor allem die Frechheit Prometheus).

Ältere Filme, die unbedingt zu erwähnen sind: Bad Lieutenant von Werner Herzog, Kill List und The Woman. Den unbeholfenen Iron Sky fand ich übrigens sehr unterhaltsam. Nachholen möchte ich noch Alpen von Dogtooth-Regisseur Giorgos Lanthimos und auch Universal Soldier: Day of Reckoning, weil das Werk des Regisseurs John Hyams in einschlägigen Kreisen hochgelobt wird, der Vorgängerfilm mich aber nicht überzeugen konnte.

Musik 2012

Ausgehend von musikCube hörte ich an letztjährigen Erscheinungen mit Abstand am häufigsten "Blue Jeans" von Lana Del Rey (dank Misfits) - und zwar nur dieses Lied, da ich ihre Musik ansonsten nicht hervorragend finde. Außerdem die Alben "88:88" von Makeup and Vanity Set, "Lehnt dankend ab" von Frau Potz, "SubMashine" von N3XTST3P (dank Teen Wolf), "CVI" von Royal Thunder und "The Killing Jar" von Black Moth. Etwas enttäuscht war ich leider vom überproduzierten "Time I" von Wintersun. Nicht Musik, sondern ein denkwürdiger Stand-up-Comedy-Auftritt, ohne zu viel zu verraten: "Live" von Tig Notaro.

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