Schmökern

Montag, 28. April 2008

Späte Heftnotizen

Beinahe zum Erscheinen der nächsten Ausgaben will ich noch kurz meine Meinung zur zweiten gamesTM und anderen Magazinen kundtun.

gamesTM 05

Nach der gelungenen Erstausgabe kann auch das zweite, am 02.04. erschienene Heft insgesamt überzeugen. Der Umfang ist um acht Seiten auf 104 angewachsen, die Werbeanzeigen haben sich aber ebenfalls auf ca. 16 Seiten verdoppelt. Formal gibt es kleinere Änderungen:
Unleserliches Gelb wird nicht mehr für Text verwandt, die Gestaltung der Artikelanfänge wurde vereinheitlicht. Bei manchen Beiträgen vermisse ich immer noch den Verfasser (z.B. "Der Monat" in News und Tests), die Japankolumne "Kongetsu" fehlt ebenso wie die (wohl auch überflüssige) Erklärung des Wertungssystems. Der Hinweis auf games-tm.de-Zusatzinhalte steht nun auffällig und fett in der Kopfzeile einer Seite. Dafür ist das Covermotiv mit Mario Kart Wii gelungener als Vegas 2 in der vorherigen Ausgabe; der Heftrücken wird von einem Nintendo'schen Pilz und dem Spruch "Zu spielen liegt in der Natur des Menschen" geziert.

Es werden in gamesTM 05 im Gegensatz zur Erstausgabe mehr Spiele getestet als vorgestellt; das "Hitpotenzial" bei Previews wurde aber nicht entsorgt. Wie ausführlich Mario Kart Wii bei sechs Seiten Testbericht tatsächlich gespielt wurde (8,8 Punkte), ist mir übrigens nicht ganz klar: Es wird erwähnt, dass die gamesTM von der deutschen Testversion keine eigenen Screenshots machen durfte; die GamePro brachte erst am 11.04. ihren Online-Test.
Enttäuschend: Die wohl ziemlich geniale Adaption der Wii-Steuerung in Konamis Pro Evolution Soccer 2008 wird nicht gewürdigt, das Spiel wird gar mit einem 1/8-Seiten-"Test" und 7,4 Punkten abgespeist.

In der Erstausgabe wurden übrigens einige Texte aus dem Schwestermagazin 360 Live übernommen, interessanterweise mit marginalen Wertungsunterschieden: Condemned 2 landet in gamesTM bei 8,8 Punkten, in 360 Live sind es 9,0. Die Einzelnote "Steuerung" fällt in gamesTM trotz gleicher Kritik um einen Punkt auf sieben Punkte. Lost Odyssey bekam nur einen kurzen Test, die Wertung wurde aber ebenso um 0,2 Punkte auf 7,5 reduziert, gleiches bei FIFA Street 3 (7,5). Bei Bully: Die Ehrenrunde wird diese Regelmäßigkeit dann aber durchbrochen mit einem Absturz von 8,3 auf nun 7,5 Punkte. Richard Löwenstein offenbarte zum Heft-Launch: "Wir versuchen bei gamesTM von vornherein, die Zehner-Skala mehr aus zu nutze... man könnte auch sagen, wir werten strenger..."
Wie es nun bei der zweiten Ausgabe aussieht, weiß ich nicht. Es sollen in der Erstausgabe auch viele Inhalte von der englischen gamesTM "inspiriert" worden sein, ob als Übersetzungsvorlage oder nur thematische Inspiration ist mir nicht bekannt.

Die Reportagen konnten mich diesen Monat nicht vollends überzeugen: Der fünfseitige WiiWare-Bericht von Robert Bannert ist zwar interessant, lässt aber die Konkurrenzangebote von Microsoft und Sony ziemlich außer acht. Vom selben Autor stammen die nächsten vier Seiten über das Erwachen des "Giganten" Sony bzw. der PS3 - insgesamt leider wenig neues, zudem mit PR-Phrasen von Spieleentwickler; im Anschluss folgen noch zwei Seiten mit Minipreviews kommender PS3-Titel. Den Tiefpunkt stellt einige Seiten zuvor "Sternenfahrer" von Ann-Kristin Witter dar, die in der Erstausgabe gar nicht in Erscheinung getreten war. Hier wird recht ziellos über ein paar Science-Fiction-Spiele geschrieben, insgesamt wirkt der Bericht wie eine aufgeblähte Einleitung für den Heftinhalt.
Der Retrobereich ist gelungener, auch wenn mit Command & Conquer und Elite zwei sehr bekannte Spielereihen im Fokus stehen.

PS: Wie Evil in den zweiten Mediadaten des Heftes entdeckte, wird demnächst wohl das Heftformat auf 22 x 29,7 cm anwachsen, vielleicht als Reaktion auf Kritik an der zu kleinen Schrift.

PPS: Sönke Siemens und andere unterhielten sich am Ende des 41. Games und so-Podcasts anlässlich der neuen IVW-Zahlen und dieses Golem.de-Interviews mit PC Games-Chefin Petra Fröhlich über den Auflagenschwund und die Probleme bei Printmagazinen. (Hier die Reaktion des Gamona-Bosses Garry Leusch auf das Interview.)

GameFront 3/08

Von der GameFront, dem "Videogame Magazine For Insider" (sic!), erschien Anfang April auch die neue Ausgabe, korrekterweise noch als 3/08 bezeichnet. Die GameFront existiert nun schon seit fast 13 Jahren, hat es aber wegen zwei- bis dreimonatlicher (und mehr) Erscheinungsweise bisher auf nur 53 Ausgaben gebracht - in Schwarzweiß, aber damit ist nun Schluss:
Das Heft erstrahlt in Farbe! Leider wurde nur die Kopfzeile neu gestaltet, der Rest des Heftes ist teilweise extrem grausig gelayoutet ("Online Scout", "Chatterbox"); der Wertungskasten besteht immer noch aus StarCraft-Grafiken! Im Impressum wird versprochen, den "Gamefront Look" beizubehalten, dabei wäre es an der Zeit, endlich ein professionelleres Heftaussehen anzugehen. Und ein Endlektorat einzuführen, denn die Ablehnung der Redakteure gegen Bindestriche ist zwar bekannt, aber diese Ausgabe gibt es noch einige Buchstabendreher und auf Seite 42 gar einen doppelten Text.
Leider beträgt der Umfang bloß magere 54 Seiten bei immerhin nur knapp fünf Seiten Werbung; in den vergangenen Jahren waren es meist 60 oder gleich 68 Seiten.

GameStar 5/08

Interessanter Neuzugang in der April-GameStar: Martin Deppe, Chefredakteur der untergegangenen PC PowerPlay, der nach der "Hakenkreuz-Affäre" in Urlaub ging und seitdem vom Erdboden verschwunden war, schreibt als freier Mitarbeiter wieder für GameStar:
«Martin Deppe gehörte zum Gründungsteam von GameStar und war bis 2002 stellvertretender Chefredakteur. Heute arbeitet Martin als Spiele-Producer und freier Journalist.» (Editorial 5/08)

Donnerstag, 6. März 2008

Es lebt (wieder): gamesTM

Im späten September 2003 erschien die deutsche Ausgabe der gamesTM (bzw. "games™") als lizensierte Übersetzung des englischen Originals. Jedoch fehlten dem Pro Verlag offensichtlich die Geldmittel und dann auch der Verkaufserfolg, weswegen nach inhaltlichem Niedergang mit der vierten Ausgabe im März 2004 Schluss war. Vier Jahre später wagt nun die Airmotion GmbH (360 Live) einen weiteren Versuch und bringt die gamesTM erneut nach Deutschland! Meines Wissens ein einzigartiger Vorgang unter den Spielemagazinen, denn zwar gab es z.B. mehrere Publikationen mit "PowerPlay" im Titel und auch die GamePro existierte schon einmal vor der aktuellen IDG-Ausgabe, aber dies waren alles völlig unterschiedliche Zeitschriften.

Nun also gamesTM reloaded: Layout und thematische Ausrichtung werden wieder aus England übernommen, aber die allermeisten Texte sollen von einer durchaus namhaften deutschen Redaktion stammen; Branchenurgestein Richard Löwenstein ist beispielsweise Chefredakteur, fünf weitere Mitarbeiter grinsen auf stilisierten Schwarzweißfotos dem geneigten Leser im Editorial entgegen. "gamesTM soll die Leidenschaft widerspiegeln, die Gamer antreibt" steht da, doch werfen wir zuerst einmal einen Blick auf den Heftumschlag.

Cover

"Das unabhängige Multiformat-Magazin" in den eher ungewöhnlichen, bereits von der ersten deutschen Fassung bekannten Abmessungen 21 x 27,5 cm bietet eine aufgeräumte Covergestaltung. Ein einzelnes grafisches Motiv - wenn auch wenig außergewöhnlich (Vegas 2-Soldaten) -, ansonsten ein paar maßvolle Texte, die jedoch teils etwas reißerisch formuliert sind. Und zweimal das Auslassungsapostroph auf dem Cover muss doch auch nicht sein: "Jetzt wird's dreckig" (Sex in Games) und "Gibt's bald gar keine Actionspiele mehr?" (Vegas 2); leider sind fünf von sieben angepriesenen Themen Vorschauen. Am unteren Rand werden noch eine Menge behandelter Spiele aufgeführt, aber derart klein und unscheinbar, dass man dies auch weglassen könnte. Als Startnummer trägt die erste gamesTM leider eine "04" (im März...), dafür offenbart der Heftrücken nette Details: Ein kleiner Mario, der Spruch "Je komplexer der Geist, desto Größer das Verlangen, zu spielen" (letztes Komma überflüssig :-) sowie scheinbar der erste Teil eine Schriftzuges oder einer Grafik ("gamesTM" kann's nicht werden).
Außen also insgesamt alles im Lot und der reduzierteren GEE ähnlich; wenn man die beiden Magazine neben die aktuelle GamePro legt, sieht man den Unterschied zu Ungunsten des IDG-Heftes sofort.

Preislich ist die monatlich erscheinende gamesTM mit 3,80 € eher günstig, es gibt aber auch keine DVD. Mit 96 Seiten entspricht sie den aktuelle Konsolenheften und auch der alten, ganze 5,90 € teuren gamesTM. Ein Umfang von über 170 Seiten wie beim englischen Original bleibt wohl auf ewig Utopie, die kostet mittlerweile jedoch schon 4,50 £. Mit knapp vier Euro rückt die neue gamesTM zudem auch vom Preis her in die Nähe der GEE, die momentan für 3,90 € zu haben ist.

Die Grundvoraussetzungen für einen Erfolg scheinen also nicht schlecht, zumal die gamesTM mit einer Startauflage von 60.000 Exemplaren gut erhältlich sein sollte; in meinem kleinen Zeitungsladen lagen vier Hefte im Regal inklusive eines reißerischen Inlays, welches das kleine Format ausgleichen soll ("Die besten Games. Im besten Magazin. Dieses Heft kann vor Fehlgaming schützen"...). Schauen wir einmal hinein ins Heft... ah, eine genügsame Klebebindung und Hochglanzpapier, schön.

Layout

Das Layout des Heftes ist sehr angenehm, sowohl farblich als auch von der Seitenaufteilung. Farbenfroher als die GEE, aber immer noch sehr elegant und gelungen. Es gibt sechs Oberrubriken: "Vorschau", "Test", "Aktuell" (News), "Features" (Reportagen), "Retro" und übrige Rubriken. Innerhalb der Rubriken gibt es kleinere Unterschiede im Layout, so taucht im gelb dominierten "Aktuell"-Teil der Pfeil aus einem alten GEE-Layout auf und Textanfänge sind initialisiert (Berichte) oder kapitalisiert (Kurzmeldungen); in der alten gamesTM waren die News übrigens noch arg chaotisch aufgebaut. Bei Features, Pre- und Reviews gibt es fett gedruckte Einleitungssätze ,während der Retrobereich als eine Art Heft im Heft fungiert. Hier ist das Layout etwas, äh, verspielter im Sinne der 1980er, aber zum Glück nicht derart unübersichtlich und hässlich wie noch in der alten gamesTM, hält sich außerdem auch an den vorhergehenden Stil.
Die Schriftarten sind teils sehr klein, wodurch aber auch eine Menge Text auf eine Seite passt. Zwar sind die Fonts gut lesbar, aber ein wenig mehr Schriftstärke im Fließtext wäre nicht unangenehm. Leider wird inflationär der Bindestrich benutzt und fast jede Wortzusammensetzung damit getrennt; PlayStation wird "Playstation" geschrieben, Spieltitel werden im Text nur durch Anführungsstriche hervorgehoben, während der Magazinname fett gedruckt ist. Die Platzverschwendung durch großzügige Weiß- und Leerflächen hält sich noch in Grenzen, die breiten Kopf- und Fußzeilen bleiben aber leider oft ungenutzt. Schönstes mir bekannte Spieleheft.

Inhalt

Die Newsrubrik "Aktuell" ist mit knapp sechs Seiten recht großzügig, enthält aber auch kaum kurze, sondern längere Meldungen, z.B. jeweils knapp zwei Seiten zur GDC 2008 und zum "Money-Shooter" Kwari. Warum letzterer jedoch (recht unkritisch) an dieser Stelle behandelt wird und nicht weiter hinten im eSports-Bereich, wurde mir nicht klar. Überflüssig ist "Game on", in der Branchenvertreter sagen was sie spielen - der Ubisoft-Mann spielt natürlich Ubisoft-Spiele. Da war das "belanglose Geplänkel aus der Industrie" in der alten gamesTM besser! Und dass das Schwestermagazin 360 Live, "laut Meinung der Redaktion das lesenswerteste Fachblatt für Besitzer der Microsoft-Konsole", unter "Außerdem empfehlenswert..." vorgestellt wird, muss auch nicht sein (auch wenn das Magazin vielleicht sehr gut ist - ich habe keine Xbox 360 und kenne es daher nicht). Die Meldungen zum Umzug der Games Convention und zur neuen Jugendschutz-Gesetzesvorlage in der Kurznachrichtenrubrik "Der Monat" sind leider veraltet (Redaktionsschluss?), außerdem fehlen hier Hinweise auf die Verfasser.

Die USA-Rubrik aus der alten gamesTM gibt es nicht mehr, aber "Kongetsu" aus Japan auf nun nur noch einer Seite (dafür ohne JP-Charts) ist noch da. Kongetsu heißt übrigens "diesen Monat", zumindest wurde es so in der alten Ausgabe übersetzt. Im "Spielmacher" (früher "The Players") wird eine mehr oder meist eher weniger bekannte Persönlichkeit aus der Branche vorgestellt, wobei der jeweilige Arbeitgeber und ein aktuelles Spiel im Fokus stehen. Die "Community"-Rubrik, in der moderne Entwicklerstudios porträtiert wurden, gibt es in der neuen gamesTM nicht mehr.

Vorschauen

Mit Seite 20 sind die Vorschauen erreicht. Die Titelstory zu Rainbow Six: Vegas 2 bekommt vier Seiten spendiert und das Spiel wurde auf dem Cover als "Opfer der USK" skizziert. Die angekündigte "Analyse" ist aber eher ein normales Preview mit etwas USK-Dissing - da hätte man eine eigene Reportage daraus machen können. Die Standards der alten gamesTM sind wieder an Bord: kurzes Profil des Entwicklers, dessen Herkunftsland sowie frühere Spiele. Weggefallen ist leider die witzige "Videospiel-Mathematik", dafür wird das "Konzept" eines Spieles gesondert umrissen. Eine weitere und leider nicht gelungene weil unnötige Neuheit ist das "Hitpotenzial" am Ende einer Vorschau, welches mit maximal zehn Punkten angegeben wird. Dass nur ein einziges Spiel weniger als acht Punkte bekommt, verdeutlicht den Unsinn. Abschließend gibt es noch eine Doppelseite mit Kurzpreviews - über kurze Vorschauen werde ich mich nicht beschweren.
Der Schreibstil ist locker und flüssig; bemerkenswert: Das nerdig-faktenreiche Street Fighter IV-Preview vom Video Games-Prügelexperten Ralph Karels. Die neue gamesTM bietet elf "vollwertige" Previews auf 19 Seiten (20% Heftanteil), in der alten gamesTM 02 (die letzte gute Ausgabe damals) machte man für neun Vorschauen 14 Seiten frei (15%). Die GamePro 4/08 - ebenfalls 96 Seiten Umfang - walzt zwölf Titel auf gewaltigen 32 Seiten aus (33%!).

Features

Was ist in Spielemagazinen Mangelware? Reportagen - von guten recherchierten ganz zu schweigen. Abgesehen von GEE machen die Testzeitschriften um diese letzte Bastion der Printmedien zumeist einen großen Bogen. Edge und gamesTM nicht! "Jetzt wird's schmutzig", denn Seckin Özdundar und Sönke Siemens geben auf textreichen sechs Seiten einen aktuellen Einblick in Darstellung und Präsenz von Sex in Bildschirmspielen. Gut zu lesen, wenn auch etwas US-zentrisch. GEE 17 brachte Ende 2005 auf 14 Seiten (!) ein ähnliches, aber eher historisches und grafiklastigeres "Sex-Special".
Auf weiteren sechs Seiten berichtet Robert Bannert, mir noch als umstrittener Japan-RPG-Tester aus der MAN!AC bekannt, vom Lebenszyklus einer Konsole, grafisch schön aufgebereitet. Die Bezeichnung "NES Toaster" war mir aber neu...
Zwölf Seiten für Reportagen sind hervorragend, anderswo trifft man in den Umfangsbereichen schon mal "Mega-Previews". Die beiden Themen sind zwar nicht besonders innovativ, aber gut umgesetzt und durchaus publikumswirksam; in der alten gamesTM 02 fand sich übrigens nur ein Special zu Animationen.

Tests
«gamesTM wertet hart aber fair. Jedes getestete Spiel wird auf einer Skala von 1 bis 10 bewertet, Kommastellen erlauben feinere Abstufungen. Mittelmäßige Spiele, die einen gewissen spielerischen und technischen Mindeststandard erreichen, können mit einer Wertung im 5er-Bereich rechnen. [...]» (2008, S. 56)

«[...] Auf einer Skala von eins bis zehn ist fünf der Durchschnitt. Und durchschnittlich ist ein Spiel, das seinen Zweck erfüllt, ohne sich aus der breiten Masse von Games abzuheben. Wenn wir ein Spiel mit fünf bewerten, kann man trotzdem Spaß damit haben [...].» (gamesTM 02, 2003, S. 51)
Ob auch die englische gamesTM hier mittlerweile einknickte, weiß ich nicht, aber damals gab es eine einzige Wertung mit ganzen Punkten. Die neue gamesTM nutzt faktisch das 100%-System mit drei zusätzlichen, unabhängigen Einzelwertungen für Grafik, Sound und Steuerung, die immerhin nur mit vollen Punkten bedacht werden; jede Wertung wird durch ein paar Stichpunkte ergänzt, ab einer Gesamtwertung von 8,5 Punkten ein überflüssiger "Kauftipp" vergeben. Eine andere Philosophie als die GamePro'schen sieben Punkte für "solide Qualität ohne Stärken und Schwächen" sehe ich auch nicht: Drei von zehn Tests haben 7er Wertungen, alle anderen 8er. Im Schnitt liegen die Wertungen der von beiden Magazinen getesteten Videospiele bei gamesTM aber doch deutlich unter der GamePro, die aber auch für ihre Affinität zu hohen Prozentregionen bekannt ist. Und das auch mal abgewatscht wird, sieht man in den Kurztests: Wii Schach kassiert 3,1 von zehn Punkten (GP: "sehr empfehlenswert"), Odin Sphere 6,9 (GP: 87%)!
Dass es überhaupt Kurztests gibt, ist unschön, da dort nicht nur nachträgliche Umsetzungen, Download- und Freeware-Spiele (!) vorgestellt werden, sondern ebenso neue Vollpreistitel wie z.B. auch Frontlines (7,8). Elf kurze Zeilen im 1/8-Layout sind hierbei wenig hilfreich; bemerkenswert ist, dass ein Gratisspiel wie Free Rider 2 dort zwei Textspalten erhält. Generell scheinen die Tests beinahe "notwendiges Übel" zu sein: Zehn Titel, davon drei PC-Spiele, müssen mit zehn Seiten für vollwertige Testberichte auskommen, was leider auch die Existenz von vier halbseitigen "Tests" bedeutet (dann ohne Einzelwertungen).
Während also nur 10% des Platzes für Tests benutzt werden, gab es in der alten gamesTM niemals halbseitige Tests; in Ausgabe 02 wurden elf Spiele auf 20 Seiten getestet, die Mehrheit von sechs Stück auf je zwei Seiten (insg. 21% Heftanteil). GamePro 4/08 stellt 21 Titel auf 23 Seiten vor (24%). Damit folgt die neue gamesTM dem deutschen Leitbild, Previews mehr Platz einzuräumen als den eigentlichen Tests. Es muss aber beachtet werden, dass auch die alte gamesTM kein kompletter "Einkaufsführer" war und somit dieses Magazin in dem Bereich keine Konkurrenz zu GamePro oder MAN!AC darstellt - "die besten Games" eben nur.

Je nun, zu den Texten selbst: Wie schon die Previews sind sie flüssig geschrieben und vermitteln meist einen guten Eindruck vom Spielinhalt bei eher wenig Detailbeschreibungen; die Technik wird dabei erfreulicherweise - wenn überhaupt - mit eins, zwei Sätzen abgehandelt (das bedeutet aber auch keine PC-Hardware-Voraussetzungen oder ähnliche Fakten). Es sind eher "klassische" Tests, keine essayistischen New-Gaming-Journalism-Exkurse, wie sie die GEE (früher) aufwies. Meinungskästen gibt es nicht, dafür wie in der alten gamesTM den "Besser als, schlechter als"-Indikator, mal mit konkreten Spieltiteln, mal mit humorigen Notizen. Ach so, "Jimmy Knoxville" (S. 61) ist wohl falsch. Alles in allem zwar nicht die neue Offenbarung der Spielerezensionen, aber gut zu lesen - aber halt zu wenige, meist zu kurze Tests.

Retro

Auf Seite 71 beginnt der "Retro"-Teil als Heft im Heft, entstanden in Zusammenarbeit mit der britischen Retro Gamer, die auch mit einer (englischen) Anzeige vertreten ist. Eine nette Retrokolumne über Ataris Fehleintscheidungen (nicht das neueste Thema), auf vier Seiten wird - mal wieder - Mario in der "Hall of Fame" geehrt (zwei Seiten nur mit cooler Sprite-Genese im Querformat). Wesentlich interessanter sind da die vier Seiten über japanische PC-Spiele, "Doujin-Ka" genannt, natürlich mit Hinweis auf Kento Chos ABA Games sowie Cave Story. Auf erneut vier Seiten wird Entwicklerlegende Will Wright und sein Schaffen dargestellt, danach wird es "richtig" retro mit - Überraschung - vier Seite Making of Desert Strike. Abschließend findet der Leser noch einen "Retro Reloaded"-Überblick über aktuelle oder kommende Remakes von älteren Spielen.
Der unsäglich bunte Retrobereich der alten gamesTM stellte einzelne Spiele mehr in den Fokus, aber auch in der aktuellen Form und vor allem im Umfang ist die Rubrik einzigartig!

Der Rest und das Fazit

In Zusammenarbeit mit Giga Games offenbaren sich kurz vor Heftschluss noch zwei Seiten über eSports (Schwerpunkt: Doping), danach folgen die Leserbriefe, seltsamerweise auch von Giga präsentiert. Vor der Vorschau auf die nächste gamesTM am 2. April kommen dann nur noch zwei Seiten mit "Pflichtkäufen", die jeweils zehn Spiele pro Plattform enthalten und in Zukunft um Userwertungen ergänzt werden sollen (dann werden auch die sicher interessanten Redaktionswertungen angefügt); eine Spalte über Patches und Mods findet sich dort auch - es wird übrigens einmal Zeit, dass irgend jemand ein Special über Patches auf Konsolen macht!

Uff, jetzt ist dieser Beitrag wieder viel länger geworden als geplant... Aber wenn man gerade nichts zu tun hat :-). Wie auch immer, die neue gamesTM ist alles in allem gut gelungen. Die einzigartige Mischung zu fairen 3,80 € bei unter neun Seiten Werbung sollte niemanden vom Kauf abhalten! Eine eher lieblose Übersetzungsarbeit scheint es also nicht zu sein, zumindest wurde auch nur einmal ein "eingedeutscht von..." angegeben. Mich würde trotzdem interessieren, inwiefern Inhalte des UK-Originals verarbeitet wurde.
Auffällig ist, dass die neue gamesTM sich stärker am Mainstream orientiert: Das angepasste Wertungssystem wurde bereits erwähnt, weiterhin wurden die Retrobestandteile auf die entsprechende Rubrik beschränkt: In der alten gamesTM wurden im Besser-Schlechter-Indikator auch mal ältere Spiele angegeben, vor allem fanden sich aber mehrere Doppelseiten mit schönen Pixelscreenshots alter Games - das gibt's nicht mehr. Aber mehr Text ist sicher besser als Screenshots.

Etwas verwirrend noch die Situation bei den Redakteuren und Mitarbeitern: Von den im Editorial aufgeführten hat die einzige Frau Ann-Kristin Witter außer der Beantwortung eines Leserbriefes scheinbar nichts zum aktuellen Heft beigetragen, Moritz Wanke nur einen Test (bei den Kurznews, -vorschauen, -tests, der Zubehör- und Remake-Seite fehlen aber Verfassernamen). Der Großteil des Inhalts geht auf das Konto von Chefred Richard Löwenstein, Sönke Siemens, Nicholas Buracas und des "redaktionelle Mitarbeiters" Robert Bannert. Im Impressum wird Reinhard Fischer als Redakteur geführt, fehlt aber im Editorial, dann sind da noch vier weitere freie Mitarbeiter aufgezählt. Drei weitere im Heft erscheinende Personen werden gar nicht im Impressum erwähnt. Konfus, konfus.

Egal, gebt der neuen gamesTM eine Chance!

PS: Die neue gamesTM kommt auch im Magaziniac.Blog gut weg! Evil führte Anfang Januar auch ein Interview mit Richard Löwenstein.
Update: Kleinere Ergänzungen

Mittwoch, 31. Oktober 2007

PCPP: Florian Stangl blickt zurück [Update]

Die PC PowerPlay gibt's bekanntlich nicht mehr, aber der "Stanglnator", ehemaliger stellvertretende PCPP-Chefredakteur, ist bei Computec untergekommen und lässt die PCPP nun von dort Revue passieren: "Das war die PC Powerplay - Ein Rückblick von Florian Stangl" in zwei Teilen. Teil 1 des Rückblicks ist seit 29.10. online bei PC Games, Teil 2 seit 31.10.

Wenn man die Entwicklung des Magazins etwas verfolgt hat, wird einem nicht viel neues von Stangl offenbart, aber immerhin redet ein Offizieller mal mehr oder weniger "Klartext" (das Hakenkreuz-Malheur wird natürlich nicht erwähnt). Grundtenor ist jedoch: Die Redaktion hat alles gegeben und nichts falsch gemacht, aber Umstände/Konkurrenz/Käufer/Verlag waren gegen uns...

In diese Kerbe schlägt auch das Magaziniac mit Evils bösem Kommentar zu Stangls Rückblick.

Samstag, 22. September 2007

PC PowerPlay: Das war's! [Update IV]

Auf der Games Convention Anno 2004, da gab es eine sechzehnseitige Leseprobe der PC PowerPlay, CyPress' neues Flaggschiff im Kampf gegen die dicken Pötte GameStar und PC Games auf der rauhen See der PC-Spielemagazine.

Keine Kosten und Mühen hatte man gescheut und beinahe jeden namhaften Redakteur von der Konkurrenz abgeworben: In der GC-Ausgabe wurde der interessierte Leser von Martin Deppe, Florian Stangl, Michael Galuschka, Rüdiger Steidle, Georg Valtin und Patrick Hartmann begrüßt!
Dazu ein prominenter Heftname, denn "PowerPlay" hieß schon eine legendäre PC-Spielezeitschrift in den 1990ern.

Jedoch wollte sich der wirtschaftliche Erfolg gemessen an den Verkaufs- und Abonnentenzahlen im Folgenden nicht recht einstellen. Zu sehr ähnelte die PCPP der GameStar, der es Leser abzujagen galt. Da nützten auch umfangreiche Berichte und das schöne Testsystem mit betont subjektiven Wertungen von mehreren Redakteuren - im Gegensatz zum abstrusen, "transparenten" Additionssystem, welches die GS in Ausgabe 10/2004 mit großem Trara eingeführt hatte - nicht viel.

Die Irrfahrt des Verlags auf der verzweifelten Suche nach der Neuen Welt der hohen Auflage, die zu zahlreichen und halbherzigen Konzeptänderungen im Heft führte, hat "Evil" in seiner Chronologie des Scheiterns nachverfolgt: "Wie CyPress gegen die Wand gefahren wurde - Die Ära Bochdanovits ".

Der endgültige Schiffbruch passierte dann vermutlich mit der August-Ausgabe der PCPP, in der ein Trailer mit Hakenkreuzen auf die Cover-DVD gelangte, die komplette Auflage deshalb zurückgerufen wurde und Chefredakteur Martin Deppe anschließend in "Urlaub" ging. Bis heute gibt es nur noch den stellvertretenden Chefred Florian Stangl...

Irritierung löste auch der "abgehakt"-Eintrag in David Bergmanns Blog The X-Perience Anfang August aus, er ist aber noch in der aktuellen Oktober-PCPP schreibend vertreten.

Auf der letzten Heftseite findet sich dafür keine Vorschau auf die nächste Ausgabe, sondern nur Werbung für CyPress' "Entertainment Network" Cynamite.de (welches im Heft auch noch auf über fünf Seiten gefeaturet, während online die neueste PCPP noch gar nicht aufgeführt wird; Update: Mittlerweile ist dort auch die nun offiziell letzte Ausgabe 10/2007 gelistet).
Zumindest in der "Terminkalender"-Rubrik ist die nächste Ausgabe für den 31. Oktober angekündigt und auch sonst fallen im Heft keine Äußerungen auf, die auf das Ende der Zeitschrift hindeuteten.

Aber in den Foren der PC Games schrieb Redakteur "Burtchen" am 22.09.:
«Der Begriff "übernehmen der PCPP" ist rein rechtlich nicht ganz angebracht, aber "PCPP-Leser übernehmen" ist angesichts der Faktenlage sehr naheliegend. Mehr darf ich derzeit nicht sagen»
Als Ende 2000 der PC Joker eingestellt wurde, bekamen Abonnenten direkt die GameStar zugeschickt...

Aber erst einmal abwarten, wie es nun tatsächlich weitergeht und ob die PCPP wirklich nach 35 regulären Ausgaben ein unrühmliches Ende gefunden hat.

Update: In der Würzburger Mainpost stand am Samstag folgende Meldung:
«Cypress steht vor dem Aus
(md) Nach dem Verkauf zweier Zeitschriftentitel an die Fürther Computec Media steht die Höchberger Cypress GmbH, eine Tochter der Vogel Medien Gruppe in Würzburg, vor ihrem Ende. Immerhin: Etwa zwei Drittel der 45 Mitarbeiter werden zu Computec wechseln – oder beim Stammhaus unterkommen. Das teilte Vogel-Chef Claus Wüstenhagen dieser Zeitung auf Anfrage mit. [...]»
Der vollständige Artikel ist nur für registrierte User abrufbar, der restliche Wortlaut aber hier nachzulesen.

Update II: Am 24.09. meldete Redakteur Simon Fistrich folgende News auf Cynamite.de:
«Cynamite.de ab dem 1. Oktober bei der Computec Media AG [...]

Cynamite.de hat sich einen festen Platz in der Favoritenliste vieler Internetuser gesichert und das soll sich ab dem 1. Oktober 2007 unter der Flagge der Computec Media AG nicht ändern. Gemeinsam mit dem Cynamite.de-Team will die Computec Media AG weiter am Erfolg des beliebten Multiplattform-Portals arbeiten, um in Zukunft noch mehr topaktuelle Berichterstattung aus der Welt des Electronic Entertainment zu liefern.
Weitere Informationen folgen in Kürze.»
Im Forum ergänzt er: "Es gibt derzeit null Pläne, Cynamite.de einzustampfen. Im Gegenteil."

In Cynamite.de ist der offizielle Online-Auftritt der PC PowerPlay integriert. PCPP-Redakteur Simon Fistrich verkündet nun, die Website wird unter dem Dach von Computec fortgeführt und wohl ausgebaut.
Eine Zusammenlegung mit dem (grausigen) Internet-Angebot der PC Games ist also unwahrscheinlich, ebenso aber dass Computec die Zeitschrift PC PowerPlay übernimmt. Werden also vielleicht die PCPP-Schreiberlinge nach dem beschlossenen Ende des Printmagazins zu reinen Online-Redakteuren...?

Update III: Während offiziell von CyPress oder auf Cynamite.de natürlich noch nix darüber zu lesen ist, informiert die PC Games am 28.09. über redaktionelle Umstrukturierungsmaßnahmen:
«1. Games Aktuell / Cynamite.de
Objektleiter wird Ahmet Iscitürk / Thomas Szedlak wird Chefredakteur

[...] Cynamite.de bleibt ein unabhängiges Entertainment-Portal, wird aber künftig "powered by Games Aktuell" sein. Der bisherige Cynamite.de-Chefredakteur Florian Stangl wird eine wichtige leitende Position im von Justin Stolzenberg geleiteten Bereich Neue Medien einnehmen. [...]

4. PC Powerplay künftig bei PC Games und PC Action

Die Fans von PC Powerplay werden künftig von den PC-Spielemagazinen der Computec Media AG bedient. Je nach Geschmack haben die PC-Powerplay-Abonnenten die freie Wahl zwischen einem Abonnement der PC Games und der PC Action, die beide von Petra Fröhlich als Objektleiterin und Chefredakteurin geführt werden.»
In den Kommentaren zu dem PC Games-Artikel wird erläutert, dass ein PCPP-Abo ohne Aufpreis automatisch in eines der PCG umgewandelt wird. Wer lieber die PC Action will (wer schon?!), "wird rechtzeitig eine Gelegenheit haben zu wählen".

Zur Zukunft der PCPP-Truppe: Simon Fistrich wird wie erwartet zu Cynamite.de wechseln. Nach diesem Forumsthema scheinen David Bergmann und Susanne Braun zu gehen und Michael Galuschka erstmal irgendwo bei CyPress zu verbleiben. Von Sascha Bergmann, dem letzten noch fehlenden festen Redakteur im in den letzten Monaten zusammengeschrumpften Team, ist noch nichts bekannt, ebensowenig von den Layoutern und DVD-Produzenten. Und Ex-Chefredakteur Martin Deppe ist immer noch untergetaucht.

Still verstarb die PC PowerPlay, ein unrühmliches Ende für ein ambitioniertes, letztendlich aber gescheitertes Vorhaben...

Update IV: Evil hat in seinem Magaziniac eine interessante Aussage von Florian Stangl vom 15.10. aufgespürt, die ich hier auch wiedergebe:
«Klarstellung
Florian Stangl

Computec Media hat Cypress nicht gekauft und dann PCP eingestellt, damit ein Konkurrent weniger auf dem Markt ist. Das ist falsch.
Richtig ist, dass der Vogel-Konzern, zu dem Cypress bislang gehörte, einen Käufer für den Verlag oder Teile des Verlags suchte. Und Computec hat Teile übernommen, der Rest des Cypress-Verlags wird - salopp formuliert - dicht gemacht. PCP hat immer rote Zahlen geschrieben, so traurig es ist. Und da es keine Perspektive auf Besserung gibt, hat sich kein Käufer gefunden, der das Heft weiterführen will.»
PS: Mittlerweile ist Cynamite.de auch "powered by Games Aktuell".

Montag, 30. Juli 2007

Hakenkreuze: Aktuelle PCPP-Ausgabe zurückgerufen!

Da hat wohl jemand nicht aufgepasst! Auf der Heft-DVD der aktuellen PC PowerPlay-Ausgabe 08/2007 befindet sich ein Trailer zum im Winter erscheinenden Ego-Shooter Turning Point: Fall of Liberty, der eine alternative Vergangenheit als Background hat (die Nazis greifen 1951 die USA an).

Leider ist nun am Ende des Trailers eine riesige Hakenkreuzfahne zu sehen, die an der Freiheitsstatue hängt. Da Bildschirmspiele (noch?) nicht als Kunst gelten, ist die Darstellung solcher als verfassungswidrig eingestufter Symbole in Deutschland verboten.
Im angepassten deutschen Trailer, der es nicht auf die PCPP-DVD geschafft hat, wurde dann das Hakenkreuz durch ein Eisernes Kreuz ersetzt.

Nach der Auslieferung an den Einzelhandel (und ca. eine Woche nach dem Aboversand) hat dann jemand diesen Fehler bemerkt und das Heft wurde mit einem Schreiben vom 27. Juli komplett zurückgerufen: "Bitte remittieren Sie unverzüglich alle vorhandenen Exemplare".

Hoffentlich ist dadurch der finanzielle Schaden für den CyPress-Verlag nicht zu groß, schließlich läuft es für die PCPP nicht besonders gut...

Freitag, 2. Februar 2007

Wie du mir... [Update III]

Über Spielezeitschriften lästern und sie sinnlos analysieren mache ich ganz gerne, deshalb heute hier mal ein kleiner Überblick auf die großen Spiele, die GameStar und PC PowerPlay gerade mögen oder im Sinne der Selbstdarstellung ihres eigenen Kritizismus eben nicht gutheißen - und diese Games wären Gothic 3 und World of WarCraft.

In den Oktoberausgaben wurde Gothic 3, dessen Verkaufsversion damals ja kurzfrisitg zurückgezogen wurde, getestet (siehe Gothic Horror): Die GS sah "trotz Bugs die Erwartungen erfüllt" und räumte zwölf Seiten für den Test plus fünf Seiten für Tipps, Technik und Streitgespräch frei. Die PCPP empfand das Spiel aber wegen der Bugs als "Riesen-Enttäuschung", gab gar keine Wertung und testete auf acht Seiten.

Nach dem ersten Patch ergab der zweiseitige GS-Nachtest eines anderen Testers als noch beim Haupttest nach peinlichem, pseudo-objektivem Herumrechnen 86%, während die PCPP nach vier Seiten die 67%-Keule schwang. Bei GS gab es zudem zwölf Seiten Tipps (interessanterweise auch ein Bug-Video auf der DVD, das eine hohe 80er Wertung sehr zweifelhaft erscheinen lässt), während die PCPP es bei einer 3/4-Seite beließ. Beide Magazinen bewarben die Nachtests eher unscheinbar auf den November-Covern.

In der Dezember-Ausgabe legte die PCPP nach und deckte die unschönen Methoden des Publishers auf drei Seiten im Report "Die Akte JoWood" auf; die GS stellt den dritten Patch vor (ohne Aufwertung) und bringt weitere acht Seiten Spieletipps zu Gothic 3.

Bei World of WarCraft liegt die Sache quasi umgekehrt. Im Juli wertete die PCPP WoW im Rahmen eines Budget/Patch-Tests (v1.10.2) auf insgesamt 95% auf (im Originaltest gab es bei fünf Testern eine Durchschnittswertung von 92% bzw. 91% nach Austausch/Weggang eines Redakteurs, jetzt waren nur noch zwei Redakteure beteiligt, die ihre eigenen Wertungen um drei bzw. fünf Punkte aufstockten)!

Die GS bleibt da mit 91% (v1.5.1) zurückhaltender, hat aber auch bisher keinen Nachtest auf Basis eines aktuellen Patches gebracht. In den letzten Monaten September bis Dezember gab es zudem nur zwei je zweiseitiges Previews zum Add-on The Burning Crusade - das letzte gar als tendenziös kritisches Streitgespräch zweier Redakteure ("Neuerungen sind Mangelware", Potenzial trotzdem "ausgezeichnet") -, dafür einen kritischen Zwei-Seiten-Report "Server-Frust" über Lags in WoW. Derartiges findet sich in PCPP nicht, hier werden lieber drei TBC-Previews auf insg. 14 Seiten innerhalb von vier Monaten inkl. einer Titelgeschichte gebracht! Bei erwähnter Titelgeschichte werden auch "100 Beta-Keys" bei einem Gewinnspiel fett hervorgehoben; GS bietet die aber auch. Und auf dem Cover der Dezember-Ausgabe titelt GameStar zu Guild Wars: Nightfall sogar: "Das fast perfekte Online-Rollenspiel: Guild Wars schlägt World of Warcraft!"

Hintergrund: Da GS Spiele nach einiger Zeit in der Grafik abwertet und sich dies dank des dämlichen Additionssystems auf die Spielspaßwertung niederschlägt, hat WoW jetzt "nur" noch 90%, während GW:N mit 91% den ersten Platz der "GameStar-Abenteuer-Charts" übernimmt. In dem Test zum Spiel sagt Redakteurin Petra Schmitz in einem zweiten kleinen Streitgespräch aber aus:
«Wer also aufgrund der 91er Wertung glaubt, Nightfall sei besser als World of Warcraft, der liegt falsch. Es ist einfach anders - und in seiner Andersartigkeit perfekt.»
Update: Im Januar wirft sich GameStar dann wieder den WoW-Fanboys an den Hals: Titelgeschichte zum Burning Crusade - "Die Essenz aus 2 Monaten Betatast: Instanzen, PvP, neue Rassen - alles!" - auf sechs Seiten mit fünf Meinungskästen, dazu zwei Seiten zum Patch 2.0 (ohne Aufwertung). Und einen dezentem Seitenhieb auf die Konkurrenz gibt's in der Einleitung des Previews auch:
«Noch nie hat ein Addon zu einem Rollenspiel im Vorfeld zu so vielen erbitterten Diskussionen geführt. Noch nie sind über ein Spiel vor Erscheinen so viel Halbwahrheiten und Infoschnipsel verbreitet worden. Wir haben die Beta über Monate mit einem ganzen Team gespielt - und schaffen nun Klarheit.»
Hugh! Natürlich ist das Potenzial "ausgezeichnet", zudem wird im Editorial auch ein WoW-Sonderheft für Mitte Januar angekündigt. Ob acht Seiten einen Monat vor dem regulären Test sein müssen, sei dahingestellt, aber da WoW für die Printmagazine ungünstig am 16. Januar erschien, ist das Preview natürlich als Quasi-Test zu verstehen. Den "Reiseführer" zu Gothic 3 beschließt GS auf vier Seiten.

Die PC PowerPlay übt sich dagegen im Januar in WoW- und G3-Abstinenz, einzig eine dreiseitige Vorstellung des WoW-Sammelkartenspiels gibt es (vier Meinungen, insg. 8,5 Punkte). Dies setzt sich sogar im Februar fort, denn der WoW:TBC-Test wird auf dem Cover nur recht unscheinbar im DVD-Seitenteil aufgeführt ("Mega-Test + 4 Videos!"). Neben dem Titelthema Stalker ("Hype-Titel") werden noch Herr der Ringe Online ("Exklusivbericht aus dem Betatest: Hier kommt Blizzards härtester Konkurrent") und Two Worlds ("Jetzt schon besser als Gothic 3: Wir haben die neue Rollenspiel-Welt erforscht") präsentiert. Übrigens kostest PCPP jetzt wieder nur 2,99 EUR, dafür ist die Vollversion weggefallen.

Der Burning Crusade-Test ist dann sechs Seiten lang und bietet vier Redakteursmeinungen. Martin Deppe testete damals das Original (92%, TBC 94%), David Bergmann war auch beim Patchnachtest dabei (TBC wieder 95%). Die beiden anderen Tester vergaben bisher keine Wertungen für WoW und zücken nun 91% und 84%. 84%?! Jupp, denn Gothic 2-Fanatiker Rüdiger Steidle durfte seine gemäßigtere Meinung kundtun und schrieb sogar den Testbericht - ein Entgegenkommen an die Leser, die sich im PCPP-Forum über den andauernden WoW-Hype mockiert hatten...? Schlussendlich landet TBC dann bei 91%. Dazu gibt es noch "+ 16 Seiten Tipps zum Sammeln".

Gothic 3 kommt mit Patch 1.12 "ein letztes Mal auf den Prüfstand" der PCPP und erlebt eine Aufwertung auf insgesamt 79%; Rüdiger Steidles 80% erscheinen angesichts seiner damaligen 97% für Gothic 2 aber immer noch mager.

Auch die Februarausgabe von GameStar schaut sich auf zweit Seiten die Patch-Historie von Gothic 3 und wertet das Spiel in Version 1.12 auf 87% auf. Von The Burning Crusade ist auf dem Cover überhaupt nichts zu sehen, die Titelthemen sind Hellgate: London, das Oblivion-Add-on Shivering Isles und Stalker ("Wir sind sicher, Stalker wird klasse!").

TBC wird dann auf zwei Seiten vorgestellt - mehr wäre nach dem riesigen Preview der letzten Ausgabe auch lächerlich. Es bekommt aber keine abschließende Wertung, da die GS-Teilwertungen "Balance", "Atmosphäre" und "Quest/Handlung" noch nicht endgültig zu bewerten seien; die restlichen sieben Wertungen ergeben momentan 64% (die PCPP gab im Test auch zu, Level-70-Inhalte noch nicht getestet zu haben). Ein GS-Sonderheft zu WoW wird natürlich auch beworben, dafür gibt's keine Tipps zum Spiel im aktuellen Heft. In der Märzausgabe bekommt TBC dann nochmals fast vier Seiten und eine Wertung von 92%.

Montag, 29. Januar 2007

Die Herren der Zeit

Vor knapp einer Woche überkam mich die Lust, nach langer Abstinenz mal wieder einen Fantasy-Roman zu lesen. Im Regal stand noch Die Herren der Zeit von Helmut W. Pesch (2000) ungelesen herum, der Nachfolger zu Die Ringe der Macht von Helmut W. Pesch und Horst von Allwörden (1998). Letzteres hatte ich auch vor langer Zeit gelesen, kann mich aber nicht mehr wirklich dran erinnern - richtig schlecht fand ich das Buch aber wohl nicht, sonst hätte ich mir kaum die Fortsetzung gekauft.

Beide Bücher sollen laut Autoren als Hommage an Tolkiens Herr der Ringe verstanden werden, was aber in meine Augen mehr eine Rechtfertigung darstellt, sich aus Versatzstücken von Tolkiens Werken eine phantastische Story zusammenzubasteln. Beim ersten Buch klappte das meiner diffusen Erinnerung zufolge noch recht ordentlich, aber bei den Herren der Zeit ist Schluss!

Über Heldennamen wie Kim(beron) und Fabian kann man - wie schon im ersten Buch - nach einiger Zeit hinwegsehen und zu Beginn reißt die Geschichte durchaus mit (worum geht's? Was passiert?), auch wenn man dauernd über Tolkien-Ideen stolpert, meist gar nicht oder oft schlecht verändert.

Story: Nach dem Ende des Ringkrieges aus dem ersten Buch macht sich der damalige Hobbit-, äh, Ffolksheld Kim auf den Weg zu Aragorns, äh, Fabians Kaiserkrönung. Doch Sauron, äh, Aza-irgendwas manipuliert die Zeit und unsere Helden landen in einer dunklen Vergangenheit (inkl. Erinnerung an die "richtige" Gegenwart). Missionsziel: Die Ringe der Macht vereinen, die Zeitlinie hinbiegen und den Bösen den Arsch versohlen!

Mit Fortschreiten der Geschehnisse wird aber deutlich, dass es wirklich nur eine wenig inspirierte "Böser Herrscher gegen gute Gefährten"-Saga ist, wobei "Saga" nicht zutrifft. Denn episch wird es irgendwie nie, obwohl von Weltenschicksalen und Götterentscheidungen geschrieben wird. Problem: Die wenig ausgestaltete Welt wirkt niemals groß und lebendig, längere Reisen gibt es nicht, die Helden finden zügig und zufällig immer wieder zusammen. So, als ob Tolkiens Ringkrieg nur im Auenland stattfinden würde - Obacht vor dem Herrn der Finsternis aus dem Nachbardorf...

Gegen Ende des Buches kommt dann auch die Zeit aus dem Titel zum Tragen, denn nach ein paar Time Travels ergeben ein paar Handlungsdetails recht interessante Zeitreisewendungen, die aber auch schnell abgefrühstückt werden. Außerdem ist der Leser nicht mehr allzu aufmerksam bei der Sache, zusätzlich verstimmt durch überflüssige Traumpassagen (überblättern). Wenigstens kann Pesch recht stimmig schreiben. Trotzdem sollte er keine Tolkien-Rip-offs mehr verfassen, da ist er als Experte wohl einfach zu vorbelastet.

Nach Stan Nicholls' Die Orks mein bisher schwächstes Fantasy-Buch (wobei Die Orks aber richtig mies war).

Montag, 23. Oktober 2006

Gothic Horror

Gothic 3 ist wohl - neben Crysis - das ambitionierteste Prestigeprojekt deutscher Spieleprogrammierer; die Vorgänger genießen zumindest in Deutschland Kultstatus und residieren ununterbrochen in den "Leser-Charts" verschiedener Spielezeitschriften.

Dann bekamen die Printmags letzten Monat endlich ihre offiziellen Testversionen - und die Gesichter müssen lang gewesen sein, denn was der Publisher JoWood da aus Geldnot zu früh losgelassen hatte, wies horrende Bugs auf.

Nun waren unsere hiesigen Magazine fleißig und meldeten dem Hersteller fluchs den desaströsen Zustand des Spiels. Und nur weil PC PowerPlay, GameStar u.a. dies taten ;-), wurde die Goldmaster-Version des Spiels eingestampft, um Last-Minute-Bugfixing zu betreiben.
Daraufhin verzichtete die PCPP auf eine Testwertung in Ausgabe September 2006, während die GS eine vorläufige Wertung von 85% gab (wie gewohnt aus zehn Einzelwertungen zusammenaddiert...) und eine hypothetische Wertung für die Verkaufsversion von 89%!

Als das Spiel dann schließlich Mitte Oktober im Handel stand (inkl. Patch zum Release) ging ein Raunen durchs Netz:
Die bekannte Website 4Players vergab in ihrem Test nur eine Wertung von 68%! So stark wurde noch nie ein Hype-Spiel abgestraft!
Die PC Games - in hohen Wertungsgefilden zuhause - brachte im Nachtest 88% zustande, während GS bei 86% landete.
Und was macht die PCPP? "Knallhart" zücken drei angeblich unabhängig von einander wertende Redakteure in Ausgabe November 2006 65, 67 und 69 Prozent, was eine offizielle Durchschnittswertung von 67% ergibt! Für Rüdiger "69" Steidle wohl besonders heftig, da Gothic 2 von ihm 97% bekam...!
(Die PCPP-Heimat Cynamite.de bietet auf auf der dortigen G3-Seite leider keine offizielle Wertung.)

Wie immer wird die "Wahrheit" wohl zwischen diesen Wertungsextremen liegen. Profilierung und Hype-Beugung liegen as usual in der Luft.
Na ja, bis ich mal G3 spielen werden kann, dauert's noch und bis dahin sind hoffentlich noch ein paar mehr Patches ins Land gegangen (wie damals bei den Vorgängern, die hier auch noch ungespielt herumliegen). Aber JoWood wird sich trotz der Kontroversen freuen, denn G3 hat sich in den ersten Tag mit über 150.000 Exemplaren blendend verkauft.
Kein Wunder, dass deutsche Spiele immer verbuggt sind, wenn am Ende doch jeder zugreift...

PS: Wertungsübersichten bei GameRankings.com und Metacritic.com. Gothic 2 bekam in der PCG 91%, in der GS 88% (mittlerweile wegen "technischer Alterung" auf 85% abgewertet) und in der PCPP 91% (mit den Einzelwertungen 88, 89, 89, 90, 92 und 97%).

PPS: Mittlerweile ist der zweite Patch erschienen und die Jungs von Piranha Bytes melden sich ausführlichst im World of Gothic-Forum zu Wort. Sehr löblich!

Montag, 4. September 2006

GameStar minus Mick

Hab mal was zum Weggang Mick Schnelles auf HomiSite.com geschrieben (Warnung: übles Webdesign :-).

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